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"Das war überhaupt nicht friedlich"

20. Februar 2012, 06:11

SPD: Merkel umgefallen - CDU: Vertrauensbruch der FDP - Früherer DDR-Bürgerrechtler soll Wulff als Bundespräsident nachfolgen

Berlin - Nach der parteiübergreifenden Kür von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten-Kandidaten in Deutschland hat das Ringen um die Interpretationshoheit begonnen. SPD und Linke weisen darauf hin, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erst nach langem Ringen dem überraschenden Votum ihres Koalitionspartners FDP nachgegeben hatte, um einen Koalitionsbruch abzuwenden. Die CDU argumentiert zwar, dass ihre Vorsitzende Merkel mit der Initiative für eine parteiübergreifende Suche den Weg für Gauck überhaupt erst geebnet habe. Der Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer sprach aber auch von einem "gewaltigen Vertrauensbruch" der FDP. Der "Leipziger Volkszeitung" (Montag-Ausgabe) sagte er: "Das Verhalten ist symptomatisch für den Zustand der FDP."

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte mit Blick auf die Konsensfindung: "Das war überhaupt nicht friedlich. Die FDP ist erstaunlicherweise nicht umgefallen - dafür aber die Kanzlerin." Sie wies in der ARD-Sendung "Günther Jauch" darauf hin, dass sich Merkel zuvor erst nach langem Ringen für den ehemaligen Bürgerrechtler Gauck als Nachfolger des wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen Christian Wulff (CDU) entschieden hatte. "Das hatte einen einzigen Grund: Frau Merkel hätte eingestehen müssen, dass sie (bei der Präsidentenwahl, Anm.) vor zwei Jahren einen Fehler gemacht hat. Am Ende musste sie eingestehen."

Linken-Chef Klaus Ernst analysierte, die Kanzlerin habe sich von der FDP vorführen lassen. "Merkel hat dem Erpressungsmanöver nachgegeben, aber die Vertrauensbasis dieser Koalition ist erledigt", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Montag).

"Zerreißprobe erspart"

Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier erklärte dagegen, Merkel habe mit ihrer Initiative für einen parteiübergreifenden Konsens dem Land "eine Zerreißprobe erspart mit wochenlangen Diskussionen". Er sei "überzeugt, dass es in den Gremien der CDU eine breite Unterstützung für den Kurs von Angela Merkel geben wird", sagte Altmaier in der ARD. Die Entscheidung für den ursprünglich von SPD und Grünen favorisierten Kandidaten Gauck stehe in keinem Zusammenhang zu Koalitionsdebatten. "Dies ist kein Koalitionssignal", erklärte Altmaier.

Die Koalitionsparteien CDU, CSU und FDP hatten sich am Sonntagabend in einem stundenlangen Ringen auf den 72-jährigen Gauck geeinigt, der Favorit von SPD und Grünen war. Zuvor hatte sich die FDP überraschend auf die Seite der Oppositionsparteien geschlagen und den Gründungschef der Stasiunterlagen-Behörde als Nachfolger von Christian Wulff unterstützt. Die Liberalen - schwer angeschlagen und vor den anstehenden Landtagswahlen um Profil ringend - führten das schwarz-gelbe Bündnis damit an den Rand des Bruchs. Mit ihrem Nachgeben wendete Merkel das vorzeitige Koalitionsende ab.

Gauck, der in einem ersten Anlauf 2010 dem schwarz-gelben Kandidaten Wulff unterlegen war, kann sich nun auf eine breite Unterstützung in der Bundesversammlung stützen. Der Präsident muss spätestens am 18. März gewählt werden, ein Termin steht noch nicht fest.

