Präambel der EU-Verfassung doch nicht so laizistisch

11. Juni 2003, 19:13
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Verweis auf religiöses Erbe - "Philosophie der Aufklärung" nicht mehr in der Verfassungspräambel

Brüssel - Die Präambel der EU-Verfassung wird nun doch nicht so "laizistisch", wie Konventspräsident Valéry Giscard d'Estaing sie entworfen hat. Das Präsidium des Konvents legte am Mittwoch einen neuen Entwurf vor, in dem deutliches Gewicht auf die "kulturellen, religiösen und humanistischen Überlieferungen" Europas gelegt wird (siehe "Zitiert").

In der neuen Fassung finden sich nicht mehr die Verweise auf die "griechische und römische Zivilisation" sowie die "Philosophie der Aufklärung". Einigen Mitgliedern des Konvents geht das nach wie vor zu wenig weit. Sie drängen weiter auf der Verankerung des Begriffs "christlich" in der Präambel. Auch die polnische Regierung reklamiert das Christentum in die Verfassung.

Trennung Staat-Kirche

Die von Kommissionspräsident Roman Prodi eingesetzten Reflexionsgruppe über die spirituelle und kulturelle Dimension Europas hingegen setzt auf die Trennung von Staat und Kirche. Nur so könne die Vielfalt Europas gewahrt bleiben, betonte Prodi beim jüngsten Treffen der Gruppe, das vom Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) organisiert wurde. Europa müsse nach den Prinzipien der Toleranz, der Offenheit und der Liberalität gebaut werden.

Für eine strikte Säkularisierung Europas trat Danielle Hervieu-Leger, Direktorin des Pariser Zentrums für interdisziplinäre religiöse Studien, ein. (ina/DER STANDARD, Printausgabe, 12.6.2003)

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