Nofretetes Comeback als Mumie 61072

11. Juni 2003, 22:36
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Eine britische Forscherin will ihre Mumie entdeckt haben - und Kairo fordert die berühmte Büste von Berlin zurück

Die schöne Gemahlin des Pharaos Echnaton ist im Gespräch: Eine britische Forscherin will ihre Mumie entdeckt haben - und Kairo fordert die berühmte Büste von Berlin zurück, nachdem ungarische Künstler sie für eine Biennale-Aktion mit nacktem Unterleib versahen.


Kairo/Berlin - Die Frau, deren Schönheit ("diese Nase!") sich nicht einmal die standhaften Gallier Asterix und Obelix entziehen konnten, kehrt zurück. Vielleicht nach Ägypten, jedenfalls ins Gespräch. Und das gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen zeigt sich eine britische Ärchäologin überzeugt, die Mumie der echten Nofretete, der Gattin des Pharaos Echnaton, entdeckt zu haben.

Joanne Fletcher von der Universität York ist überzeugt, in einem Nebenraum der Grabkammer eines Pharaos keine Geringere als die legendäre ägyptische Schönheit gefunden zu haben. Noch firmiert der einbalsamierte Leichnam unter seinem nüchternen Katalogisierungsnamen "Mumie 61072". Die Entdeckung der weiblichen Mumie, die gemeinsam mit einem Buben und einer weiteren Frau in einem Grab im Tal der Könige in Luxor lag, datiert schon auf das Jahr 1898. Nun aber will Joanne Fletcher in einer Perücke im nubischen Stil, wie sie während der Regierungszeit Echnatons Mode war bei den Frauen der Königsfamilie, und weiteren Grabfunden Beweise für die Identität Nofretetes entdeckt haben. Kollegen bezweifeln hingegen die Stichhaltigkeit der Argumentation.

Gleichzeitig schäumt in Kairo Zahi Hawwas, der Direktor der ägyptischen Altertümerverwaltung, über so etwas wie sexuellen Missbrauch der Edlen vom Nil und fordert die Rückgabe der berühmten Nofretete-Statue, die seit 1912 in Berlin steht, wo sie zu den Höhepunkten der ägyptischen Sammlung zählt.

Der Grund für Hawwas' Zorn: Dietrich Wildung, Leiter des Ägyptischen Museums in Berlin, gestattete Ende Mai einer Gruppe ungarischer Künstler, die eine Aktion für die Biennale von Venedig vorbereiteten, den Kopf der Schönen kurzzeitig einer - ihrerseits kopf- und hüllenlosen - Bronzestatue aufzusetzen.

Was Wildung und den Ungarn "Dialog" ist "zwischen altägyptischer und zeitgenössischer Kunst", ist für den Ägypter Hawwas schlicht Blasphemie - und ein willkommener Anlass für eine Forderung nach Rückgabe der berühmten Statue an ihr Herkunftsland Ägypten. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2003)

Von
Cornelia Niedermeier

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die 1912 bei Grabungen in Amarna gefundene Kalksteinbüste der ägyptischen Königin Nofretete im Ägyptischen Museum in Berlin

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