Merkel bezeichnete bei einem gemeinsamen Auftritt der Parteichefs den früheren DDR-Bürgerrechtler und Theologen als "wahren Demokratielehrer", der wichtige Impulse für Globalisierung, die Lösung der Schuldenkrise und mehr Demokratie geben könne. Der sichtlich bewegte Gauck kündigte an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie "in einem guten Land leben, das sie lieben können". Gauck war in Umfragen klarer Favorit der Bürger. Rund jeder Zweite hält ihn für geeignet. (APA)

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12 Postings
boeserwolf2.0
01
20.2.2012, 14:10
..."Merkel umgefallen"...

absolut nicht, nur merkel entscheidet sich im zweifelsfall immer für den machterhalt, und darin ist ja unbestreitbar erfolgreich.

bezeichnend ist allerdings, dass sie als einzige bei der pressekonferenz ihre erkärung zu gauck nicht frei vorgetragen, sondern vom blatt abgelesen hat...das war sinnbildlich dafür, wie "unfrei" bei dieser wahl war.

und vielleicht hat es wirklich persönliche gründe, dass sie gauck nicht wollte. denn wer weiß, ob sie nicht einfach von dem pastoralen ton einer vaterfigur schon zu hause eine überdosis genossen hat ...

Reblaus
00
20.2.2012, 14:03
Merkel umgefallen

Wie sagte einst K. Adenauer....

Ben Hemmens
00
20.2.2012, 13:40
Ich tue mir schwer vorzustellen, dass Merkel sich persönlich

nicht Gauck im allgemeinen näher fühlt als einem wie Wulff.

Evtl. fürchtet sie, dass die Union mit 2 Ostlern in den Spitzenämtern nicht so gut leben wird.

Naja. Schauma mal.

Die Bayern können sich derweil zumindest damit trösten, dass sie Papst sind ;-)

1116er
02
20.2.2012, 11:08
"Frau Merkel hätte eingestehen müssen, dass sie (bei der Präsidentenwahl) vor zwei Jahren einen Fehler gemacht hat. "

nein, es war kein fehler.
denn hauptmotivation merkels für wulff als präsident war: die entfernung eines potentiellen innerparteilichen konkurrenten .

übung gelungen.
and now: the show must go on. da aber ohnehin kein weiterer nebenbuhler in sicht ist, kann madame beinhart diesmal auch mit einem gauck leben...

Eins von Gottes Ebenbildern
00
20.2.2012, 14:12

Ja, so wie´s aussieht haben Sie recht.

lg mensch

Nick Tameer
93
20.2.2012, 09:05

"Gauck kündigte an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie 'in einem guten Land leben, das sie lieben können' ".

Undankbare! Warum seht ihr es nicht ein?

Ob ihm jetzt der Honnecker menschlich näher rücken wird, so ganz insgeheim?

Zhdophanti
00
20.2.2012, 19:23

Ich glaube nicht das sich sein ganzes Interview in diesem Satz beschreiben lässt. Er hat gemeint historisch betrachtet gings den Deutschen nicht oft besser wie jetzt und wenn nun der Verlust der Lebensqualität durch dubiose Machenschaften in den Finanzsystemen droht, sollte man etwas dagegen unternehmen. Was allerdings trotzdem kein Widerspruch ist, schliesslich sind gerade mal ein bisschen über 10 Jahre seit den sogenannten goldenen 90ern hinter uns.

montag
 
00
20.2.2012, 16:31
honecker

ja er wird es. es ist nur eine frage der zeit

montag
 
00
20.2.2012, 16:06

eigentlich ist ja jeder suspekt, der das heutige system nicht füt gut heißt. du hast es uns gezeigt. -- -- darf sogar nur so jemand bundespräseident werden, der über alle sachen erhaben ist? - oder wollen wir wen, dem der "normale mensch" vertrauen kann - ich weiss es nicht und ich weiß auch nicht was besser ist.
- also tun wir nicht so unversöhlich! - ich wär auch nicht besser

montag
 
00
20.2.2012, 16:08

das könnte falsch verstanden werden: wer sich auf kosten der allgemeinheit bereichert ist nicht tragbar. ende.

montag
 
01
20.2.2012, 16:00

ich glaube, das ist mehrheitlich nicht verstanden worden...
bleib bei deinen bildern!

opti
02
20.2.2012, 06:22
vielleicht werden historiker einmal das umfallen als ihre größte stärke bezeichnen

sie muss ja nicht gemögt werden, wenn es am ende was bringt, und in diesem fall und beim atomaustieg bringt es ganz sicher was.

solange sie in die richtige richtung getrieben wird, scheint das eine gute lösung. jetzt muss sie nur noch wiedergewählt werde und dann kann sie weiter auf den richtigen weg getrieben werden ..

eine interessante lösung

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