Schließungen

Bezirksgerichte: Widerstand im Ländle

20. Februar 2012, 14:04

"Idealvorstellung" der Ministerin: 68 statt 141 Bezirksgerichten

Wien - Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) startet diese Woche in Vorarlberg ihre Verhandlungen über die Bezirksgerichte mit den Bundesländern. Ihre "Idealvorstellung" ist, die österreichweit 141 Bezirksgerichte auf 68 Standorte zu konzentrieren - womit an jedem Bezirksgericht mindestens vier Richter arbeiten würden (derStandard.at berichtete). Nach der Bekanntgabe ihrer Pläne in der Vorwoche regte sich bereits erster Widerstand, vor allem in Salzburg und in Vorarlberg.

In Vorarlberg will Karl die Bezirksgerichte von sechs auf vier reduzieren. Das BG Montafon soll an das BG Bludenz angeschlossen werden, das BG Bezau an das BG Bregenz, Dornbirn und Feldkirch blieben unverändert. 

Vorarlberg skeptisch

Vorarlberg blieb am Montag in der Frage der Zusammenlegung von Bezirksgerichten skeptisch und abwartend. Die erste Gesprächsrunde zwischen Landeshauptmann Markus Wallner und Justizministerin Beatrix Karl brachte keine konkreten Ergebnisse. "Ich habe mich heute nicht in der Lage gesehen, die Entscheidung zu treffen, die die Ministerin gerne hätte", sagte Wallner im Anschluss an die Unterredung mit Karl. Dafür sei ihm die Suppe noch zu dünn. Karl zeigte sich dennoch optimistisch, sowohl mit Wallner als auch mit den anderen Landeshauptleuten rasch zu Lösungen zu kommen.

"Man muss die Situation der zwei zur Diskussion stehenden Standorte in Bezau (Bregenzerwald) und in Schruns (Montafon) noch einmal ganz genau betrachten. Die kolportierten Einsparungs-Volumina sind weder in Bezau noch in Schruns erreichbar", betonte der Landeshauptmann. Eine schnelle Zustimmung des Landes werde es nicht geben. Er wolle sich auch "genau anschauen", wie die Zusammenlegung von Bezirksgerichten in den anderen Bundesländern gehandhabt werde, so Wallner.

Während allerdings Karl davon ausging, dass man rasch zu einer Einigung kommen könnte, war Wallner in diesem Punkt sehr viel zurückhaltender. Die Gespräche würden "noch Wochen dauern", meinte der Landeshauptmann.

Salzburg: Zwei Drittel gestrichen

Nur ein Drittel der Standorte blieben nach Karls Plänen in Salzburg bestehen. Sechs der neun Standorte sollen aufgelassen werden: Saalfelden soll zu Zell am See kommen; Tamsweg zu St. Johann im Pongau; Oberndorf, Thalgau, Neumarkt und Hallein zu Salzburg.

Weniger als ein Drittel der Standorte würde nach Karls Vorstellungen im Burgenland bleiben, wo alle sieben Gerichte weniger als vier Planstellen haben. Die bisher sieben Bezirksgerichte sollen an zwei Standorten konzentriert werden. Eisenstadt, Mattersburg und Neusiedl am See sollen das "BG Eisenstadt neu" bilden; Oberwart, Güssing, Jennersdorf und Oberpullendorf das "BG Oberwart neu".

Am meisten Schließungen in Oberösterreich

Die zahlenmäßig meisten Schließungen sind für Oberösterreich vorgesehen: 28 Gerichte sollen auf zehn reduziert werden. Dazu will Karl die vier Kleingerichte Mauthausen, Freistadt, Pregarten und Perg zu einem neuen BG Perg zusammenlegen. Urfahr-Umgebung, Rohrbach und Leonfelden sollen in Urfahr konzentriert werden. Enns soll an Traun angeschlossen werden, Mattighofen an Braunau; Schärding an Ried; Weyer, Kirchdorf und Windischgarsten an Steyr; Bad Ischl an Gmunden; Mondsee und Frankenmarkt an Vöcklabruck; Lambach, Eferding, Grieskirchen und Peuerbach an Wels. Unverändert bliebe das BG Linz.

