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Strategien für den Ausbau der Elektrizitätsnetze

20. Februar 2012, 13:21
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Österreich gilt als schwieriges Umfeld für Netzinvestitionen - Herausforderungen und Rahmenbedingungen für eine sichere Stromversorgung im Überblick

Derzeit erfolgen europaweit die energiepolitischen Weichenstellungen für eine grundlegende Umgestaltung der Energieversorgungssysteme bis 2050. Ziel ist eine nachhaltige, sichere und Klima schonende Versorgung mit Strom. Zentrales Augenmerk wird dabei einem forcierten Ausbau aller erneuerbaren Energien gewidmet bei gleichzeitiger Sicherstellung der übergeordneten Versorgung durch ausreichende Ausgleichsenergie. Diese Ziele können nur erreicht werden, wenn es gelingt, durch einen Ausbau der Netze auf allen Ebenen in erheblichem Ausmaß die wachsende erneuerbare Stromerzeugung für die Konsumenten nutzbar zu machen und gemeinsam mit dem konventionellen Kraftwerkspark zu vernetzen.

Wasserkraft als Hauptstütze für Stromerzeugung in Österreich

Österreich verfügt über umfangreiche Potenziale zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen. Bis zum Jahr 2020 können die erneuerbaren Energien im Stromsektor um bis zu 14,4 Milliarden Kilowattstunden ausgebaut werden - damit besteht ein Nutzungspotenzial von 55,7 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2020. Rund die Hälfte der Potenziale entfallen auf Wasserkraft, die damit auf Jahrzehnte die Hauptstütze der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bleiben wird. Zusätzlich werden Windkraft, Fotovoltaik und andere dezentrale Erzeugungsanlagen eine immer wichtigere Rolle spielen. Jedes Haus könne in einigen Jahrzehnten nicht nur Strom verbrauchen, sondern auch ein kleines Kraftwerk sein, das Strom ins Netz einspeist. Auf Basis des Ökostromgesetzes soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion von derzeit 70 auf 85 Prozent steigen. Dazu werden zusätzlich umfangreiche Effizienzmaßnahmen im gesamten Energiesystem notwendig werden.

Der gewünschte Ausbau der Stromproduktion aus dezentralen und stark fluktuierenden erneuerbaren Energien erfordert hohe Investitionen in die Übertragungs- und Verteilernetze für Strom. Dabei geht es in einem ersten Schritt um die Einbindung der neuen Erzeugungsanlagen, den Ausbau der Netzknoten und Transformatorleistung und die Verstärkung der Übertragungsleitungen. In weiterer Folge sollen Smart Grids mit ihren integrierten Computersystemen energie- und kosteneffizient das notwendige Gleichgewicht zwischen der Vielzahl von Verbrauchern und Erzeugern wobei der Speicherung von Strom in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

Die Zeit zum Handeln ist da

Europas Stromnetze veralten, die Energieabhängigkeit steigt, skizzierte EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Situation anlässlich des Oesterreichs Energie-Trendforums im österreichischen Parlament. Die Abhängigkeit der Europäischen Union von Energieimporten, die derzeit 55 Prozent beträgt, wird nach Ansicht von Oettinger auf 60 bis 70 Prozent steigen. Damit aus Abhängigkeit nicht Erpressbarkeit werde, müsse man einerseits nach den Herkunftsländern der Energieimporte diversifizieren, andererseits müssten die Energienetze massiv ausgebaut werden. Eine große Herausforderung ist für Oettinger insbesondere der Ausbau der Stromnetze. „Es wird zu wenig investiert, unsere Netze veralten", sagte Oettinger. Die Gas- und Stromnetze in Europa seien noch immer national ausgerichtet, nötig seien hingegen paneuropäische Gas- und Stromnetze und mehr Pumpspeicherkraftwerke.

Aufgrund der mit dem Ökostromgesetz 2012 deutlich verbesserten Rahmenbedingungen für Ökostrom in Österreich kommt es derzeit zu einer massiven Zunahme der Anträge auf Netzanschluss bei allen österreichischen Verteilernetzbetreibern. Dieser Boom hat im Bereich kleiner Erzeugungsanlagen bis 30-kVA-Einspeiseleistung unmittelbare Auswirkungen insbesondere auf das Niederspannungsnetz. Da mittelgroße und große Erzeugungseinheiten umfangreiche Projektvorbereitungen und Realisierungszeiträume erfordern, sind die ersten Netzauswirkungen in ein bis fünf Jahren zu erwarten. Dadurch können Österreichs Netzbetreiber notwendige Netzertüchtigungsmaßnahmen zwar planen, viel Zeit bleibt aber nicht, da Netzausbaumaßnahmen teilweise Jahre erfordern, bis die Pläne genehmigt sind.

