Deutscher Millionär kauft Ankerbrot

12. Juni 2003, 18:22
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Der Multimillionär Klaus Ostendorf ist bei den Gläubigerbanken klarer Favorit für die Übernahme des Backkonzerns - Deal soll bis Ende Juni stehen

Wien - Die 1997 vom bayerischen Backwarenkonzern Müllerbrot übernommene Wiener Traditionsbäckerei Ankerbrot steht nach etlichen gescheiterten Sanierungsversuchen vor dem neuerlichen Verkauf. Aller Voraussicht nach - das bestätigten Topmanager der beiden größten Gläubigerbanken (Bank Austria Creditanstalt, Raiffeisen Zentralbank) - bekommt der norddeutsche Millionär Klaus Ostendorf den Zuschlag.

Nummer 239

Der Niedersachse Ostendorf (60), laut Manager-Magazin mit einem Privatvermögen von 200 bis 300 Mio. Euro Nummer 239 unter den reichsten Deutschen, hat sein Vermögen mit der 1999 an den größten deutschen Backwarenproduzenten Kamps verkauften Wendeln Brot- und Backwaren GmbH gemacht. Wendeln, seinerzeit größter Produzent von Haltbarbackwaren in Deutschland, machte beim Verkauf an Kamps mit 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von zwei Mrd. D-Mark.

Derzeit verhandelt Ostendorf noch mit der ebenfalls in Finanznöten befindlichen Müllerbrot und den österreichischen Gläubigerbanken, bei denen Ankerbrot Schulden in Höhe von 34,5 Mio. Euro hat, über die genauen Konditionen. Die Banken sitzen auch auf den Markenrechten.

Bis Ende des Monats

Bis Ende Juni soll der Deal, inklusive eines "ehebaldigsten" gerichtlichen Ausgleichs, stehen. Bis dahin prüft Ostendorf Ankerbrot noch auf Herz und Nieren ("Due Diligence"). Mit seinem rechtlich noch nicht bindenden, aber bereits nachgebesserten Angebot können die Banker dem Vernehmen nach gut leben.

Forderte Ostendorf ursprünglich einen Schuldennachlass von 50 Prozent oder 17 Mio. Euro, übernehmen nun die Banken das Ankerbrot-Werk samt Grundstück in Wien-Favoriten und vermieten die Immobilie (Wert: 24 Mio. Euro) für einige Jahre an Ostendorf zurück. Der Bankennachlass beträgt somit zehn Mio. Euro (Differenz aus Schulden und Liegenschaftswert). Dafür sagte Ostendorf die Übernahme der Produktion und der meisten der 200 Filialen zu. Ankerbrot hat im Vorjahr mit 2100 Mitarbeitern 147 Mio. Euro umgesetzt.

Geld muss her

Der letzte Knackpunkt: Müllerbrot gab seinerzeit eine Zusage ab, für die Ankerbrot-Sanierung jährlich 2,5 Mio. Euro an Liquidität zur Verfügung zu stellen. Geld, das Eigentümer Hans Müller möglicherweise nicht auftreiben kann. Das wahrscheinlichste Szenario sei: Ostendorf erlässt Müller diese Zusage und bekommt dafür Müllerbrot-Anteile. Ein Banker: "Das Traumziel von Ostendorf ist und bleibt, Müllerbrot zu übernehmen."

Der bisherige Kauffavorit, die oberösterreichische Artax-Gruppe (Lebensmittelindustrie), komme nicht mehr infrage, sagte ein Insider. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.6.2003)

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    Ankerbrot steht vor der Rettung.

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