In Niederösterreich will Karl 17 der 32 Standorte auflassen. Laa an der Thaya soll zu Mistelbach dazukommen; Purkersdorf zu Klosterneuburg; Hollabrunn und Stockerau zu Korneuburg; Bruck an der Leitha zu Schwechat; Zistersdorf zu Gänserndorf; Gmünd und Waidhofen an der Thaya zu Zwettl; Horn zu Krems; Ybbs und Scheibbs zu Melk; Haag und Waidhofen an der Ybbs zu Amstetten; Neulengbach und Lilienfeld zu St. Pölten; Gloggnitz zu Neunkirchen; Ebreichsdorf zu Baden; Unverändert blieben Tulln, Mödling und Wr. Neustadt.

Protest in Kärnten

Einen Sonderfall bietet Kärnten: Die drei Mini-Bezirksgerichte Ferlach, Eisenkappel und Bleiburg sind im Volksgruppengesetz aufgelistet, in der Verfassungsbestimmung der Anlage 2 als Bezirksgerichte, an denen auch Slowenisch als Amtssprache angeboten werden muss. Karls "Idealvorstellung" ist dennoch, Eisenkappel und Bleiburg sowie Wolfsberg an Völkermarkt anzugliedern und Ferlach an Klagenfurt. Um die Verfassungsbestimmung zu ändern, müsste im Parlament aber eine Oppositionspartei zustimmen. In Kärnten will Karl noch zwei weitere Standorte - in Summe also sechs der elf - auflassen: Hermagor und Feldkirchen sollen an Villach angeschlossen werden. Unverändert blieben St. Veit an der Glan und Spittal an der Drau.

Die Kärntner Rechtsanwaltskammer protestiert gegen die Pläne. Kärnten habe bereits in den 70er Jahren eine große Bezirksgerichtsreform durchgeführt, seither gebe es nur noch ein Bezirksgericht pro politischem Bezirk, erklärte Präsident Gernot Murko am Montag in einer Aussendung. "Andere Bundesländer müssen das erst einmal nachvollziehen."

Murko betonte, die österreichische Justiz finanziere sich aus den Gebühren zu mehr als 100 Prozent selbst: "Dafür erwartet man auch eine Gegenleistung und damit sind mit Sicherheit keine Einsparungen gemeint." Er wolle sich daher eine Schließung gar nicht vorstellen, zumal nicht an eine Senkung der Gerichtsgebühren gedacht sei.

Wenn man die Bezirksgerichte zusperre, hätte dies am Land fatale Folgen. Der nächste Schritt wäre wohl, dass man alle Schulen und Veranstaltungshallen schließe, und dann könne man den ländlichen Raum als "entvölkert" ansehen, kritisierte der Anwalt. Bisher bestehe in Kärnten ein guter Kontakt zu den Organen der Justiz. Murko: "Dieser ist dann wohl auch in Gefahr." Er sei kein Verhinderer, der erkläre, es dürfe kein einziger Standort geschlossen werden, aber es sei enorm wichtig, dass man über derart massive Einschnitte im Detail ausgiebig rede.

12 Schließungen in Steiermark

Zwölf der 22 Standorte will Karl in der Steiermark aufgeben. Gleisdorf, Feldbach und Weiz sollen das "BG Gleisdorf neu" bilden, Fürstenfeld an Hartberg angeschlossen werden; Voitsberg und Stainz an Deutschlandsberg; Bad Radkersburg an Leibnitz; Frohnleiten an Graz-West; Schladming und Irdning an Liezen; Knittelfeld und Murau an Judenburg; Mürzzuschlag an Bruck an der Mur. Unverändert blieben Leoben und Graz-Ost.

In Tirol bliebe nach Karls Plänen rund die Hälfte - nämlich sechs der bisher 13 Standorte - bestehen. Landeck, Reutte und Silz sollen an Imst gehängt werden; Zell am Ziller zu Schwarz, Rattenberg zu Kufstein, Telfs zu Innsbruck. Auch das BG Lienz würde nach Karls "Idealvorstellungen" aufgelassen - und mit Kitzbühel zusammengelegt, wobei allerdings immer wieder auf die geografische Besonderheit des Osttiroler Gerichts verwiesen wurde. Unverändert bliebe das BG Hall. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 89
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Österreichische Verbrecher Partei!
00
24.2.2012, 19:34
WENN SIE ES HABEN WOLLEN DANN SOLLEN SIE ES SELBER BEZAHLEN !!!!

sehr einfach

Ätzend
00
29.2.2012, 11:44
Das ist hier kein Argument, weils ja nix kostet.

