Lehren aus dem ersten Play-off-Spieltag

  • Nach fünfwöchiger Verletzungspause kehrte Pat Leahy in die erste Angriffslinie der Black Wings Linz zurück.
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    Nach fünfwöchiger Verletzungspause kehrte Pat Leahy in die erste Angriffslinie der Black Wings Linz zurück.

  • Im Grunddurchgang 45,4 Prozent weniger Punkte als im Vorjahr, zum Play-off-Auftakt aber voll da: Wiens François Fortier.
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    Im Grunddurchgang 45,4 Prozent weniger Punkte als im Vorjahr, zum Play-off-Auftakt aber voll da: Wiens François Fortier.

  • Ausnahmekönner Robert Earl lenkt das Spiel des Titelverteidigers aus Salzburg.
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    Ausnahmekönner Robert Earl lenkt das Spiel des Titelverteidigers aus Salzburg.

  • Österreichs erster NHL-Torschütze, Christoph Brandner, steht im letzten Jahr seiner Karriere beim KAC plötzlich am Abstellgleis.
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    Österreichs erster NHL-Torschütze, Christoph Brandner, steht im letzten Jahr seiner Karriere beim KAC plötzlich am Abstellgleis.

Der Kampf um den Meistertitel in der Eishockey-Liga geht in seine entscheidende Phase. Die Analyse zur ersten Runde

Nach 54 Runden des Grunddurchgangs mit 48 respektive 50 Spielen pro Klub starteten die besten acht Teams der Erste Bank Eishockey Liga am Sonntag in die entscheidende Phase der Meisterschaft. Erstmals seit der internationalen Öffnung des Bewerbs im Jahr 2006 stehen vier nicht in Österreich beheimatete Vereine in den Play-offs. Der erste der bis zu sieben Viertelfinal-Spieltage brachte drei Heimsiege und einen überraschenden Auswärtserfolg des Tabellenachten nach dem Grunddurchgang.

Fehlstart für die Black Wings

So früh wie kein anderes Team der Liga, bereits am 26. Dezember, sicherte sich der EHC Linz sein Ticket für das Viertelfinale. Mit 35 Siegen in 50 Spielen erwiesen sich die Black Wings als Dominator des Grunddurchgangs, ließen in den letzten Wochen bedingt durch Sperren und Verletzungen jedoch ihre über weite Strecken des Jahres so beeindruckende Souveränität vermissen. Zum Play-off-Auftakt kehrte mit Pat Leahy der punktebeste (noch aktive) Importspieler der Klubgeschichte ins Line-up zurück, womit Trainer Rob Daum wieder die etatmäßige Besetzung der ersten beiden Sturmlinien zur Verfügung stand (siehe "Der Linzer Erfolgslauf").

Dahinter lief erstmals seit zehn Wochen wieder der im Vorjahr so erfolgreiche "Österreicher-Block" mit Daniel Oberkofler, Martin Grabher-Meier und Martin Mairitsch auf. Das Trio, dessen gemeinsamer Punkteschnitt heuer um knapp 44 Prozent zurückging, konnte jedoch ebenso wenig offensive Akzente setzen wie die ohne Center Philipp Lukas völlig wirkungslose vierte Offensivreihe. Will das Team mit dem besten Angriff des Grunddurchgangs (3,58 Tore pro Spiel) auch in den Play-offs erfolgreich sein, muss es sich aus seiner Abhängigkeit vom Output der ersten beiden Sturmformationen lösen, das zeigte sich bereits beim Viertelfinal-Auftakt gegen Wien (3:4 nach Verlängerung, sechs von acht Scorerpunkten durch die ersten beiden Angriffslinien).

