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Rom /Berlin/Wien - Italien feiert den Goldenen Bären für den Filmessay "Cäsar muss sterben" der Brüder Paolo und Vittorio Taviani. Kulturminister Lorenzo Ornaghi sprach im Telefongespräch mit den Regie-Brüdern von einem "tollen Ergebnis": "Das ist ein positives Signal für das Land." Nach dem Gewinn des Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele Berlin baten die Taviani-Brüder den Minister, den italienischen Film zu unterstützen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.
Auch Rom könne stolz sein auf diesen mutigen und schwierigen Film, sagte Bürgermeister Gianni Alemanno. Es sei den Taviani-Brüdern mit dem im römischen Gefängnis Rebibbia gedrehten Film einmal mehr gelungen, "ihre außerordentlichen künstlerischen Fähigkeiten und ihr unglaubliches Talent zu beweisen", äußerte sich der Bürgermeister.
"Ge-wulfft"
Enttäuscht haben deutsche Medien nach der Bären-Vergabe reagiert. Lange Zeit galt Christian Petzolds "Barbara" als großer Favorit für den Hauptpreis, der deutsche Regisseur musste sich jedoch mit dem Silbernen Bären für die beste Regie zufriedengeben. "Kein Aufbruchssignal" sieht etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Bilanz unter dem Titel "Nur ein Silberner Bär für 'Barbara'", und der "Stern" fühlt sich sogar in Anlehnung an den wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetretenen deutschen Bundespräsidenten ein bisschen "ge-wulfft".
"Der Preis wirkt wie eine Auszeichnung fürs Lebenswerk und fühlte sich zudem 'ge-wulfft' an, als die Regie-Brüder Taviani sich bei ihrem Freund, dem Jurypräsidenten Mike Leigh und weiteren langjährigen, engen Freunden aus der Jury bedankten", wunderte sich der "Stern" über die unverhohlenen Freundschaftsbekundungen. Der neu eingeführte Extra-Silberbär für den ebenfalls favorisierten "L'enfant d'en haut" (Sister) der Schweizerin Ursula Meier wirke da fast wie eine Entschuldigung. "Aber vielleicht machen die aktuellen Ereignisse auch ein bisschen paranoid."
"Festivalübliches Gießkannenprinzip"
Nicht unbedingt als Freunderlwirtschaft, aber zumindest als großen Kompromiss nahm die "Welt" die Auszeichnung für Paolo und Vittorio Taviani wahr - "zugunsten zweier alter Fahrensleute, die sich noch einmal auf neues Territorium vorgewagt haben, genauer gesagt, auf altes Territorium zurück: Auch 'Padre Padrone' bestach schon durch Laienschauspieler." Der Goldene Bär sende das falsche Signal über das diesjährige Festival in die Welt, denn dieses sein ein "Paradelaufen junger Talente" gewesen. "Aber Inhalt des Kompromisses scheint gewesen zu sein, dass die Jungen zwar nicht den höchsten Preis, aber dafür fast alle anderen bekommen."
In eine ähnliche Kerbe schlägt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die sich über das "festivalübliche Gießkannenprinzip" bei der Preisvergabe ärgerte. "Am Ende war es dann doch wieder wie immer: Die Jury der 62. Berlinale zeichnete einen Film mit dem Goldenen Bären aus, dessen Sieg die Kritiker eher befürchtet als erhofft hatten." Und nachdem im Vorjahr der iranische Film "Nader und Simin" von Asghar Farhadi in mehreren Kategorien abgeräumt hatte, habe man nun wieder breit verteilt. Das könne aber auch daran liegen, dass es im Gegensatz zu den vergangenen Jahren wieder mehr konkurrenzfähige Filme im Wettbewerb gegeben habe. "Nach der massiven Kritik am Programm war in diesem Jahrgang eine deutliche Erholung erkennbar." (APA)
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