Joachim Gauck, Prediger und Freiheitskämpfer

19. Februar 2012, 22:39

Der Werdegang des nächsten Bundespräsidenten Deutschlands

Seine Visitenkarte für die Wahl zum deutschen Bundespräsidenten musste Joachim Gauck diesmal gar nicht mehr abgeben. Das hatte er schon Mitte 2010 getan, als Gegenkandidat von Christian Wulff, der am Freitag zurücktrat. Gauck hat damals offensichtlich Eindruck gemacht - beim Volk, aber auch bei Kanzlerin Angela Merkel.

Seinen Wahlkampf 2010 hatte ein Hauch des Wendejahrs 1989 umweht. Der wortmächtige Theologe vermochte dabei selbst Barack Obamas zwei Jahrzehnte später weltberühmt gewordenen Spruch mit der friedlichen Revolution in der DDR zu verknüpfen. "Ich bin mir sicher, dass unser deutsches 'Yes we can' das sächsische 'Wir sind das Volk' war", sagte der Pastor und einstige Herr über die Stasi-Akten damals - und zog damit eine Parallele zwischen dem US-Präsidenten und den Leipziger Montagsdemonstranten, die im Herbst 1989 das Ende des SED-Regimes einläuteten.

Im Volk war Gauck schon 2010 beliebt. Würde das Staatsoberhaupt vom Volk gewählt, hätte der Nachfolger des kurz zuvor überraschend zurückgetretenen Horst Köhler Umfragen zufolge eindeutig Gauck geheißen - und nicht Wulff. Er war durch die Lande gezogen und hatte für sich die Werbetrommel gerührt. Als Leitmotiv zog sich die Freiheit durch alle Reden des Mecklenburgers. Er selbst beschreibt sich als "linker, liberaler Konservativer" und hatte sich auch als Kandidat der Koalition für möglich gehalten, bevor ihn SPD und Grüne ins Rennen geschickt hatten. Keine zwei Jahre später ist er es dann doch: parteiübergreifender Kandidat, auch von Kanzlerin Angela Merkel unterstützt.

Dabei verbindet ihn mit der CDU-Chefin gegenseitige Sympathie. Die Kanzlerin lobte Gauck zu dessen 70. Geburtstag: "Sie haben sich in herausragender, unverwechselbarer Weise um unser Land verdient gemacht: als Bürgerrechtler, politischer Aufklärer und Freiheitsdenker. Als Versöhner und Einheitsstifter in unserem jetzt gemeinsamen Land. Und als Mahner und Aufarbeiter des SED-Unrechts - und damit als Mann, der immer wieder an historische Verantwortung erinnert." Bereits 1999 gab es einen Vorschlag aus der CSU, Gauck gegen den dann zum Bundespräsidenten gewählten SPD-Politiker Johannes Rau ins Rennen zu schicken. Damals lehnte Gauck dankend ab.

Schon früh auf Distanz zum Sozialismus in der DDR

Der 1940 in Rostock geborene Kapitänssohn ging früh zum Sozialismus in der Prägung der DDR und der Sowjetunion auf Distanz. Bereits als Neunjähriger habe er gewusst, "dass der Sozialismus ein Unrechtssystem war". Sein Vater wurde 1951 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, aus der er vier Jahre später heimkehrte.

Weil Gauck weder bei den Jungen Pionieren noch bei der Freien Deutschen Jugend mitmachte, konnte er seinen Wunsch, Journalist zu werden, in der DDR nicht verwirklichen. Er studierte stattdessen Theologie und trat 1965 in den Dienst der Evangelischen Landeskirche von Mecklenburg ein. Als Pastor geriet er bald in das Visier des "VEB Horch, Guck und Greif", dessen Regime er im vereinigten Deutschland aufarbeiten sollte.