Die Vienna Capitals hingegen verzeichneten einen sehr erfolgreichen Start in die Post Season. Nach Wochen des Zitterns um die erst im letzten Spielabschnitt der finalen Grunddurchgangspartie fixierte Viertelfinal-Qualifikation gelang im fünften - und bisher wichtigsten - Saisonduell mit Linz der erste Sieg. Heuer häufig in der Kritik stehende Imports wie Nathan Robinson (Traumtor zum zwischenzeitlichen 2:3) und François Fortier (ein Treffer, eine Vorlage, +4) steigerten sich im ersten Spiel der Serie beachtlich. Allerdings wirkt der Spielaufbau der Wiener von hinten heraus nach wie vor unsicher, zahlreiche Fehlpässe führen zu Scheibenverlusten oder Icings. Zweites zentrales Problemfeld ist das Unterzahlspiel: Auch im ersten Play-off-Duell schrieb Linz zweimal im Powerplay an, gegen die Oberösterreicher überstanden die Capitals heuer nur 14 von 23 Situationen bei numerischer Unterlegenheit (60,87 Prozent).

Zagreb schnörkel- und Znojmo ideenlos

Die Viertelfinalserie mit der klarsten Verteilung von Favoriten- und Außenseiterrolle erlebte in Zagreb eine Eröffnung ohne große Überraschung, im vierten Versuch startete Medveščak erstmals in seiner Ligageschichte mit einem Erfolg in ein Best-of-seven-Duell. Das letztlich erst in der 56. Minute fixierte, recht knappe Endresultat von 3:1 täuschte dabei über die kroatische Dominanz am Eis hinweg. Dem Gast aus Südmähren, aufgrund von Verletzungen erneut mit dem nominellen dritten Torhüter Marek Čiliak angetreten, fehlt wohl die spielerische Potenz, um Medveščak in eine lange Serie zu zwingen. Znojmos offensive Bemühungen gefährdeten die beste Abwehr der Liga an diesem Abend nur selten, wenig deutet darauf hin, dass sich dies in den weiteren Begegnungen ändern könnte.

Das Spiel des Tabellenzweiten weist jedoch auch Schwächen auf, denn der offensive Output lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Kontinuierlichen Druck nach vorne baut nur die Linie mit Joel Prpic, Ryan Kinasewich und Frank Banham auf, dieser Formation fehlt es jedoch an Speed. Vyacheslav Trukhno, einer der vielseitigsten Angreifer der Liga, geht im zweiten Block an der Seite eher biederer Arbeiter zunehmend unter. Im weiteren Verlauf der Play-offs ist damit zu rechnen, dass Trainer Marty Raymond vom Spiel mit vier Linien abrückt und die offensive Feuerkraft auf drei Formationen konzentriert. Positiv für Medveščak: Der in der Zwischenrunde instabile Goalie Robert Kristan (Gegentorschnitt 4,13 gegenüber 1,71 im ersten Grunddurchgang), wichtigster Baustein für kroatische Erfolge in diesem Jahr, hat gegen mäßig gefährliche Tschechen die Chance, sich wieder zu fangen.

Ljubljanas Torhüterproblem

Der Schuss ging nach hinten los: Olimpijas bewusst in Kauf genommene Shoot-out-Niederlage im letzten Grunddurchgangsspiel in Salzburg wurde vom Strafsenat der Liga hart sanktioniert, neben einer Geldstrafe für den Verein setzte es Sperren für Trainer Hannu Järvenpää und Goalie Matija Pintarič. Im ersten Play-off-Duell mit Székesfehérvár verloren die Slowenen nun auch noch Stammtorhüter Jean-Philippe Lamoureux, der des kontinuierlichen Trashtalks in der 40. Minute überdrüssig war, sich zu einer Attacke hinreißen ließ und mit einer Matchstrafe bedacht wurde. Für die restliche Spielzeit (Endstand: 7:2 für Fehérvár) kam so der dritte Torhüter Matic Boh zum Zug, der - Entscheidung über die Länge der Sperre für Lamoureux am Montag - zumindest auch im zweiten Duell am Dienstag in Olimpijas Kasten stehen wird. Zwar präsentierte sich der 20-Jährige in den letzten Wochen in Ljubljanas Farmteam in bestechender Form, seine Karrierebilanz in der EBEL (zwei Einsätze, Gegentorschnitt 9,51) liest sich bisher jedoch katastrophal. Erschwerend kommt hinzu, dass sich beim Gastspiel in Ungarn der punktebeste einheimische Crack, Žiga Pance, und Top-Defender Scott Hotham verletzten und nun auszufallen drohen.

