Kurz will höhere Strafen für Schulschwänzer

20. Februar 2012, 09:39
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Jugendliche ohne Bildung und ohne Job: Staatssekretär hält 220 Euro Strafe bei Verstoß gegen Schulpflicht für zu wenig

75.000 Jugendliche in Österreich besuchen keine Schule, sind nicht in Fortbildung und gehen keiner Arbeit nach. Das sind rund acht Prozent aller Jugendlichen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Linz und der Arbeiterkammer. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) fordert nun höhere Strafen, wenn die Schule nicht regelmäßig besucht wird.

Im europäischen Vergleich sind die Zahlen gut, der Soziologe und Studienautor Johann Bacher von der Uni Linz findet sie trotzdem alarmierend. 40 Prozent dieser Jugendlichen stammen aus "bildungsfernen Familien", in denen auch die die Eltern keinen oder einen niedrigen Schulabschluss haben. Besonders betroffen sind Migrantinnen und Migranten: Jeder fünfte Jugendliche mit Migrationshintergrund gehört dieser Gruppe an.

Ausbau der Ganztagsschulen

Die Jugendlichen leben meistens bei den Eltern und werden auch von den Eltern finanziert, so Studienautor Bacher. Auch pendeln sie häufig zwischen Hilfsarbeitertätigkeit und Erwerbslosigkeit. Manche sind auch verheiratet und finanzieren sich über den Partner.

Bacher sieht vor allem bei den Schulen Handlungsbedarf. Wenn diese wie so oft Halbtagsschulen seien, hänge es sehr von den Eltern ab, dass das Kind am Nachmittag lernt. Und das sei eben in bildungsfernen Schichten nicht der Fall. Ein Schulabbruch ist häufig die Folge. Bacher fordert deshalb einen verstärkten Ausbau von Ganztagsschulen.

220 Euro "zu gering"

Einen anderen Ansatz hat Integrationsstaatssekretär Kurz. Er fordert höhere Strafen im Schulpflichtgesetz, wenn die Schule nicht regelmäßig besucht wird. Die aktuellen Strafen von 220 Euro seien viel zu gering. Kurz will eine Angleichung an Deutschland, wo bei massiven Schulpflichtverletzungen 1.500 Euro Strafe drohten. Außerdem fordert Kurz verpflichtende Elterngespräche, eine genaue statistische Erhebung und eine Erforschung der Ursachen. 

Hundstorfer gegen Vorschlag

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) lehnt den Vorschlag von Kurz ab. Laut dem ORF-Radio will er sich weiterhin auf Jugendcoaching in den Schulen und Betreuung der Jugendlichem durch das Arbeitsmarktservice (AMS) konzentrieren. (red, derStandard.at, 20.2.2012)

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    Staatssekräter Kurz mit "Integrationsbotschafterin" und Ballettänzerin Karina Sarkissova beim Besuch in einer Mittelschule.

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