"Die Summen passen schlicht nicht"

20. Februar 2012, 15:03

Experten analysieren Hocheggers Rundumschläge und wundern sich, warum der U-Ausschuss die Höhe der Honorare nicht hinterfragte

Die Aussagen von Peter Hochegger im Korruptions-Untersuchungsausschuss und in diversen Interviews haben für viel Aufsehen gesorgt. Er nannte Mitarbeiter aller Parteien, die für ihn im Zuge der Telekom-Causa gearbeitet haben sollen. Die Genannten sprachen von "Ablenkungsmanöver" und "Sauerei". derStandard.at hat sich bei Lobbyismus-Experten umgehört, wie diese Hocheggers "Spin" beurteilen.

Honorare "zehnmal höher als bei anderen Lobbying-Unternehmen"

Andreas Kovar ist Sprecher des Austrian Lobbying & Public Affairs Council und Inhaber eines Lobbyingunternehmens. Nach Nebelgranaten in der Verteidigungslinie Hocheggers befragt, erscheinen ihm drei Punkte erwähnenswert. Zum einen seien von Hochegger geschilderte Methoden vollkommen unüblich, wenn nicht sogar geächtet. "Niemand zahlt an Funktionsträger, man geht nicht mit der lockeren Geldtasche herum", sagt Kovar. Hochegger habe versucht, es als üblich darzustellen, dass die Unternehmen so großzügig agieren.

Diese Methoden würden nicht den Kodizes entsprechen, die in der Branche üblich sind. "Das ist ein ein No-Go und entspricht nicht der Etiquette." Hochegger aber habe es geschafft zu vermitteln, es sei ein Verhalten, das man diskutieren kann. "Vielleicht nicht moralisch korrekt, aber strafrechtlich nicht relevant."

Zum zweiten ist die Firma Hochegger keine Lobbying-Firma, sondern eine PR-Firma, hält Kovar fest. Hochegger habe nicht das Personal und auch nicht die entsprechende Erfahrung mitgebracht, um eine anerkannte Public-Affairs-Firma zu sein.

Hochegger versuche zum Dritten auch von den Summen abzulenken. Erwähnte Honorare seien in der Branche "total unüblich". Die Beträge seien "zehnmal höher als bei anderen Lobbying-Unternehmen", so Kovar. Für ihn ist es unverständlich, warum im U-Ausschuss die Höhe der Honorare nicht in Frage gestellt wurde, warum es keine Fragen danach gab, wo dieses ganze Geld hingegangen ist. "Die Summen passen schlicht nicht." Hochegger gelinge es seit Monaten, von diesen Summen abzulenken. "Das ist ganz erstaunlich", so Kovar.

"Hochegger ist strategisch am Ende"

"Hochegger war nur kurzfristig strategisch erfolgreich", sagt Bernhard Obermayr, Kampagnendirektor von Greenpeace Zentral- und Osteuropa, im Gespräch mit derStandard.at. Er habe zu einem komplexen Fall die simple Geschichte "Alle Politiker sind Gauner" erzählt, die ein breites Ressentiment in der Bevölkerung bedient. Mit der Botschaft "Ich hatte Politiker aus allen Parteien auf meiner Payroll" war die Story "ganz schnell gesponnen". Damit Hocheggers Erzählungen jedoch längerfristig erfolgreich sein können, müssten diese auch von den andere Parteien und den Medien fortgesetzt werden.

"ÖVP und BZÖ, die in die Defensive geraten sind, greifen Hocheggers Geschichte dankbar auf", analysiert Obermayr. Die Grünen hätten eine Gegenstrategie entwickelt, die SPÖ sei "relativ ruhig und schaut, was die anderen machen". Hochegger habe getan, was er konnte, um abzulenken, nun sei er jedoch "strategisch am Ende". Er habe seinen "Liebesdienst an den Korruptionssumpf geleistet, seine Rolle ist ausgespielt", glaubt Obermayr. Einzige Chance für Hocheggers "Alle Politiker sind Gauner"-Story wären ernst zu nehmende neue Enthüllungen, die auch die SPÖ und die Grünen belasten würden.

