Die Leiden der Seele

12. Juni 2003, 09:18
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Wien - Weltweit sind rund 400 Millionen Menschen (nach manchen Schätzungen: 1,5 Mrd. Personen) von psychiatrischen Erkrankungen und neurologischen Störungen betroffen. Während Patienten in den westlichen Industriestaaten vergleichsweise gute Behandlungschancen haben, treffen Diskriminierung, Stigmatisierung und Tabuisierung noch noch immer fast alle.

"Geschätzte 400 Millionen Menschen leben heute weltweit mit psychischen oder neurologischen Störungen bzw. psychosozialen Problemen, die mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch verbunden sind. Viele von ihnen leiden stumm, viele von ihnen leiden allein gelassen. Über die Symptome und die nicht vorhandene Hilfe hinaus gibt es die Einschränkungen durch Stigma, Scham, Ausschließung und - öfter als wir es glauben wollen - den Tod", schrieb WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland anlässlich des Weltgesundheitstages 2001.

Die Daten im Einzelnen

  • Rund 45 Millionen Menschen leiden an Schizophrenie, die wohl diskriminierendste psychiatrische Erkrankung.

  • Rund zehn Prozent der Deutschen und der Österreicher haben Depressionen, etwa die Hälfte davon ist direkt behandlungsbedürftig. In den USA erreicht der Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung sogar 17 Prozent.

  • Die Zahl der Alzheimer-Kranken steigt weltweit rapide an. Man schätzt deren Zahl derzeit weltweit auf rund elf Millionen Menschen.

  • 45 Millionen Personen haben epileptische Anfälle.

  • Geistige Behinderungen betreffen 4,6 Prozent der Menschen unter 18 in den Entwicklungsländern. Dieser Anteil beträgt in den Industriestaaten 0,5 bis 2,5 Prozent.

  • 140 Millionen Menschen sind weltweit alkoholkrank. Mehr als 400 Millionen betreiben chronischen Alkoholmissbrauch und sind suchtgefährdet.

    Österreich

    Österreich wurde ehemals oft als "Insel der Seligen" apostrophiert. Doch bezüglich der psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen trifft das auf die Alpenrepublik genau so wenig zu wie auf andere Staaten.

  • Rund zehn Prozent der Bevölkerung oder 800.000 Menschen klagen über Traurigkeit, Freud- und/oder Antriebslosigkeit. Etwa die Hälfte der Betroffenen dürfte direkt behandlungsbedürftig sein. Etwa 17 Prozent der Menschen erkranken einmal in ihrem Leben an Depressionen.

  • Depressionen stecken hinter vielen Selbstmorden: Beispielsweise sind die österreichischen Männer von 65 bis 74 Jahren mit 61,1 Suiziden pro 100.000 Personen in einem internationalen Vergleich nach Ungarn an zweiter Stelle.

  • Alkohol: Acht Prozent der österreichischen Männer und zwei Prozent der Frauen über 16 sind alkoholabhängig. Insgesamt sind das rund fünf Prozent der Österreicher. Die Fachleute sprechen von 325.000 Alkoholabhängigen. Die Zahl der Gefährdeten liegt wesentlich darüber. Alkoholkranke und Alkoholgefährdete haben das bis zu 20-fache Selbstmordrisiko.

  • Etwa ein Prozent der Menschen sind von Schizophrenie betroffen. Hier unterscheidet sich Österreich ebenfalls nicht vom Rest der Welt. (APA)
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