Gericht und Todeskammer in Guantánamo

12. Juni 2003, 17:20
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Laut britischer Zeitung "Guardian" planen die USA Exekutionen im Internierungslager

"Homemade Justice" statt internationalem Recht: Auf der US-Marine Basis Guantánamo Bay in Kuba wird derzeit ein Gebäude renoviert, das als Gericht für die dort inhaftierten Taliban- und Al-Kaida- Kämpfer aus Afghanistan dienen soll. Der britische Guardian berichtete Donnerstag sogar von einer "Todeskammer" für allfällige Exekutionen in dem Gefangenenlager.

US-Militärs räumten inzwischen ein, dass es Gespräche über die Errichtung einer Hinrichtungsstätte gegeben habe. Aber: "Es ist verfrüht, über Exekutionen zu sprechen, bevor überhaupt jemand verurteilt wurde", erklärte Major John Smith, ein Sprecher der amerikanischen Militärgerichtsbarkeit, der die rund 680 Gefangenen unterstehen.

Die USA werden international heftig kritisiert, weil sie den Internierten nicht den Kriegsgefangenenstatus geben wollen. Unlängst sprach etwa der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Sergio Vieira de Mello, in einem Standard-Interview von "exzessiven Maßnahmen" der USA. Die meisten Gefangenen werden bereits seit Herbst 2001 in der Karibik festgehalten - ohne ihre Anklage zu kennen und ohne Zugang zu anwaltlicher Vertretung. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 13.6.2003)

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    Die USA werden international heftig kritisiert, weil sie den in Afghanistan gefassten Kämpfern nicht den Status von Kriegsgefangenen geben wollen. Sie sind auf der Karibik-Insel in Käfigen inhaftiert.

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