Österreich als schwieriges Umfeld für Netzinvestitionen

Netzinvestitionen bewegen sich derzeit in einem schwierigen Umfeld. Projekte dauern lange, stoßen auf vielfältige Ablehnung und erhalten wenig Unterstützung. Daher ist es notwendig, die Investitionsbedingungen für Netzvorhaben abzusichern und zu verbessern, Wege für den Ausbau zu suchen und die Notwendigkeit der Maßnahmen zu kommunizieren. Deutschland hat diese Notwendigkeit erkannt und zudem gesetzliche Maßnahmen ergriffen, um den Netzausbau zu beschleunigen. Auch Österreich sollte nach Lösungen suchen, die es ermöglichen, die dringenden Netzprojekte rechtzeitig vollenden zu können.

Die Schaffung und Absicherung von Investitionsanreizen für die Netzbetreiber ist ein zentrales Anliegen von Oesterreichs Energie, damit insbesondere die Verteilernetzbetreiber die hohen Investitions- und Innovationserfordernisse bewältigen können. Sie ist die Voraussetzung für Substanzerhaltung der Verteilernetze und damit Aufrechterhaltung der Versorgungszuverlässigkeit in Österreich sowie dafür, dass die Verteilernetze die zukünftigen Herausforderungen bewältigen können. Denn Versorgungssicherheit mit elektrischem Strom ist eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Österreich.

Wenn die Förderbeiträge, welche die Netzkunden für Ökostromanlagen aufbringen müssen, bereits jetzt in Österreich in der Größenordnung von 17 Prozent der Netzentgelte liegen, so erscheinen Tariferhöhungen für einen Netzausbau, die den Anschluss dieser Anlagen erst ermöglichen werden im Ausmaß von zwei bis drei Prozent angemessen und moderat. Wenn bei Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zweistellige Renditen anerkannt werden, sind die Netze mit Renditen von 5,2 Prozent für Investoren wenig interessant. Für Verteilnetzbetreiber müssen daher Anreize geschaffen werden, die es ihnen ermöglichen, in ihrem Verantwortungsbereich effiziente Systeme zu unterstützen sowie Maßnahmen zur Hebung der Energieeffizienz umzusetzen.

Österreichs E-Wirtschaft hat mit dem Masterplan Netze und dem Netzentwicklungsplan, die regelmäßig aktualisiert werden, die Grundlagen für diesen Ausbau erarbeitet und investiert große Summen in die Netze. Das Investitionsvolumen in die Netze lag in den Jahren 2005 bis 2009 im Schnitt bei 537 Mio. Euro gegenüber 450 Mio. Euro in den Jahren 1998 bis 2004. Bis 2020 sind Investitionen von insgesamt circa 8,16 Mrd. € in Erhaltung und Ausbau der Netze prognostiziert. Dazu kommen noch voraussichtliche Milliardeninvestitionen in Smart Grids und Smart Meter. Nach Berechnungen der Task Force Netze von Oesterreichs Energie sind bis 2030 Investitionen von rund 13 Milliarden Euro nötig, um die Netze in die Lage zu versetzen, ihre künftigen Aufgaben bei Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit zu bewältigen.

Herausforderungen und Rahmenbedingungen

Auswirkungen von Ökostromeinspeisung auf das Verteilernetz

Der Ausbau von zentralen und dezentralen Ökostromanlagen wird primär durch den Gesetzgeber über Anreize gesteuert. Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien steigen auch die technischen Herausforderungen für den Netzbetrieb sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen eines erforderlichen Netzausbaus. Smart Grid Lösungsmethoden mit regelbaren Ortsnetztransformatoren und Demand-Side-Management-Maßnahmen können die Anschlusskapazität für dezentrale Kleineinspeiser weiter erhöhen, und so die Investitionserfordernisse in einen konventioneller Ausbau der Struktur senken. Mittelgroße Erzeugungsanlagen werden typischer Weise in den Mittelspannungsebene (20-kV-Netz) angeschlossen und stellen laut aktueller Analyse im Stromnetz kurz- und mittelfristig das geringste Problem dar. Der massive Ausbau von Windkraftanlagen mit seinen großen Erzeugungseinheiten stellt bereits heute extreme Anforderungen an den Netzbetrieb und führt bei erforderlichen Instandhaltungsmaßnahmen zu Mehrkosten und Diskussionen, wer diese Kosten zu tragen hat. Diese Kosten, beziehungsweise deren Abgeltung samt angemessener Verzinsung stellen für den Netzbetreiber bzw. den Investor derzeit das größte Problem dar. Während mit dem Ökostromgesetz 2012 die Rahmenbedingungen für die Erzeuger von Ökostrom mehr oder weniger gesichert sind, ist für den Netzbetreiber, obwohl der Netzausbau bereits voll und unumkehrbar angelaufen ist, bis dato nicht gesichert ob, wie und über welchen Zeitraum er das investierte Geld zurückverdienen kann.

