Menschheit war vor 70.000 Jahren dem Untergang nahe

20. Juni 2003, 19:21
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Erbgut-Analyse offenbart "Flaschenhals" der Evolution

New York - Schon seit längerem gehen Wissenschafter davon aus, dass es in der jüngeren Vergangenheit der menschlichen Evolution einen oder mehrere "Flaschenhals"-Abschnitte gegeben hat: Zeiten, in denen durch Umwelteinflüsse die menschliche Population bis auf einen geringen Rest reduziert wurde, aus dem sich dann später die gesamte Erdbevölkerung entwickelte. Eine neue Studie hat weitere Belege für einen solchen "Flaschenhals" gefunden.

Der Studie zufolge wäre der moderne Mensch vor 70.000 Jahren um ein Haar ausgestorben. Nur 2.000 Menschen teilten sich damals den Lebensraum, den heute gut sechs Milliarden Erdenbürger bewohnen. Das schließen amerikanische und russische Forscher aus einer jüngsten Analyse des menschlichen Erbguts.

Überraschend geringe Variationen

Darin gebe es so überraschend geringe Variationen, dass es nur von einem ganz kleinen "Gen-Pool" entsprungen sein könne, berichten die Forscher im "American Journal of Human Genetics". Das Team von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) und der Russischen Akademie der Wissenschaften konzentrierte sich bei seiner Analyse auf die so genannten Mikrosatelliten im Erbgut.

Das sind kurze, mehrfach wiederholte DNA-Abschnitte, deren Sinn bisher wenig verstanden ist und die deshalb auch als Junk-DNA (Abfall-DNA) bekannt sind. Manche ethnische Gruppen unterscheiden sich an diesen Mikrosatelliten. Die Forscher verglichen insgesamt 377 dieser Marker von Menschen aus 52 Regionen der Welt.

Vor 70.000 Jahren Afrika verlassen

Die Untersuchung bestätigt weiterhin, dass der Homo sapiens erst vor knapp 70.000 Jahren seine afrikanische Heimat verließ und den Rest der Welt eroberte. Eine frühere Studie, die sich am Y-Chromosom von tausend Männern in 21 ethnischen Gruppen orientierte, hatte den Auszug aus Afrika auf die Zeit vor 66.000 Jahren gelegt. (APA/red)

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