"Es gibt viele Verschwörungs-Theorien um Fethulla Gülen"

20. Februar 2012, 12:37
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Ismayil Tokmak, Obmann von "Friede - Institut für Dialog", über den umstrittenen türkischen Islam-Prediger und dessen Bewegung

Der Islam-Prediger Fethullah Gülen und dessen Netzwerk sind mehr als umstritten (siehe auch aktueller Blogeintrag von Markus Bernath aus Istanbul). Kritiker werfen Gülen vor, er wolle die laizistische türkische Republik unterminieren und durch einen islamischen Staat ersetzen. Gülen soll einmal gesagt haben, dass die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft zwar gelten, jedoch nur solange diese nicht im Widerspruch zum Koran stehen.  Diese Aussage ist Ismayil Tokmak, Obmann von "Friede - Institut für Dialog", dessen Organisation der Gülen-Bewegung nahe steht, nicht gegenwärtig.

Tokmak verteidigt im Video-Interview mit Hans Rauscher die Gedanken hinter der Bewegung. "Es ist eine offene Bewegung. Die Ideen von Gülen sind für alle zugänglich." Nicht nur Muslime seien angesprochen, jeder könne sich bedienen und man könne einen Nutzen für ein friedliches Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft daraus ziehen. Tokmak erklärt, warum viele "Verschwörungstheorien" nicht zutreffen würden, und wie man gegen alteingesessene Strukturen in der Türkei für mehr Demokratie eintreten wolle.

"Der Islam in Österreich und Europa ist eine Realität, die schon seit vielen Jahren existiert", meint Tokmak. Jedoch werde die öffentliche Debatte darüber sehr einseitig und emotional geführt. "Es ist leider schon zur Tatsache geworden, dass der Islam eine Art Feindbild-Funktion inne hat." Man verbinde den Islam primär mit Gewalt und Terror, was aber grundsätzlich nicht stimme. "Man redet viel übereinander, aber kaum miteinander", plädiert Tokmak für mehr Informationsaustausch. (rasch, derStandard.at, 20.2.2012)

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