Die Hauptstreitpunkte zum Walschutz

12. Juni 2003, 11:05
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Berlin - Die Internationale Walfang-Kommission (IWC) streitet seit Jahren um Möglichkeiten zum Schutz der Meeressäuger. Die Hauptstreitpunkte:

Walfangverbot: Das Moratorium auf den kommerziellen Walfang wurde 1982 beschlossen und trat 1986 in Kraft. Für die Aufhebung ist eine Dreiviertel-Mehrheit der 49 IWC-Mitglieder (37 Stimmen) notwendig. Norwegen fühlt sich rechtlich nicht an das Moratorium gebunden und hat einseitig Quoten für den Fang von Zwergwalen - in diesem Jahr 700 - festgesetzt. Tierschützer werfen Japan vor, kleinere IWC-Länder zu bestechen, um die nötigen Stimmen für die Lockerung des Walfangverbots zusammen zu bekommen.

Wissenschaftlicher Walfang: Angeblich für Forschungszwecke will Japan dieses Jahr rund 700 Wale fangen, darunter zehn Pottwale. Island hat beantragt, 250 Wale für die Wissenschaft fangen zu dürfen.

Walschutzgebiete: Ein mehrmals eingebrachter Antrag Australiens und Neuseelands auf Errichtung eines weiteren Schutzgebietes im Südpazifik in Ergänzung zu zwei schon beschlossenen Gebieten fand bisher nicht die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit. Außerdem will Brasilien erneut einen Antrag für ein Schutzgebiet im Südatlantik einreichen.

Subsistenz-Walfang: Für einige Völker in Alaska und Sibirien ist der Wal wichtiger Bestandteil der Nahrung. Der IWC bewilligte regelmäßig Fangquoten unter anderem für die Eskimos Alaskas, Grönländer und russische Tschuktschen. Auf Betreiben Japans verwehrte die IWC einigen von ihnen im vergangenen Jahr erstmals das Jagdrecht.

Walfleisch-Handel: Für die wichtigsten Großwalarten gilt ein Verbot des kommerziellen Handels. Norwegen, Japan und Island wollen eine Aufhebung des absoluten Handelsverbots, und zwar für Zwergwale. Um das zu erreichen, wäre eine einfache Mehrheit nötig. Zwergwale sind die kleinsten der Großwalarten.

Beifang: Die Zuständigkeit der IWC für die Erhaltung der Kleinwalbestände wie Grindwale oder Delfine ist umstritten. Manche IWC-Staaten meinen deshalb, das das Übereinkommen für die kleinen Wale nicht gelte. Jährlich ertrinken mehrere 100.000 Wale weltweit als ungewollter Beifang in Fischernetzen. Allein in Kabeljau-Stellnetzen in der Nordsee sterben jedes Jahr rund 7.500 Schweinswale.

Bewirtschaftungsverfahren: Die IWC hat sich verpflichtet, das Walfang-Moratorium zu überprüfen und gegebenenfalls neue Regeln zum Wahlfang zu erlassen. Dieses "Revised Management Scheme" (RMS) konnte bisher nicht beschlossen werden, weil keine Einigkeit über das Kontroll- und Beobachtungssystem erzielt wurde. Die Gegensätze betreffen unter anderem Handelskontrollen mit Hilfe genetischer Analysen sowie die Berücksichtigung von Tierschutzaspekten. (APA/dpa)

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