Székesfehérvár hingegen stellte beim erst zweiten Sieg in einem Play-off-Spiel seit dem Einstieg in die Liga im Jahr 2007 seine beeindruckende Entwicklung unter Headcoach Kevin Primeau unter Beweis. Die überraschende Rückkehr von Eric Johansson, der sein erstes Spiel seit November bestritt, verstärkte den Angriff weiter, vom offensiven Potenzial her sind die Ungarn das beste der vier nichtösterreichischen Teams im Viertelfinale. Der Schwede, mit 1,17 Punkten pro Spiel der produktivste Spieler in Fehérvárs Ligageschichte, erhöht die Variationsmöglichkeiten im Sturm, wo nun vier fast gleichwertige Center zur Verfügung stehen. Allerdings könnte die Personalrochade vom Jänner, als der verletzte Verteidiger Viktor Tokaji abgemeldet und stattdessen Stürmer Chad Klassen verpflichtet wurde, zum Bumerang werden: Die unterdurchschnittlich besetzte Defensive wirkt behäbig, statisch und eindimensional.

Salzburger Spezialitäten

Die Play-offs sind da und Salzburgs Mannschaft präsentiert sich wie verwandelt - neues Jahr, ähnliches Spiel. Nach einem schwachen Grunddurchgang, in dem nur 56 Prozent der Spiele gewonnen wurden (zum Vergleich: Der an der Viertelfinal-Qualifikation gescheiterte VSV gewann mit 52 Prozent seiner Partien nur knapp weniger), erhöhte die Mannschaft von Pierre Pagé rechtzeitig zur Neuauflage des letztjährigen Endspiels gegen den KAC die Schlagzahl und konnte das erste Duell mit 5:3 für sich entscheiden. Für Salzburg, das 14 der 16 Play-off-Serien seiner Klubhistorie gewinnen konnte, war es bereits der 60. Sieg im 89. Spiel der Post Season. Allerdings fehlt den Bullen teilweise auch der spielerische Glanz vergangener Jahre: Mit Robert Earl und Thomas Raffl stehen nur zwei Topstürmer im Kader, vor allem auf der Center-Position hält das heurige Team dem Vergleich mit den Meistermannschaften von 2010 und 2011 nicht stand. Dafür ist im Tor von NHL-Haudegen Marty Turco nach eher holprigem Start (2,71 Gegentore pro Spiel) noch eine wesentliche Steigerung zu erwarten.

Beim Viertelfinalgegner KAC kehrt nach der Ablöse von Trainer Emanuel Viveiros in der Vorwoche weiterhin keine Ruhe ein. Durch die Rückkehr des seit Anfang Oktober verletzen Tyler Spurgeon sieht sich Neo-Coach Christian Weber im Angriff mit personellem Überangebot konfrontiert. Im ersten Play-off-Spiel in Salzburg musste daher Klub-Ikone Christoph Brandner (181 Tore in 401 Spielen für den Verein) zusehen, das gleiche Schicksal blieb Import Joey Tenute nur erspart, da Gregor Hager zwei Weisheitszähne gezogen wurden. Während das Personalreservoir im Sturm der Rotjacken schier unerschöpflich scheint, wackelt die Abwehr weiterhin. Das Defensivverhalten vor dem eigenen Tor raubt dem Rekordmeister regelmäßig die Chance auf Siege, Torhüter Andy Chiodo hat in knapp zwei Jahren beim Verein streng genommen nur im Halbfinale 2011 gegen den VSV sein höchstes Leistungsniveau auch über mehrere Spiele hinweg erreicht. Einer der beiden budgetstärksten Klubs der Liga wird im Viertelfinale scheitern, soll dies nicht der KAC sein, muss er seine Verteidigung wie auch sein Unterzahlspiel (Erfolgsquote seit Beginn der Zwischenrunde: 72,55 Prozent) schleunigst stabilisieren. (Hannes Biedermann, derStandard.at, 20.2.2012)

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