Gauck als Wulff-Nachfolger

Merkel verliert Machtkampf gegen FDP

20. Februar 2012, 11:04

Vor zwei Jahren verhinderte die Bundeskanzlerin den Ex-Bürgerrechtler - Diesmal gab sie nach hartem Machtkampf mit FDP-Chef Rösler nach

Berlin - Joachim Gauck wird als Nachfolger von Christian Wulff neuer deutscher Bundespräsident. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gab am Sonntag nach einem stundenlangen dramatischen Ringen ihren Widerstand gegen den Favoriten von SPD und Grünen auf. Sie wendete damit in höchster Not einen Koalitionsbruch ab.

Die FDP hatte überraschend Gauck unterstützt und das schwarz-gelbe Bündnis zeitweise in eine schwere Krise gestürzt. Der Gründungschef der Stasiunterlagen-Behörde, der in einem ersten Anlauf 2010 Wulff unterlegen war, kann sich nun auf eine breite Unterstützung in der Bundesversammlung stützen, in der Abgeordnete des Bundestages und Vertreter der deutschen Bundesländer sitzen. Damit werden bald zwei Ostdeutsche an der Spitze des Staates stehen.

"Wahrer Demokratielehrer"

Merkel bezeichnete bei einem gemeinsamen Auftritt der Parteichefs den 73-jährigen früheren DDR-Bürgerrechtler als "wahren Demokratielehrer", der wichtige Impulse für Globalisierung, die Lösung der Schuldenkrise und mehr Demokratie geben könne. Der sichtlich bewegte Gauck kündigte an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie "in einem guten Land leben, das sie lieben können". Gauck war in Umfragen klarer Favorit der Bürger. Rund jeder Zweite hält ihn für geeignet.

Gauck sagte auf der Pressekonferenz, er sei kein "Supermann" und müsse sich die Vorschusslorbeeren erst verdienen. Er sei überwältigt und verwirrt. Der Anruf der Kanzlerin habe ihn im Taxi erreicht, sagte der aus Rostock stammende und nun in Berlin lebende Pastor. Bei der Annahme der Kandidatur für das Staatsoberhaupt habe ihm unglaublich geholfen, dass die Koalition, SPD und Grüne sich zusammengefunden hätten. An Merkel persönlich gerichtet sagte Gauck, das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

Koalition am Rande des Scheiterns?

Zuvor stand die Koalition - mitten in der Euro-Schuldenkrise - am Rande eines Scheiterns. Merkel machte bis zum Abend innerhalb der Unionsspitze deutlich, dass sie Gauck, der 2010 gegen den am Freitag zurückgetretenen Wulff erst im dritten Wahlgang verloren hatte, nicht unterstützen wolle. Merkel hatte 2010 Gauck verhindert und auf Wulff gesetzt. Die FDP-Spitze um Rösler hielt aber an Gauck fest. Damit hätte die Union in der Bundesversammlung, die den Präsidenten wählt, keinen eigenen Kandidaten durchbringen können.

Der FDP-Vorstoß löste zuvor heftige Reaktionen im Unionslager aus. Die Lage war verfahren, weil die FDP zugleich auch die von der Union vorgeschlagenen Anwärter Töpfer und Altbischof Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche, nicht haben wollte. Bei der ums Überleben kämpfenden FDP hieß es, nach zwei Jahren der Demütigung könne man nicht mehr alles von der Union schlucken, die in der Präsidentenfrage alle parteiübergreifenden Kompromisse blockiere. "Dass wir Gauck durchgesetzt haben, ist ein Meilenstein", hieß es.

Schwarz-Gelb sucht Schadensbegrenzung nach Streit

Nach dem kurzen, aber überaus heftigen Streit um die Nominierung haben sich Vertreter der Koalitionsparteien Union und FDP am Montag bemüht, die Wogen zu glätten. Die Gespräche mit der FDP über die Aufstellung von Joachim Gauck, der 2010 als parteiloser Kandidat von SPD und Grünen dem Koalitionskandidaten Wulff in der Bundesversammlung unterlegen war, seien "mitunter nicht leicht verlaufen", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe im ZDF-"Morgenmagazin". Er rate nun dazu, "nicht öffentlich nachzukarten". Dies verbiete allein schon die Würde des höchsten Staatsamts. CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am Sonntagabend erst unter massivem Druck des Koalitionspartners zu einer Unterstützung von Gaucks Kandidatur gemeinsam mit der Opposition bewegen lassen.

