BA-CA-Börseprospekt warnt vor Kreditrisken

12. Juni 2003, 15:35
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"Noch geheimes" Papier sieht in der Konzentration auf Österreich und Polen erhebliche Gefahren

Wien - Die Konzentration des Kreditrisikos auf Österreich (Kreditexposure: 78 Prozent) und Polen (7,5 Prozent) stelle der "noch geheime" 200-seitige Börseprospekt der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) als "besonderes Risiko" dar, berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner am Freitag erscheinenden Ausgabe. Sollte sich die wirtschaftliche Situation in diesen Ländern verschlechtern, müssten die Risikovorsorgen erhöht werden. "Das könnte eine signifikant negative Auswirkung auf unser Ergebnis haben", heiße es im Prospekt.

Auf Restrukturierungskurs

Zur Muttergesellschaft HypoVereinsbank (HVB) heißt es im Börseprospekt laut Format: "Die HVB befindet sich nach einem Vorjahresverlust von 858 Mio. Euro nun auf Restrukturierungskurs. Sollte sich die wirtschaftliche Situation nicht verbessern, könnte das die Refinanzierungskosten der BA-CA erhöhen."

Ein JP Morgan-Bericht weise zudem darauf hin, dass die HVB auch nach dem Börsegang der BA-CA die volle Kontrolle über ihre dann 75-Prozent-Tochter behält, so "Format". Die Karibik-Geschäfte der 100-Prozent-Tochter BA-CA Cayman Island, die 600 Mio. Dollar (511 Mio. Euro) verwaltet, würden von den JP Morgan-Autoren als "höchst profitabel" bezeichnet werden. Laut JP Morgan sei aber fraglich, dass die hohen Gewinne (2002: 34 Mio. Euro) mittelfristig zu halten sein werden.

Ein Drittel geht nach München

Auch die Übertragung des 19-prozentigen HVB-Anteils an der börsenotierten polnischen Bank BPH PBK soll im Börseprospekt ausführlich behandelt werden. Demnach sollen 439 Mio. Euro - mehr als ein Drittel des 1,2-Milliarden-Euro-Erlöses aus dem Börsegang - von Wien nach München fließen.

Wie berichtet ist die größte europäische Börseemission in diesem Jahr, der Börsegang der BA-CA, für den 9. Juli anberaumt. Das Emissionskonsortium setzt sich aus den Joint Lead Managern Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston (CSFB) zusammen. Der österreichischen Raiffeisen Centro Bank (RCB) und der italienischen UniCredito wurden Co-Lead-Manager-Positionen angeboten. HVB/CA IB sind Global Co-ordinator des Börsegangs. Joint Global Bookrunners sind HVB/CA IB, Goldman Sachs und JP Morgan.

1,1 Milliarden erwartet

Vom Börsegang erwartet sich der Chef der bayerischen Mutter HypoVereinsbank (HVB) rund 1,1 Mrd. Euro Emissionserlöse.

Die HVB will im Zuge einer Kapitalerhöhung bei der BA-CA 24,9 Prozent der Wiener Großbank an die Börse bringen, um auf diese Weise ihre schwache Kapitalbasis zu stärken. Nach bisherigen Informationen soll die Zahl der Aktien von derzeit 114 auf bis zu 152 Millionen erhöht werden. Mit dem Bookbuilding soll laut HVB-Chef Dieter Rampl am 23. Juni gestartet werden. Rampl war zuletzt davon ausgegangen, dass die den IPO begleitenden Investmentbanken einen Preis von 29 bis 34 Euro je Aktie anstrebten.

Laut BA-CA sollen die Aktien vor allem bei inländischen und internationalen institutionellen Investoren und auch bei heimischen Retail-Investoren platziert werden. Eine rund zweiwöchige Roadshow sei noch vor dem Sommer geplant. Weitere Details zum Börsegang will die BA-CA in der zweiten Junihälfte bekannt geben. (APA)

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