Mit Ignaz in die Hitze

8. August 2003, 21:41
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Die 77. 'Unglaubwürdige Reise' von Ilse Aichinger führt durch "augenblicklich schwieriges Biowetter"

Und das ist eigentlich noch der Frühling", lese ich im STANDARD: "Eine kaum wirksame Störung streift den Norden des Landes, kann aber den hochsommerlichen Gesamteindruck nicht wirklich trüben." Auf dem Kohlmarkt blickt gegenüber der Apotheke und nachdem ein Feuerwehrwagen und eine Ambulanz des ärztlichen Rettungsdienstes die Glaswand des Demel-Vorplatzes fast gestreift haben, der heilige Ignatius von Loyola aus der Bildbiografie heraus - leicht von Ärger und Ungeduld berührt - und schräg an den glücklichen Opfern der Hitze, die noch hier gelandet sind, vorbei.

Aus der Geschichte der Methode des Ignatius von Loyola: "Wie verhindert man etwa, dass sich unsere Vorstellungen nach einem Wort des Einsiedlers Theophanos wie ein Mückenschwarm oder gar, wie Ramakrishna sagt, planlos durcheinander bewegen wie launische Affen, die von Ast zu Ast springen?"

Umgekehrt ist Ignatius selbst von einer Gebetsmethode beeinflusst worden, die in ihrem Ziel der Methode der orientalischen Mönche verwandt ist. Die so genannte "Devotio moderna" entstand gegen Ende des 14. Jahrhunderts in den Niederlanden.

Die Grundlagen der ignatianischen Frömmigkeit: der Sinn für Maßhalten und Ausgeglichenheit, ferner ein gewisses Misstrauen gegenüber einer hemmungslosen Askese und überschwänglicher Mystik. Um die Reise in die Hitze zu ertragen, sollte man wie Ignatius "weichliche Lauheit nicht dulden, mehr Zeit auf die Betrachtung und das Chorgebet legen und die Nachfolge Christi lesen."

Wer aber der Hitze eines einzigen Vormittags gewachsen sein möchte, muss eine Methode finden, die von großen Zielen absieht, von dem meisten, was jenseits und auch diesseits der Erkenntnis liegt.

Die ängstliche Sorge, "Natur und Übernatur nur ja auseinander zu halten", lässt bei 28 bis 34 Grad doch nach. Es ist eben nicht jeder zum Jesuiten begabt, und Juden schon gar nicht. Immerhin lässt das Schloss in Kastilien, in dem Ignatius geboren wurde, die strikte Beachtung der Gelübde formal erwarten.

Bewundernd liest man von der Ankunft in Rom nach langer und asketischer Reise, der Flucht nach Pamplona, der Bekehrung im Juni 1521, der Wallfahrt nach Jerusalem zu Papst Clemens VII., der Ankunft in Paris, dem Gelübde auf dem Montmartre. Dann noch die Bulle für eine militante Kirche, die Wahl zum ersten General, ein Brevier für die bekehrten Juden. Am 31. Juli 1556 stirbt Ignatius, am 3. Dezember 1609 wird er selig gesprochen.

Ob eine solche Karriere eine Wiener Mittagshitze erträglicher macht? Der Erfolg hat ihm Recht gegeben und relativiert die ziemlich leichten Qualen der Reise quer durch das "augenblicklich schwierige Biowetter". (DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2003)

Die nächste "unglaubwürdige Reise" wird am nächsten Freitag angetreten.
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