Aktuelle und künftige Herausforderungen für die Verteilernetzbetreiber:

  • Die verstärkte Elektrizitätsaufbringung aus dezentraler, erneuerbarer Erzeugung mit stark fluktuierendem Dargebot erfordert für
    - Fotovoltaik-Anlagen den Ausbau der Niederspannungsnetze und innovatives Netzmanagement und für
    - Große Windparks den Aufbau eigener Windparknetze und den Ausbau bestehender Netze auf allen Spannungsebenen (Übertragungs- und Verteilernetze)
  • Effizienzziele der Europäischen Union dürfen nicht auf den regulierten Bereich abgewälzt werden.
  • Ausgestaltung der 3. Regulierungsperiode
  • Steigende Aufwendungen für Ersatzinvestitionen
  • Implementierung von Smart-Meter-Systeme
  • Infrastrukturpaket EU - Anforderung an die Netze
  • Market Design Models - Rolle und Rahmenbedingungen für die Netzbetreiber
  • Netzintegration - Dezentrale Erzeugung und E-Mobilität
  • Smart-Grids - Stromnetze der Zukunft
      -  Die Förderung von Forschungsprojekten und Innovationen für Verteilernetze in Regulierungsmodellen soll gegeben sein und abgedeckt werden (Beispiel Innovationsfaktor in UK, zusätzlich können rund 3% der gesamten Netztarife für F&I&D-Projekte verwendet werden).

Starke Netze für die Energiezukunft - das fordert Oesterreichs Energie

Die Energiezukunft benötigt ein nationales Bekenntnis zum Erhalt, Erneuerung der Verteilernetze und zu ihrer Finanzierung damit deren volkswirtschaftliche Bedeutung erhalten bleibt. Politik, Sozialpartner und Stakeholder müssen ihre Verantwortung für die Energiezukunft wahrnehmen und sich gemeinsam für einen umfassenden Investitionsschub im Bereich der Verteilernetze einsetzen - mit dem Ziel die volkswirtschaftlichen Vorteile, die sich aus diesen Investitionen bieten, zu ermöglichen. Das gilt auch für die Einführung von Smart Meters, Smart Grids und die Finanzierung der innovativen Projekte.

So wie derzeit auf europäischer Ebene prioritäre Projekte der Energie-Infrastruktur definiert werden, sollte auch Österreich Prioritäten setzen und zielorientiert verwirklichen. Ein sicheres Investitionsklima mit längerfristig abgesicherten regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ist die beste Garantie, um eine sichere Versorgung gewährleisten zu können.

Die Akzeptanz und Tragfähigkeit der Netzfinanzierung muss auf Dauer gesichert werden. In Zukunft sollen verstärkt Leistungskomponenten in die Netztarifierung einfließen. Netztarife müssen von jenen Akteuren adäquat abgedeckt werden, die die Kosten verursachen und Einnahmen dürfen alleine der Netzinfrastruktur zugute kommen. Die Investitionskosten für die Einbindung dezentraler erneuerbarer Energieerzeugung die den Netzbetreibern entstehen sowie Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen müssen im Rahmen der Regulierung anerkannt werden und sind weiterhin über Tarife abzudecken.

Eine klare Planung über die Einführung von Zukunftstechnologien definiert den Investitionspfad für Smart Grids und Smart Meter. Auf diese Weise erhalten die Verteilernetzbetreiber die Möglichkeit in neue Technologien zu investieren und damit Impulse für den Wirtschaftsstandort Österreich zu setzen.

Sie haben Fragen?

Die Leser/innen von derStandard.at haben im Rahmen des von Oesterreichs Energie initiierten Energiediskurses die Möglichkeit, Fragen zur Zukunft der Energieversorgung direkt an Generalsekretärin Barbara Schmidt zu stellen und sich so an der Diskussion aktiv zu beteiligen.

Die Antworten erscheinen regelmäßig hier auf dieser Seite beantwortet. Senden Sie ihre Fragen an energiediskurs@derStandard.at.

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  • Netzinvestition bis 2020
    foto: oesterreichs energie

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