Belgrad: "Niederschmetternde" Bilanz der UNO-Mission im Kosovo

12. Juni 2003, 14:51
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Seit 1999 6.391 Überfälle auf Kosovo-Serben registriert, 1.194 Personen getötet - UNMIK-Angaben über Rückkehr "Fiktion"

Belgrad - Serbien-Montenegro hat eine "niederschmetternde" Bilanz der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK) gezogen. Seit Beginn der Mission in der südserbischen Provinz vor vier Jahren seien 6.391 Überfälle auf Kosovo-Serben registriert worden, sagte der Leiter der Rechtsabteilung des Belgrader Koordinierungsausschusses für das Kosovo, Vladimir Bozovic, am heutigen Donnerstag gegenüber der Tageszeitung "Novosti".

Demnach wurden 1.194 Personen getötet und 1.305 verletzt. In derselben Zeitspanne wurden laut Bozovic 1.138 Kosovo-Serben entführt, wovon 155 Menschen von ihren Entführern getötet und 95 befreit wurden. Weitere 13 Menschen gelang die Flucht. Das Schicksal der übrigen Entführten ist unbekannt. Nur heuer notierte der Koordinierungsausschuss laut Bozovic 164 Angriffe auf Kosovo-Serben.

Bozovic: Angaben eine "Fiktion"

"Sollte jemand das Gefühl haben, dass die Zahl der ethnischen Konflikte zurückgegangen ist, dann wohl nur deswegen, weil die Zahl der Serben im Sinken ist", kommentierte der Belgrader Anwalt die Angaben von UNMIK-Sprechern über die "drastisch" verbesserte Sicherheitslage im Kosovo. Bozovic bezweifelte auch UNMIK-Angaben, wonach in den letzten vier Jahren zwischen 3.000 und 4.000 geflüchtete Kosovo-Serben in die Provinz zurückgekehrt seien. Diese Angaben seien eine "Fiktion". Der Koordinierungsausschuss soll nämlich nur die Rückkehr von 164 Personen registriert haben.

Laut Bozovic würde etwa die Hälfte der nach dem Krieg aus dem Kosovo geflüchteten Serben gerne in die Provinz zurückkehren. Allerdings seien von 28.000 Anträgen auf Aussiedlung von Albanern, die Häuser der geflüchteten Serben besetzt hatten, bisher von den zuständigen Kosovo-Behörden erst fünf Prozent positiv gelöst worden, behauptet Bozovic.

Die offiziellen Vertreter Belgrads untermauern immer wieder ihre These über die ethnische Säuberung in der Provinz auch mit Angaben über die Serbenzahl in der Kosovo-Hauptstadt Pristina. Bozovic sagte gegenüber "Novosti", dass von den 20.700 Serben, die vor dem Krieg in der Stadt gelebt hätten, nur noch 100 übrig geblieben seien.(APA)

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