"Akten einer Diktatur sind Apotheke gegen Nostalgie"

Im Herbst 1989 gehörte Gauck zu den Mitbegründern des Neuen Forums und predigte in der Rostocker Marienkirche zum Auftakt der Demonstrationen für Freiheit und Einheit. Er wurde 1990 in die Volkskammer gewählt und übernahm die Leitung des Sonderausschusses für die Aufarbeitung des Stasi-Unrechts. Am 2. Oktober 1990 - dem letzten Tag der DDR - wurde er von der Volkskammer zum Beauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt und am 3. Oktober von der Bundesregierung bestätigt. Die Behörde sollte schließlich seinen Namen tragen.

"Die Akten einer Diktatur sind die Apotheke gegen Nostalgie", wandte sich Gauck gegen die in Ostdeutschland verbreitete DDR-Verklärung. Besonders heftig stritt er sich mit dem einstigen brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) über dessen Stasi-Kontakte. Auch mit Gregor Gysi focht er manchen Strauß aus.

Die Erinnerung an die erste freie Volkskammerwahl 1990 lässt Gaucks Augen auch heute noch feucht werden und wirkt wie eine Mahnung an die Nichtwähler, ihr Handeln zu überdenken. Als er am 18. März 1990 seine Stimme abgegeben habe, sagte Gauck einmal, da sei "alle Freiheit Europas in das Herz des Einzelnen gekommen. Ich wusste: Nie, nie und nimmer wirst du auch nur eine Wahl versäumen." Demnächst wird er wieder bei einer Wahl dabei sein. Dass er dabei kein Stimmrecht hat, wird er verschmerzen. (Reuters)

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Und wenn er übers Wasser wandeln würde, wird er kein Heinemann!

..ich will Richard Weizsäcker wieder haben

..das war wirklich eîn Demokrat und Präsident.

In den letzen Jahren folgt ein Schnulli dem andern.

Alternde Säcke bekommen den Johannis-Trieb, aber fürs Volk kommt nichts.

Allerdings in Gegenrichtung der Ehrensold - reinste Form der Prostituion.

Weizsäcker? -wenn schon, dann den Heinemann!

...stimmt, Heinemann

war auch ein Präsident und kein Schnulli.

Stasi-Liebling wird Präsident?

Strg-c, Strg-v: Wie zu hören ist, hat der letzte DDR-
Innenminister, Rechtsanwalt Peter-Mi-
chael Diestel, vorm Landgericht Rostock
einen Prozeß gegen Gauck gewonnen,
in dem dieser verbieten lassen wollte,
ihn »Begünstigten der Staatssicherheit«
zu nennen.

...stimme Ihnen voll zu

Gauck hat ein Sendungsbewusstsein wie Luther und ist auch so verlogen.

Globalisierung, Minderheiten

aber wahrscheinlich wie der Münte bald eine Gespielin 40 Jahre jünger, die jetzige passt nach 12 Jahren wahrscheinlich nicht in den Trend der alten Politsäcke.

Warum lässt man den "Freiheitskämpfer" so raushängen? Ganz einfach: das wird darin münden dass er uns demnächst in einer Ansprache mitteilt, man müsse das syrische, iranische und jemitische Volk "befreien".........vom öl, Leben und anderen firlefanz.

Freiheitskämpfer?

Der Gauck war als Systempfaffe ungefähr genausoviel "Freiheitskämpfer" wie der Abtipper des obigen Traktats ein "Journalist" ist...

Man sollte nie vergessen...

dass seine Kinder zu DDR-Zeiten völlig ungehindert reisen durften.

Bei einem richtigen Systemkritiker hätten's das bestimmt NICHT gedurft.

Wessi-Bus für Systemkritiker?

