Echter Hormonmangel

16. Juni 2003, 10:30
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Beim Defizit an Testosteron gibt es für Männer nun ein Medikament in Gel-Form

Wien - Abgeschlagenheit, Depressionen, Libidoverlust und/oder Impotenz können die Symptome sein: Manche Männer leiden mit zunehmendem Alter an einem Mangel des Geschlechtshormons Testosteron. Zur Behandlung eines echten Defizits gibt es jetzt ein Medikament in Gel-Form. Zuerst kommt aber ein gesünderer Lebensstil, erklärten österreichische Experten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Rauchen kann einen Testosteron-Mangel verursachen. Stress ist ein Testosteron- und Libido-Killer. Auch eine schlechte Ernährung und viel Alkohol können eine Veränderung des Hormonspiegels verursachen", erklärte der Wiener Internist und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Männergesundheit, Univ.Prof. Dr. Siegfried Meryn.

Frage des Alters

In den meisten Fällen ist ein solcher partieller Androgen-Mangel (PADAM) eine Frage des Alters. Der Linzer Urologe Dr. Michael Dunzinger: "Von einem klinisch belegten (Symptome) und serologisch (Laboruntersuchung) verifizierbaren Testosteron-Mangel sind fünf bis sechs Prozent der 35-Jährigen, zehn Prozent der 50-Jährigen, 20 Prozent der 65-Jährigen und etwa 30 Prozent der 80-Jährigen betroffen. Ab dem 50. Lebensjahr nimmt dieser Prozentsatz ständig zu. Aber nicht jeder Mann leidet daran, es sind im Laufe ihres Lebens nur etwa 25 Prozent der Männer."

Bei einem echten Mangel - vorher sollte durch einen gesunden Lebensstil auf "natürliche" Weise der Testosteron-Spiegel erhöht werden - können Medikamente eingesetzt werden, welche das Defizit ausgleichen. Hier gibt es jetzt ein Testosteron haltiges Gel. In den Einzelbeuteln sind 50 Milligramm des Hormons enthalten. Neun bis 14 Prozent werden über die Haut aufgenommen. Laut dem Salzburger Urologen Univ.Doz. Dr. Andreas Jungwirth kann dadurch ein den natürlichen Verhältnissen ziemlich entsprechender Ausgleich geschaffen werden. Das Gel sollte am Morgen auf Oberarme, Schulter oder am Bauchbereich aufgetragen werden. Am Morgen produziert der Mann mehr des Hormons.

Vorsicht

Es gibt allerdings Vorsichtsmaßnahmen, weil das Testosteron einen Wachstumsimpuls für die Prostata und somit eventuell auch für ein Karzinom darstellen kann. Univ.Prof. Dr. Bob Djavan: "Vor der Therapie muss alles Menschen mögliche getan werden, um ein Prostatakarzinom auszuschließen." Wurde mit einer solchen Behandlung begonnen, muss zunächst alle drei bis sechs Monate die Konzentration des Prostata spezifischen Antigens (PSA) untersucht werden. Ein Anstieg der Konzentration im Blut kann auf einen Prostata-Karzinom-Verdacht hinweisen. Später ist nur noch einmal jährlich ein solcher Test notwendig. (APA)

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