Die schwarz-gelbe Koalition müsse sich nun um drängende Themen wie die Energiewende und die Euro-Krise kümmern, sagte Gröhe. Dabei werde die Union ein "verlässlicher Koalitionspartner" sein. Der Generalsekretär sah die Bundeskanzlerin durch die Kontroverse nicht geschwächt. "Ich sehe, dass wir eine Kanzlerin haben, die sehr hohe Zustimmung in der Bevölkerung genießt." Das Gleiche gelte für Gauck. Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor noch von einem "gewaltigen Vertrauensbruch" seitens der FDP gesprochen, der schwere Folgen für die weitere Zusammenarbeit in der Koalition haben werde. "Das Verhalten ist symptomatisch für den Zustand der FDP", sagte er.

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sprach sich am Montag für ein Ende des Streits in der Koalition aus. "Wir sollten jetzt nicht zurückblicken im Zorn", sagte er ebenfalls im ZDF-"Morgenmagazin". Die Politik habe mit Gaucks Nominierung gezeigt, "dass wir handlungsfähig sind".

"Ende gut, alles gut"

Merkel betonte, Gaucks Lebensthema sei die "Idee der Freiheit in Verantwortung". Dies verbinde sie als Ostdeutsche - "bei aller Verschiedenheit" - mit dem Gründungschef der Stasiunterlagen-Behörde. "Unsere Sehnsucht nach Freiheit hat sich 1989/90 erfüllt." SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: "Ende gut, alles gut." Gauck könne die Kluft zwischen Bürgern und politischer Klasse schließen. CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete die Kür Gaucks als gute Entscheidung für Deutschland. "Sie haben das Vertrauen der CSU und der Bayern."

Rösler betonte, Gauck könne verlorenes Vertrauen in das Bundespräsidentenamt zurückgeben. Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem historischen Moment. Gauck könne in Zeiten von Rechtsterror in Deutschland viel bewegen: "Joachim Gauck ist jemand, der Demokratie wieder Glanz verleihen kann."

Die "Leider nein"-Kandidaten

Die von der Union ebenfalls genannte Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wurde von der FDP abgelehnt, weil ihre Wahl ein zu starkes Signal für Schwarz-Grün im Bund wäre. Roth regiert seit 2006 in Frankfurt ein Bündnis mit den Grünen. Der mögliche Kandidat Wolfgang Huber stieß bei FDP, Grünen und im katholischen CDU-Flügel auf starke Vorbehalte. Der bei Union und Rot-Grün geschätzte Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) fand keine Zustimmung der FDP, weil er zu stark für eine grüne Energiepolitik stehe, hieß es. Der ursprüngliche schwarz-gelbe Favorit Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, hatte eine Kandidatur am Samstag abgelehnt.

Bundespräsident Wulff war am Freitag nach nur 20 Monaten Amtszeit zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover leitete am Wochenende gegen ihn ein Ermittlungsverfahren ein. Der frühere niedersächsische Ministerpräsident steht im Verdacht, Vergünstigungen von befreundeten Unternehmern angenommen zu haben. In der Bundesversammlung hat Schwarz-Gelb nur eine hauchdünne Mehrheit. Die Bundesversammlung muss bis zum 18. März ein neues Staatsoberhaupt wählen. (APA)

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jps1032
00
Menschenverachtender Unrechtsstaat

Seit über 13 Jahren schauen Sie schweigend zu, wie in Deutschland Menschenrechte in schwerster Weise verletzt werden. Sprechen Sie diese menschenverachtende Heuchlerin ö f f e n t l i c h auf die fortgesetzten massiven Menschenrechtsverletzungen an!