Ist es nicht der der mit Hilfe der Sta-
si zu DDR-Zeiten einen VW-Kleinbus
bekommen hat?

ad byron sully

Betreffend der aus dem Zusammenhang gerissenen Kommentare zu "Sarrazin", "Hartz4" etc. empfehle ich folgenden Artikel, der sich die Mühe gemacht hat, die Originalquelle zu konsultieren und da schaut alles gleich wieder ganz anders aus:
http://blog.karlshochschule.de/2012/02/2... gnorieren/

"da schaut alles gleich wieder ganz anders aus"

nein, eigentlich nicht, zumal auch der Text angreifbar ist (siehe Kommentare).

Und diverse Punkte wurden dabei noch gar nicht angesprochen.
Gauck ist bis Oktober 89 nie politisch in Erscheinung getreten. Im Gegenteil wird behauptet, dass er selbst für die Stasi gearbeitet hat (IM Larve). Als Leiter der Gauck-Behörde fiel er dadurch auf, dass er Akten direkt an die Presse gegeben hat und dabei auch noch massiv manipuliert hat.

Und nicht zuletzt: Warum hat ihn die 2%-Partei wohl vorgeschlagen, wenn es nicht inhaltliche Parallelen gäbe.

Ich behaupte

dass Ihre Leseleistung gegen Null geht und Ihnen das egal hoch neun ist.

Sie bringen die Debatte mir Ihrer Argumentationsflut ja unheimlich weiter..

Und für Sie noch 2 Links extra

http://www.zeit.de/politik/d... ntaine-ddr
http://www.freitag.de/politik/0... herr-gauck

ein wahres wort in twitter-und-fb-zeiten,

in denen sich genau niemand mehr die mühe macht, nachzulesen oder ... überhaupt zu lesen.

oh. damit haben sie der standardpostergemeinde nix gutes getan.

jetzt müssen die vielleicht denken. und Meinungen verwerfen. überhaupt darüber nachdenken, was es bedeuten könnte einen sinnvollen Diskurs zu führen etc.

nein. die wollen hier lieber abposten, austrollen oder etwas heraufbeschwören. wenn es schon keinen Gott mehr gibt, dann schwört man halt auf Zusammenhanglosigkeit. so wird die Schlagzeile zur religion.

Lobhudelei und Verklärung.

Die beste Wahl ist dieser befangene Mann ganz bestimmt nicht und selbst wenn er keiner Partei unmittelbar hörig ist, seine Gesinnung ist eindeutig erkennbar und wird eher die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben.

Für die Kreise aber, ist er bestimmt der "beste" Kandidat.

Ich freu mich auf wohlformuliertes Deutsch.

IM Larve for präsident

herr pastor gauck wurde von der stasi als 'IM Larve' geführt und ausdrücklich für seine kooperation (s. die sog. 'terpe-papiere' des mfs-offiziers terpe darüber) gelobt; seine söhne durften ausreisen, er bekam einen vw-bus als belohnung :))
ps: gaucks vater, so nebenbei, wurde allerdings nicht grundlos 1950 vom nkwd verhaftet: er war nsdap-mitglied, schiffskapitän im 3. reich, tauchte dann als hafenarbeiter in rostock unter - als kriegsverbrecher den russen verdächtigt

gehört er wirklich zu den guten ?

der ehemalige leiter der stasi-behörde ? man redet von ihm als eine im-made. bin gespannt, was man da noch erfahren wird. wissen tut er als behördenleiter jedenfalls alles über die pastorentochter. wo ist denn bloss ihre gauck-akte hingekommen ?

Ahhh darum hat sie ihn das letztemal NICHT

gewählt, aus Angst er könnte Ihre Akte hervorholen............

Ja. Ihre Logik ist bestechend. Ihr denken einzigartig.

Vielleicht sollte man den deutschen Bundespräsidenten einfach

von den Standard-Foristen wählen lassen. Angesichts der einzigartigen Konzentration an Weltrettungskompetenz, die hier versammelt ist, ist mir kein geeigneteres Gremium vorstellbar.

Schon mal in den Sinn gekommen, dass hier auch viele Menschen aus Deutschland schreiben?

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