"Stellt jeden politischen Kontakt als korrupt dar"

Für Politberater und Lobbyist Feri Thierry tragen Hocheggers Aussagen dazu bei, dass mehrere Dinge vermischt werden. Kontakte zwischen Wirtschaft, Lobbyisten und Politik seien wichtig und dürften nicht kriminalisiert werden. Die Agentur Hochegger.com war nur zum Teil lobbyistisch tätig. Aber Peter Hochegger habe Geschäfte vermittelt, die nichts mit Lobbying zu tun hatten, und Provisionen dafür bekommen. Es sei jedoch "absurd", dass Hochegger jeden politischen Kontakt als korrupt darstelle. Wenn Gabriela Moser (Grüne) Kontakte zur Telekom gehabt habe, dann deswegen, weil sie Telekomsprecherin der Grünen sei.

Thierry bewertet Hocheggers Aussagen als offensive Strategie nach dem Motto "Ich erzähle alles". Damit wolle er das System aufzeigen, dass er nur Teil eines Systems gewesen sei, und damit von sich selbst und seinen Fehltritten ablenken, urteilt Thierry. Vielmehr sollte es jedoch um die Methoden gehen, mit denen Hochegger gearbeitet habe.

Trotzdem müsse auch das System reformiert werden, meint der Politikberater. Es gebe Lücken, und die Politik müsse sich auf Regeln festlegen, etwa zu Antikorruption und Parteienfinanzierung. Dennoch habe auch Hochegger eine moralische und ethische Verantwortung. "Nur, weil etwas nicht verboten ist, ist es deshalb nicht in Ordnung", sagt Feri Thierry.

Riskantes Spiel, ohne Alternative

"Es grenzt an Rufmord und beschädigt die Glaubwürdigkeit der Aussagen von Peter Hochegger, diese Menschen nun so zu outen, als ob sie alle Schmiergelder genommen hätten, obwohl sie ein normales Arbeitsverhältnis eingegangen sind", meint Alfred Autischer von Gaisberg Consulting, Spezialist in Sachen Krisenkommunikation. Andere anzupatzen sei als Verteidigungsstrategie zulässig, allerdings sollten dann auch die Fakten stimmen. "Den Eindruck hat man derzeit allerdings nicht", so Autischer.

Ob Hochegger mit seinem Auftritt vor dem U-Ausschuss das richtige Risikomanagement betrieben habe? Autischer: "Es ist ein sehr riskantes Spiel, das Hochegger hier spielt. Allerdings gibt es - aus seiner Sicht - dazu kaum eine Alternative. Er ist als Zeuge geladen und muss wahrheitsgemäß aussagen. Sich der Aussage zu entziehen würde die Situation für ihn nur schlimmer machen. Seine Offensiv-Strategie ist offenkundig, seine Praktiken als Teil eines Systems und als allgemein anerkannte Usance darzustellen. Ehemalige Mitarbeiter dabei mit in den Sumpf hineinzuziehen ist aus meiner Sicht allerdings nicht das richtige Krisenmanagement."

Was der Experte dem Lobbyisten nun rät: "So weit wie möglich bei der Aufklärung der diskutierten Fälle mitarbeiten. Seine Aussagen gegenüber den Behörden und dem Untersuchungsausschuss machen und sich sonst mit Interviews und Stellungnahmen zurückhalten." (Katrin Burgstaller, Marie-Theres Egyed, Rainer Schüller, Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 20.2.2012)

Kommentar posten
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Benno Berghammer2
00
22.2.2012, 20:22
PR-Leute sind auch Lobbyisten...

Es ist schon verwunderlich. Da wird früher ein Star der Branche vor den U-Ausschuss und in die Medien gezerrt und die Rosams & Co. erklären nun mit hochrotem Kopf, dass sie ja nie PR gemacht haben. Nein sie haben sich weiterentwickelt, denn nun sind sie ja Lobbyisten geworden. Das klingt vornehmer und nicht so abgedroschen. Ich kenne keinen Lobbyisten, der nicht auf eine gute PR wert legt und ich kenne keinen PR-Fachmann, der nicht ebenso für seine Klienten gezieltes Lobbying betreibt.

Es geht heutzutage das eine oder das ander nicht.

Dann von ungeschriebenen Ethik-Codes und Spielregeln der Branche zu reden ist mehr als scheinheilig.

Rosam prosit auf den Lobbyisten pardon nun Ex-PR-Agenturinhaber.

