Viele Menschen können Medikamente nicht richtig abbauen

15. Juni 2003, 12:00
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Die Folgen sind schwere Unverträglichkeits- Reaktionen

Freiburg - Fast jeder dritte Mensch ist nach Ansicht von Experten nicht in der Lage, bestimmte Medikamente richtig abzubauen. Bei mehr als 30 Prozent der Bevölkerung sei die Fähigkeit zur natürlichen Entgiftung des Körpers auf Grund einer genetischen Veranlagung massiv vermindert, erläuterte Prof. Joachim Bauer von der Abteilung für Psychosomatische Medizin an der Universitätsklinik Freiburg.

Diese Patienten vertrügen die als "normal" angesehene Standard- Dosierung von Psychopharmaka, bestimmten Rheuma- und Schmerzmitteln oder Kreislaufmedikamenten nicht. Die Folge: Die Patienten zeigten zum Teil schwere Unverträglichkeits-Reaktionen.

In der neuesten Ausgabe des "Deutschen Ärzteblatts" kritisiert Bauer, dass die von Fachleuten längst geforderte Diagnostik der individuellen Medikamentenverträglichkeit bis heute nicht angewandt werde, obwohl sie einfach sei und die notwendigen Verfahren zur Verfügung stünden. "Die Situation ist eigentlich nicht mehr vertretbar", so der Professor.

Zwischenfälle

Laut Bauer gehen seriöse Untersuchungen davon aus, dass in Deutschland jährlich mehr als 16.000 Todesfälle und 120.000 schwere Zwischenfälle auf Medikamenten-Unverträglichkeit zurückzuführen sind. Ein Großteil beruhe auf der Nichtberücksichtigung der individuellen genetisch festgelegten Medikamenten-Verträglichkeit. Die verminderte Fähigkeit, Beruhigungsmittel oder Antidepressiva abzubauen, hänge mit dem so genannten Entgiftungs-Enzym P450 zusammen, das bei vielen Menschen genetisch verändert sei. Für "schwach Entgifter" seien normale Standard-Dosierungen überdosiert.

Menschen mit verminderter Medikamentenverträglichkeit reagieren laut Bauer auch auf bestimmte Drogen besonders empfindlich. Vor allem die Party-Droge Ecstasy könne so "besonders verheerende" psychische Nebenwirkungen haben. Der klar nachgewiesene schädigende Effekt von Drogen auf das Gehirn sei bei diesen Personen besonders fatal. (APA/dpa)

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