Die Gerichte finanzieren sich mit ihrem Umsatz selber, nur die Gefängnisse nicht.

jackk 2
02
21.2.2012, 12:36
Wiener Weltreisen

Und warum will man in Wien keine Bezirksgerichte zusammen legen? Die Wiener habens ja noch einfacher eine Behörde zu erreichen, oder ist die Fahrt von einem Grätzl ins nächste unzumutbar??? Selbst die Fahrt von einer Stadtgrenze zur anderen ist in der Osthauptstadt ein Katzensprung (auch zeitlich) im Vergleich zu Lienz - Kitzbühl oder Tamsweg - St.Johann im Pongau.

Klar Blick
00
Weil sie in Wien im Gegensatz zum Land zu groß sind.

Man hat sie in Wien in den letzten Jahrzehnten sogar deswegen vermehrt. Auch Riesenwasserkopf-Bezirksgerichte sind nämlich administrativ nicht sinnvoll.

Karl Graus
00
21.2.2012, 13:52
lienz zu kitzbühel ist ein echtes schmankerl!

wer DAS ernsthaft vorschlägt, der kann nur in der schule in geographie nicht aufgepasst haben.........ähnlich aber im nordburgenland (zb von pamhagen/andau/apetlon um den see herum nach eisenstadt, vielleicht auch noch mit den öffis.....viel spaß)....was die republik da spart, zahlt der bürger 10x drauf! aber nach dem motto dürfte es in letzter zeit eh nur mehr laufen.......

Noleilei
00
21.2.2012, 14:20

Südburgenland genauso.
Von irgendwelchen Ortschaften im Bez. Jennersdorf nach Oberwart ists auch ein Hammer. > 1h Fahrtzeit mit dem Auto. Keine Ahnung ob das öffentlich überhaupt möglich ist. Ich glaub die Möglichkeit gibts gar nicht.

Karl Graus
00
21.2.2012, 14:40
dann sollen die leute eben daheim bleiben!

ich denke, das ist genau das ziel der damen und herren im JM! nicht mehr belästigt zu werden........

politint
02
20.2.2012, 20:33
Bezirksgerichte

Die Zusammenlegung ist völlig richtig. Gerade die vorarlberger Justiz hat keinen Grund sich
querzulegen - sie müßte wissen wohin es führt wenn auf kleinen Gerichten "Freunderlwirtschaft" herrscht.

Besserwisser
00
22.2.2012, 14:27
Ist da nicht eine Richterin des Landesgerichtes involviert?

Und hat nicht eine Richterin des Bezirksgerichtes den Schwindel aufgedeckt?

Chris Quast
00
20.2.2012, 20:20

45 min mit PKW
1h öffi sollten maximum sein.

wenn man es so aufteilen kann ist es zumutbar.

in zB haben sie beispiel von oö gezeigt. da gäbe es im mühlviertel nur mehr eines. ist mMn zu wenig.

speziell vom oberen mühlviertel wären die leute sicher froh wenn sie im winter nur nach freistadt/rohbach und nicht nach linz/perg fahren müssten.

Ben Kenobi
00
20.2.2012, 23:37

klingt etwas verwirrend, das obere Mühlviertel ist nicht der nördliche sondern der westliche Teil!

Chris Quast
00
21.2.2012, 12:18

ja blöd ausgedrückt. oben als weit oberhalb der donau ;-).
aber hast im prinzip recht, das obere m-viertel ist bwzirk rohrbach.

gemeint alle "donaufernen" orte, die müssen dann nach linz (statt rohrbach) bzw. perg statt freistadt fahren

LL MM
00
20.2.2012, 19:53

Furchtbar, was sich da Zentralisten so alles aushecken.

In Tirol gäbe es westlich von Innnsbruck nur mehr ein(!) Bezirkgericht und die Osttiroler nach Kitzbühel zu schicken, ist sowieso eine Schnapsidee.

Glauben die, dass in Tirol jeder sein Privatflugzeug hat und es in jedem Dorf einen eigenen Flugplatz gibt? Als die topografisch völlig unbeleckten Zentralisten die Landkarte von Tirol gesehen haben, dachten sie, die vielen Kreuzeln mit den vierstelligen Zahlen und den Namen daneben sind U-Bahn-Stationen.

Das zeigt nur, die Leute auf dem Land sind den Zentralisten völlig egal.

Prof.Dr.Tyler Durden
00
20.2.2012, 20:59
Die zusammenlegung

von landeck/imst/silz sowie telfs/innsbruck halte ich für unproblematisch. Reutte müsste aufgrund des fernpasses aber bestehen bleiben - ebenso lienz.

