Flüchtlinge sollten Fallschirm haben

11. Juni 2003, 20:10
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Asyl - ein verschärfter Hürdenlauf

Wien - Erfolgreiche Asylwerber "springen mit dem Fallschirm über Österreich ab". Entwertete Fahrscheine der Budapester Straßenbahn oder sonstige Belege, die auf einen Aufenthalt in angrenzenden Staaten schließen lassen, führen sie nicht mit sich. Auch ein "amtlicher Bescheid aus dem Verfolgerstaat, der den Betreffenden als Folteropfer ausweist", wäre äußerst hilfreich.

So weit Antworten von Flüchtlingshelfern auf die Frage, wer in Zukunft in Österreich Chancen auf politisches Asyl haben wird - sollte das Parlament das neue Asylgesetz in der vorliegenden Form beschließen. Der ausgeprägt zynische Ton fußt auf mehr als Verbitterung: "Unser Land soll für Flüchtlinge auf dem Landweg unerreichbar sein", kommentiert Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt die geplante Rückschiebung von Asylwerbern in sämtliche, als "sicher" aufgelistete Nachbarländer.

Diese Neuerung werde "Asylschwindler belohnen, echt Verfolgte aber bestrafen", fürchtet Patzelt: Sexuell missbrauchte Frauen etwa würden nur geringe Asylchancen haben, "wenn sie - wie oft in solchen Fällen - ihre Erlebnisse bei der Ersteinvernahme verschweigen". Ebenso Menschen, die - wie einst etwa aus Bosnien - in Strömen (und über Drittstaaten) nach Österreich flüchten. Es sei denn, "der Konflikt findet in einem Nachbarstaat statt - den man dann natürlich von der Liste sicherer Staaten streichen müsste". (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2003)

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