Seit 2005 täuscht die Merkel darüber hinweg, dass die Verletzung von Bürgerrechten schwerster Art u n v e r ä n d e r t fortgesetzt wird. Dazu kommt, dass die Merkel die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher deckt, damit diese die Menschenrechtsverletzungen weiterhin ungestört fortsetzen können. Schlimmer noch: Die Situation der Menschenrechte hat sich seit ihrem Amtsantritt drastisch verschlechtert. Und die Merkel blinzelt den Journalisten zu.
MACHEN SIE IHR MAUL AUF!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Hansi Huber
00
24.2.2012, 08:29
LOL

laut Forsa käme die FDP auf 2% der gültigen abgegebenen Stimmen. Die Union hätte 38%. Schön zu sehen, wie die 2% Partei die Union vor sich hertreibt und die große Angela vor der FPö in die Knie geht.

Tomás Borge
01
22.2.2012, 14:20
...dieser Typ Pastor hat

bei einigen Argumenten eine Seelenverwandtschaft mit den Pfarrern, die die SS segneten und mit den Machthabern kollaborierten.

Hanns Mair
04
21.2.2012, 17:40
Nicht dass ich es der Merkl nicht gönne, aber der große Wurf ist Gauk nicht:

Gauck ist jemand, der erstens Tilo Sarrazin als „mutig“ lobt,

der zweitens die deutsche Kriegsbeteiligung in Afghanistan für „gerechtfertigt“ hält,

der drittens Hartz IV als „richtig“ bezeichnet

der viertens die Occupy-Bewegung, die gegen die Macht der Finanzmärkte kämpft, als „unsäglich albern“ abqualifiziert,

der fünftens Wikileaks das Recht abspricht, Geheimdokumente zu veröffentlichen,

aber die anlasslose Speicherung aller Telekommunikations-Verbindungsdaten („Vorratsdatenspeicherung“) beschönigt,

der sechstens die Bespitzelung der Linken durch den Inlandsgeheimdienst Verfassungsschutz legitimiert und der schließlich

siebtens einen Staatsakt für die Opfer des Neonazi-Terrors ablehnt.

Also eher ein mieser Typ, der Gauk!

Tomás Borge
01
22.2.2012, 13:03
...Sie haben völlig recht, dieser selbstgerechte

Luther-Calvin Verschnitt erzeugt bei mir eine Gänsehaut. Er hat auch noch nie etwas von der Auklärung gehört.,

Dann noch lieber den Wulff, mit den klebrigen Händen

wiegehtdas
10
20.2.2012, 18:00
wie krank muss eine Regierung sein

wenn man sich einen 72-jährigen Rentner in die Regierungsspitze holt der sicher nicht mehr alles so mitkriegt wie er es sollte!

Meiner Meinung nach hat man sich da eine Marionette geholt die sich nicht mehr selber wehren kann!

norik
11
21.2.2012, 06:39

Alte Leute sollten nicht mehr Machtpositionen einnehmen, sondern ihre Erfahrungen und Weisheiten der naechsten Generation vermitteln als Vorbild, Lehrer und Berater.

Ueberall auf der Welt haengen die Greisen an der Macht. Idiotische Menschheit.

wiegehtdas
01
21.2.2012, 07:32
genau so ist es und als schlechtestes Beispiel eines

überalterten Machtinhabers steht bei mir der PABST an 1. Stelle

Stan Laurel
01
20.2.2012, 15:56
Unglaublich

Die Merkel geht vor einer 2% Partei in die Knie.
Hätte ich mir nie gedacht.

Raptor Jesus
00
20.2.2012, 16:23
Alles nur Show um die wieder auf 5% zu bekommen.

vandieck
00
20.2.2012, 15:28
Ach was ...

.. ein bisschen moralischer Zeigefinger-Präsident, tät' auch Österreich net schlecht.
Bei allem Säkularismus, der Ausgangspunkt sein muss.
Beneiden braucht man den Mann nicht, für diesen, seinen Spagat ...
in dieser, mit Recht, occupy-orientiert Zeit.

grahmatik
00
20.2.2012, 14:31

und seine ersten worte waren: "..ich fühle mich geehrt und eingeladen."

thihihi.

pox vobiscum
01
20.2.2012, 15:32

Ich bin ja gespannt auf die noch folgenden Worte,
hehe.