F Honesty
 
00
21.2.2012, 14:53
Einfacher Lösungsvorschlag

Jede Aussage Hocheggers wird überprüft und der Geldfluss verfolgt. Er müsste ja eigentlich alles verbucht haben und auf der anderen Seite ebenso. Falls er nichts verbucht hat (Schwarzgeld), ist er sowieso sofort fällig. Außerdem müssen auch alle anderen Beschuldigten befragt werden und falls wer Geld bekommen hat, dann muß auch die Leistung genau geprüft und natürlich veröffentlicht werden. Das ein Mensch des Charaktertyps Hochegger auch Blendgranten wirft muß genau so fix angenommen werden, als dass er auch Namen verschwiegen hat. Auch die Staatsanwaltschaft müsste dies natürlich genauestens überprüfen.

ZAD1966
 
01
21.2.2012, 13:03
wer's glaubt...

Nach dem ich am Sonntag Im Zentrum gesehen habe, bin ich endgültig der Überzeugung, dass sich aber schon gar nichts ändern wird. Das mit dem Finger auf andere zeigen, ablenken, Respektlosigkeit, Zynismus und Überheblichkeit ist derart unerträglich geworden, dass ich mich frage, wie lange sich die BürgerInnen dieses Landes (Bananenrepublik) dies noch gefallen lassen. Ich beginne mich langsam aber sicher für dieses land zu schämen. Oder sind die PolitikerInnen nur der Spiegelbild einer ebensolchen Bevölkerung? Und wann wird die Staatsanwaltschaft endlich tätig und legt dieses Sumpf ein-für-alle-mal trocken?

Freddie_Freeloader
02
21.2.2012, 12:14
Hochegger habe getan, was er konnte, um abzulenken, nun sei er jedoch "strategisch am Ende".

glaub ich so nicht. wenns mit den politikern schluss ist, dann wird er als nächstes ein paar journalisten nennen, die auf der payroll drauf waren.

krendl
00
21.2.2012, 12:03
Ich wüsste gern Einzelheiten

zu dem Honorar, dass Hochegger für seine U-Ausschuss-Auftritte kassiert.

Grantscherben
00
21.2.2012, 11:39

Soll man lachen oder weinen, dass Pilz in der ORF Sendung am Sonntag mit einem (zahnlosen) Volksbegehren seinen Parlamentskollegen "gedroht" hat.
Zum Weinen ist auf jeden Fall, dass Leute wie Petzner oder Amon im Nationalrat sitzen!

Che - rald
00
21.2.2012, 11:09
interessant wie gestandene Politiker wieder ins "Kind- Ich" verfallen

anhand des Beispiels der kleine Stefan P. und der kleine Werner A. in "Im Zentrum": Es gibt zwei Möglichkeiten wie ein auf frischer Tat ertapptes Kind versucht jegliche Schuld von sich zu weisen :
1) Dementieren: "Das war ich nicht!" leider aufgrund der Beweislage nur schwer möglich
2) Ablenken bzw. Relativieren: "Schau was der kleine Fredi (G.) g'macht hat und die böse Monika (L.) hat auch vom Kuchen genascht" => nach dem Motto : Alle = Keiner

der Lehrer
01
21.2.2012, 11:04

H hat die richtige strategie.sein Anteil an der kohle ist bereits in brasilien.aufgrund der höhe des invetments bekommt er dort eine „carteira de estrangeiro“ – die gibt im alle rechte und pflichten eines Brasilianers (ausser wahlrecht) wenns brenzlich wird sitzt er dort am strand und ist für die häscher aus der heimat nur mehr schwer zu erreichen

Schwingschnelle
02
21.2.2012, 10:45
Günther Seehofer
02
21.2.2012, 09:55
Na seavas

Mal wieder sehr reflektierte und geistreiche Postings hier.

Muss schnell die URL checken, ob ich nicht doch auf krone.at gelandet bin.

Karl-heinz Grill
03
21.2.2012, 09:33
was sind denn die kodices der branche?

sollen doch bitte mal die "ehrenwerten" dieses gewerbes ihre ungeschriebenen gesetze offenlegen und ihre ehrenwerten geschäfte gleich dazu.

Block Bauer
10
21.2.2012, 09:14
Den Gegner mit Dreck zu bewerfen hat der Hochegger von den Grünen abgeschaut

Ich frage mich woher all die Experten kommen und was wen zu einem Experten macht?!

Iwan Diwan Zahriman
16
21.2.2012, 09:06
......wundern sich, warum der U-Ausschuss die Höhe der Honorare nicht hinterfragte

ganz einfach. weil dort nur leute sitzen die vom wirklichen leben keine ahnung haben.