LL MM
00
20.2.2012, 21:09

Imst und Silz ok. Landeck und Imst, darüber kann man streiten. Würde beide belassen.
Schwaz und Zell bzw. Rattenberg und Kufstein ok.

Reutte aber muss, wie Sie richtig sagen, bleiben. Genauso Lienz. Alles andere wäre die totale zentralistische Ignoranz.

Jedenfalls tun sich die Zentralisten, die den Föderalismus zurückdrängen wollen, mit solchen Aktionen keinen Gefallen.

Wobei ohnehin der Zentralismus selten billiger kommt.

Informatiker
 
00
20.2.2012, 19:17
"Tulln bleibt unverängert" - eine gefährliche Drohung !

Da wir schon mal der Akt verloren und dennoch verhandelt oder in einem anderem Prozess vergessen, die Zeugen zu laden und dafür das Urteil ohne das Protokoll der Hauptverhandlung zugestellt (als Loseblattsammlung).

Besserwisser
02
20.2.2012, 16:18
Ich hätt einen besseren Einsparungsvorschlag,

der die Bevölkerung überhaupt nicht belastet:
DIE AUFLÖSUNG DES BUNDESRATES !
Dabei könnte man allein an den Gehältern jährlich 3,8 Mio € einsparen.
Darüber hinaus erspart man sich noch die Fahrtspesen der Bundesräte zu den einzelnen Sitzungen.
Ich schätze, die Einsparung beträgt jährlich fast 5 Millionen. Und die Bevölkerung verliert überhaupt nicht.

Karl Graus
00
21.2.2012, 15:55
das belastet aber die bundesräte!

und die sind ENORM wichtig!

Informatiker
 
00
21.2.2012, 04:17
Das eine schließt das andere nicht aus.

eko
00
20.2.2012, 15:57

Skepsis nicht nur in Vorarlberg.
Wie oft muss es denn noch wiederholt werden, bis hier der Irrsinn gestoppt wird?
Die Ausbau-, Umbau und sonstigen Adaptierungskosten der verbleibenden Gerichte bieten genug Möglichkeit für neue Korruption - wos dazu gerade einen U-Ausschuss gibt und die Justiz im Vertrauen der Bevölkerung dabei ist, die Politik einzuholen.
Der Einsparungseffekt - wenn man das obige außer acht lässt - wird durch Verkehrskosten, Umweltbelastung, Anwaltskosten, ... mehr als aufgewogen.

LL MM
00
20.2.2012, 19:59

Natürlich erspart man sich nix oder kaum etwas. Aber wenn man in den ländlichen Gebieten die Infrastruktur zusammenhaut, gibt es Applaus von den sich im Zentrum befindenden Medien.

Nachrechnen tut eh keiner. Oder welche tollen Einsparungen hatten die Zusammenlegungen Böhmdorfers gebracht?

Informatiker
 
00
21.2.2012, 04:17
Die Gerichtsstruktur stammt aus der Zeit der Pferdekutsche.

Besserwisser
00
20.2.2012, 15:57
Das muß ein Faschingsscherz sein.

Ein Lienzer, der um 10.00 Uhr beim Gericht Kitzbühel sein muß, müßte ca. um 7.30 mit dem Bus in Lienz abfahren, um rechtzeitig anzukommen. Wenn der Termin nicht länger als 1 Stunde dauert, ist er um ca. 14.00 Uhr wieder in Lienz. Also gut 7 Stunden Zeitaufwand.
Ungefähr gleich schaut es beim Reuttener aus, der um 10.00 Uhr einen Termin in Imst hat.

Noch ungünstiger ist es natürlich, wenn der Betreffende nicht in der Bezirkshauptstadt lebt, sondern in einem Seitental

Wir kriegen da wirklich Zustände, wie sie vor 50, 60 Jahren geherrscht haben.

Chris Quast
00
20.2.2012, 21:26

ist dann ungefähr so wie wenn man einem wiener das bg nach paris oder london verlegt ;-)

Noleilei
00
20.2.2012, 15:26

Landesregierungen, usw braucht kein Mensch. Bitte das Einsparen.

Aber doch nicht Bezirksgerichte. Das sind Serviceeinrichtungen für die Bürger und sollten in zumutbarer Entfernung liegen. Noch dazu ist das Einsparungspotential gering. Und umgekehrt darf dann der Bürger im Anlassfall mehr für die Anreise zahlen.

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