Die Stimme des Marktes
01
20.2.2012, 13:55
Was ist daran so schwierig?

In einer groß/klein-Koalition muss der "Kleine" seine 2-3 klar abgegrenzten Gebiete haben, in denen er sich verwirklichen kann - bei der FDP hätte das die Steuerentlastung sein können/müssen.
Die restlichen wichtigen Themen werden vom "Großen" vorgegeben, wobei der "Kleine" hin & wieder Entschärfungen durchsetzen kann.
So können sich beide profilieren und es wird keine Energie durch echte Streitereien vergeudet...
Das hat die CDU komplett vermasselt - zum eigenen Schaden. Jetzt muss sie nach der nächsten Wahl entweder mit der SPD oder den Grünen regieren...
Viel Spaß.

Kralj Matjaz
01
20.2.2012, 13:48
Mutti...

eine Pastorentochter lehnte bis zum Schluss den Herrn Pastor ab......wie soll man das verstehen....die Negation eines Teil - Ichs oder ausschließlich politisches Kalkül...

Fisch Suppe
06
20.2.2012, 13:59

Frau Merkels Vater ist einer jener evangelischer Pastoren gewesen, die mit dem DDR-Regime zusammengearbeitet haben und daher Gegner regimekritischer Teile der evangelischen Kirche in der DDR gewesen sind. Angela Merkel selbst ist Kaderfunktionärin in der kommunistischen Partei gewesen und durfte in Moskau studieren, was nur regimetreuen Personen möglich gewesen ist.

ichbinsofrei.net
02
20.2.2012, 17:25

gauck genoss auch etliche vergünstigungen ....

Stahl_____666
00
20.2.2012, 13:41
.

Und milde lächelnd wird Gauck das Gesetz zur Ratifizierung des ESM-Vertrages ratifizieren, was ja Wulff keinesfalls wollte.

Dass sich dahinter eine EU-Behörde verbirgt, die in Zukunft völlig unbehelligt von jeglicher staatlicher oder institutioneller Kontrolle und vorbei an den nationalen Parlamenten und dem EU-Parlament Milliardenbeträge aus den EU-Ländern einfordern kann interessiert die Massen dabei nur am Rande.

Deutschland wollte den ESM-Vertrag letzten November ratifizieren. Nachdem Wulff Widerwillen geäussert hatte, wurde dieses Vorhaben auf das erste Quartal 2012 verschoben.

Wulff wurde also gerade noch rechtzeitig "abgeschossen".

Nick Tameer
00
20.2.2012, 20:49

Gauck kann die politische Atmosphäre mitprägen, aber er kann keine Verträge ratifizieren, genauso wenig wie Wulff das, auch wenn er fest dazu entschlossen gewesen wäre, dies hätte verhindern können.

Fisch Suppe
85
20.2.2012, 13:41
Tatsache ist:

"Pastor" Joachim Gauck lobt und schätzt Thilo Sarrazin und hat ein Problem mit der Occupy-Wall-Street-Bewegung!

Demgegenüber wirken die Gschichterln, die man seitens der Bild-Zeitung dem Herrn Bundespräsidenten Wulff anhängen wollte, einfach nur lächerlich.

rinius ante portas
00
21.2.2012, 14:36

An andere Stelle schon mal gepostet. Einige sollten nicht ganz so eindimensional argumentieren und sich besser informieren:

http://www.sueddeutsche.de/politik/u... -1.1288683

Nick Tameer
00
20.2.2012, 20:54

Ich mag den Gauck nicht, aber ihm jetzt Wulff als eine Art Lichtgestalt entgegenzuhalten, scheint mir auch etwas übertrieben.

Walter KURTZ
 
00
20.2.2012, 14:02

Meinungsfreiheit ist schon a Hund...

realodox
11
20.2.2012, 13:44

sie können nicht lesen.

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