Kürzere Ferien für Lehrer

12. Juni 2003, 17:17
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Schülerverbände von FPÖ und SPÖ fordern "Förderstunden" für Lernschwache über den Sommer

Dieser Tage zeichnet sich für Tausende Schüler ein "Nachzipf" ab. Rund 50.000 sind jährlich davon betroffen. Die Freiheitlichen sowie rote und schwarze Schülerverbände fordern nun Förderprogramme der Schulen in den Ferien für lernschwache Kinder.
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Wien - In den letzten beiden Sommerferienwochen sollten Schulen für Lernschwache "Förderstunden" anbieten. Das fordert FP-Staatssekretär Karl Schweitzer. Aus seiner Sicht bedeutet die unterrichtsfreie Zeit nämlich nicht automatisch "Ferienzeit" für Pädagogen. Die Kinder sollten in Kleingruppen von Lehrern anderer Klassen (aber nicht vom eigenen Professor) unterrichtet werden. Das würde helfen, die explodierenden Nachhilfekosten zu senken. Die Anwesenheit der Pädagogen vor Schulbeginn könnte auch für schulinterne Lehrerfortbildung genutzt werden, so Schweitzer zum STANDARD.

Die Schülerverbände (Schülerunion und AKS) fordern ebenfalls einhellig Angebote für Schülerinnen und Schüler mit Nachzipf. Weiters könnte es Programme für besonders Interessierte geben. Wobei die AKS noch einen Spezialwunsch hat: Lehrer sollten zu einer Fortbildungswoche verpflichtet werden. "Viele ältere Lehrer haben überhaupt keine Ahnung von moderner Pädagogik. Da würde eine Nachschulung nicht schaden", erklärt AKS-Chef Niki Kowall.

Laut Wiener Stadtschulrat sind es eher nur die Privatschulen, die Sommerkurse anbieten. Dementsprechende Wünsche gibt es von Ministerin Elisabeth Gehrer nicht. Und auch die Opposition ist vorsichtig. Förderung in den Ferien wäre zwar wünschenswert, aber in der Praxis ohne Extrahonorar für die Lehrer wohl nicht verwirklichbar, meint SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Sein Parteikollege hingegen, der niederösterreichische SP-Bildungssprecher Helmut Cerwenka, fordert ganz unverblümt schulische Ferienkurse.

Manche Schulen leisten noch im laufenden Unterrichtsjahr Hilfestellung. So bietet das GRg 15 Auf der Schmelz 4 seinen Schützlingen mit Nicht genügend im Jahreszeugnis ein "Wiederholungsprüfungsservice" an. In einem Workshop wird analysiert, wie es zur negativen Note gekommen ist. Danach wird gemeinsam erarbeitet, welche konkreten Schritte zur Vorbereitung auf die Prüfung nötig sind. Und am Prüfungstag gibt es Lehrer als Ansprechpartner, die im Falle des Durchfallens Trost spenden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.6.2003)

Von Martina Salomon und Peter Mayr
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