Hermine Berg
 
48
21.2.2012, 09:03
hihi

die winden sich ja fast noch koestlicher als der hochegger, diese braven lobbyisten!

Crayon
02
21.2.2012, 09:03

na, net der Hochegger, sondern die Medien "Stellt jeden politischen Kontakt als korrupt dar". Sitzt von den Redakteuren irgendwer denn im U-Ausschuss? Seit Tagen gibts nur Kommentare Anderer zur Causa Hochegger, die nichts mit der Sache zu tun haben und hatten. Was soll das lieber Standard? Sind wir wirklich schon am Heute/Österreich-Niveau angelangt? Was waren die Fragen an Hochegger, damit er diese ganze Liste an Namen von sich gibt? Der wird ja net im Ausschuß in der Mitte sitzen und lustige Schwänke aus der Vergangenheit erzählen, sonst dauert der Ausschuß ja noch Jahre. Also: Wo sind die dazugehörigen Fragen zu den hier zerpflückten und wahrscheinlich falsch kommentierten Antworten?

HU
 
216
21.2.2012, 08:52
Tatsache ist das z.b. auch Grüne und SPle genommen haben

warum bei der VP und bei der FP der Generalverdacht herrscht und bei SP und Grüne die offensichtliche Schuldlosigkeit von vornherein ist mit nicht klar, und erklärt auch nicht der Artikel

Viva Zapata!
11
21.2.2012, 12:04
wo, wie, was, wann ??

sie meinen doch nicht die 2200 Euro für 28 Seiten dossier einer firma wo auch eine ehemalige grüne ist.

und dafür braucht niemand fragen "wos woar de leistung" ?

Ohne Gurt im Ionensturm
03
21.2.2012, 11:20

Welche Grüne haben was genommen?

moejoe000
17
21.2.2012, 10:13

Genau wegen Leuten wie Ihnen fährt Hochegger diese Anpatzorgie.

Mit der Konsequenz, dass die wirklichen Gauner wieder ungeschoren davon kommen. Weil: wenn es alle Parteien tun, kann man ja auch keine spezifische Partei dafür abstrafen bei den nächsten Wahlen...

Auf solch einen billigen Trick soll man nicht reinfallen!

Never Hide
10
21.2.2012, 09:46
ich hab grad noch mal im zentrum angesehen

und mich kotzt es auch an, dass der pilz original 1x die spö anpatzt und keine klaren antworten (wie auch der rest) auf anschuldigungen zu dieser paylist, wo auch politiker der grünen stehen, gibt.

die stehen drauf und sind kein thema?
und warum wird die spö medial von den grünen immer komplett weggelassen?

also ich hätte die untersuchung gern von einem WIRKLICH unabhängigen menschen leiten gesehen.

mit kommts vor, als ob die grünen alle in den sand setzen wollen, nur die roten nicht, weil da könnt sich ja spätestens 2013 was ausgehen.

ich hoffe halt, der pilz verkrampft sich nicht zuviel auf fpö, övp, bzö, sodass er rot und grün übersieht.

vor allem wenn dann mehr und mehr hochkommt.
wenn...

Lucien de Rubempre
01
21.2.2012, 09:45
das ergibt sich ja aus der logik

was macht es für einen sinn, die opposition zu schmieren ?

re flexion
00
21.2.2012, 11:52
Ev.

- weil die Opposition nach der Wahl u.U. nicht mehr Opposition ist
- weils immer gut ist bei allen Beteiligten (z.B. Ausschuß) ein gutes Klima zu erzeugen
- weil gewisse Themen gar nicht aufkommen sollen
- ...

Nick Not
00
21.2.2012, 09:51

um die Regierung noch besser schmieren zu können?

"san eh olle korrupt"...

Ende der Nacht
14
21.2.2012, 09:13
Artikel nochmal lesen und versuchen den Sinn zu erfassen!

Es gibt grosse Unterschiede zwischen Angestellten einer PR-Firma, die branchenüblich bezahlt werden und Bestechung aktiver Politiker bzw. verdeckter Parteienfinanzierung.
Und: Natürlich ist der Generalverdacht bei VP und FP für die Zeit, da sie an der Macht waren, gegeben: warum hätte man etwa die Grünen bestechen sollen?

Karl Labruni
110
21.2.2012, 09:04
Ich hab mich nicht vertieft mit dieser Geschichte auseinandergesetzt! Aber was die Grünen genau genommen haben und wofür konnte ich noch nirgends nachlesen!

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