"Wirtschaft braucht globale Währung"

12. Juni 2003, 22:28
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Euro und Dollar sollten laut Nobelpreisträger Mundell fix aneinander gekoppelt werden - Die Wechselkursschwankung sei schlicht schädlich

Wien - Der Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 1999, der US-Amerikaner Robert Mundell, berühmt geworden mit seiner Theorie der "optimalen Währungsräume" und ein sehr früher Befürworter der europäischen Gemeinschaftswährung, sprach sich in Wien für ein fixes Euro-Dollar-Verhältnis aus. In den Jahren 1999 bis 2001 sei der Euro viel zu schwach gewesen, als er vom Ausgangswert von 1,18 Dollar gegen 82 US-Cent tendierte, nun sei er wieder - viel zu hoch - in der Gegend von 1,18 Dollar angelangt.

Mundell hält diese Wechselkursschwankungen von 30 bis 35 Prozent in so kurzen Zeiträumen in "vielfacher Hinsicht" schädlich für die betroffenen Volkswirtschaften. Beide, die EU und die USA, wiesen solide Preisstabilität auf, immerhin das Kernziel der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks.

Aufwachen

"Wie lange wird es also noch dauern, bis die Zentralbanken aufwachen und realisieren, dass diese Wechselkursentwicklung schädlich ist für beide Ökonomien", fragte Mundell bei der 31. volkswirtschaftlichen Tagung der Oesterreichischen Nationalbank. Ein anderes Mal hatte Mundell bereits klipp und klar gefordert: "Eine globale Wirtschaft braucht eine globale Währung", ohne zu erklären, wie so etwas politisch oder organisatorisch umzusetzen sei.

Generalthema der diesjährigen Notenbanktagung ist der Antwortversuch auf die drängende Frage, wie Europa wieder zu höheren Raten an Wirtschaftswachstum kommt. Scharfe Kritik an der zu langsamen Reaktionsgeschwindigkeit der Europäischen Zentralbank in Frankfurt übte in diesem Zusammenhang der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Michael Mussa. Die Budgetdefizite in den Euroländern könnten nach Ansicht Mussas um einen halben bis ganzen Prozentpunkt niedriger sein, hätte die EZB früher und akzentuierter auf die absehbar anhaltende Wirtschaftsflaute im heurigen Jahr reagiert.

Klartext reden

Das Hauptproblem der EU- Volkswirtschaften ortet Mussa jedoch, wie viele andere Experten auf der Tagung, in den explodierenden Kosten der europäischen Pensionssysteme. Mussa sieht eine "katastrophale Krise" heraufdämmern, bekämen die Europäer die Finanzierung ihrer Sozialsysteme nicht in den Griff. Die EU-Politiker müssten der Bevölkerung endlich reinen Wein einschenken.

Zusätzlich dringende nötige strukturelle Reformen auf den EU-Arbeitsmärkten hält Mussa für unumgänglich. Die wesentlich niedrigere Erwerbsquote in der EU (rund 50 Prozent) im Vergleich zu den USA (rund 70 Prozent) hält er für ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zur Finanzierbarkeit der Pensionen.

Dem widersprach Klaus Regling, Generaldirektor bei der EU-Kommission für Wirtschaftsfragen. Mussa habe im Kern recht, übertreibe jedoch. Pro Kopf der Bevölkerung gerechnet wäre das Wirtschaftswachstum in den USA und in Europa gleich hoch. (Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.6.2003)

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    Robert Mundell, Theoretiker der "optimalen Währungsräume"

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