Partner mieten: Das Geschäft mit den einsamen Herzen

Johnny Erling aus Peking, 19. Februar 2012, 19:57

Mietbare Partner zum Ausgehen und Vorzeigen boomen im Land der Mitte

Händchenhalten kostet zehn Yuan (1,20 Euro) mehr. Selbst Lippenstift und Schminke müssen extra bezahlt werden: Für junge Männer und Frauen in China, die niemanden zur Hand haben, mit dem sie einen romantischen Abend verbringen können, wird es teuer. Dutzende Agenturen haben den Bedarf einsamer Herzen als Marktlücke entdeckt und vermieten Partner zum Ausgehen, Vorzeigen und Angeben - aber nicht zum Anfassen.

Denn den richtigen Partner zu finden ist für Frauen wie für Männer in China heute gleichermaßen schwer. Modernes Stadtleben und Berufsstress, die bessere Ausbildung und Karriereplanung fordern ihren Preis. Viele hoch qualifizierte Frauen sind den Herren der Schöpfung zu anspruchsvoll. Die Männer aber machen sich inzwischen selbst Konkurrenz. In einer Gesellschaft, die traditionell Buben bevorzugt, hat die Ein-Kind-Politik zu verzerrten Geburtenraten geführt. Bevölkerungswissenschafter haben für 2017 einen Männerüberschuss von rund 30 Millionen errechnet.

Das hat den Boom von Agenturen begünstigt, die Singles helfen, wenigstens nach außen den Anschein zu wecken, sie hätten jemanden. " Einen (falschen) Freund zu mieten ist besser als sich zu schnell einen (echten) suchen", heißt das Motto. Zum Valentinstag boten Partnervermittlungen "Traumpartner" zum Wucherpreis von 600 Euro. Die " feschen Burschen" seien um 1,78 Meter groß, unter 70 Kilo schwer, " rauchen und trinken nicht", strahlten Frische aus und "lächeln warmherzig". Normale Ausgehmodelle gibt es schon ab wenigen Hundert Yuan. Ein Bier mittrinken erhöht die Gesamtrechnung um 20 Yuan, für einen flüchtigen Begrüßungskuss müssen 50 Yuan gezahlt werden. Mehr als den Austausch harmloser Zärtlichkeiten ist allen Beteiligten verboten. Das Partnerleasing folgt dem Vorbild der Verleihdienste zum Neujahrsfest. Weil sich Zehntausende nicht trauten, ohne Lebensgefährten nach Hause zu fahren, wurde der kaufbare "Begleiter" erfunden, der für ein paar Tage den angeblichen Partner mimt. (DER STANDARD-Printausgabe, 20.02.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2
Kommt man im chinesischen Kommunismus

nicht auf normalen Weg zu einem Freund/Freundin?

Unter Mao galt zumindest jemand mit einem Fahrad, Passagierschein und zweiter Garnitur blauer Baumwollkleidung als vermögend genug, um eine gute Partie auszumachen.

Die Preise sind seit damals anscheinend ordentlich gestiegen ;)

mao: das war kommunismus
heute: turbokapitalismus und ausbeutung

unterschied erkannt?

definition luxus

sehr interessant, wie sich die Ideale von Privilegien ändern. ist man doch bei uns noch ansehlich, wenn man eine Yacht, einen italienischen Sportwagen, ein Haus am Hindukusch (ist jetzt sophisticated) und eine Frau wie aus Mangos gemeiselt vorweisen kann. in einem Land von 1,3 Milliarden ist es schick JEMANDEN zu haben. nachdem dieses Land uns in vielerlei Hinsicht schon längst überholt halt is es für mich eine amüsante Prognose - wir benutzen so viele Kommunikationsprothesen dass wir eigentlich zu kommunizieren vergessen. noch mehr davon und wir haben es komplett verlernt.
Leute, geht raus und unterhaltet euch mehr mit echten anwesenden greifbaren Menschen. scheint offenbar echter Luxus zu sein!

Der Mensch

ist dermaßen blöd und degeneriert, daß es schon wieder komisch ist.
Gott - falls es sie gibt - muß sich ja schief und kringelig lachen...

Gott hat da am wenigsten grund zum lachen

Ich darf daran erinnern, dass der es in seiner ganzen ewigen existenz gerade mal auf einen kontakt gebracht hat, den man mit gutem willen als sexualkontakt interpretierem kann. Und selbst dieser eine kontakt gilt nur, wenn man praktiken als gültig akzeptiert, bei denen die dame jungfräulich bleibt.

Das ist doch die Wachtums-Idee

Kostenlose-Partnerschaften verbieten (zerstören Arbeitsplätze) - Partnern dürfen nur noch gemietet werden.

Was das Jobs schaffen würde. Und der Umsatz erst. Das BIP würde geradezu explodieren. Die Staatsschulden (rel. zum BIP) würden auf ein Minimum sinken.

Ein Wohlstandsgewinn den wir uns heute nicht einmal vorstellen können.

geförderte prostitutionen???

Andererseits könnte man durch Partnerzertifizierungen und Partnerdiplome auch noch eine Menge Geld und BIP-Wachstumssteigerungen schaffen.

Berufsfelder:
diplomierter Partner
staatlich geprüfter Händchenhalter

Mentalität oder Lifestyle

Das ist weniger eine Frage der Mentalität als des Lifestyles. Sowohl junge Frauen als auch Männer sind voll in den Karriere- und Geldschäffelprozess eingebunden, haben also keine Zeit, um gesunde Beziehungen aufzubauen. Doch um sich dann einen Freund (Freundin) zu mieten, müssen sie noch mehr arbeiten. Und munter läuft der Hamster weiter in seinem Rad, doch glücklich ist er nicht.

Und das sollen noch "Kommunisten" sein?

Großartig – was für ein Fortschritt, welche Entwicklung !(?)

... Herzlich willkommen in der instrumentellen "Rationalität" und "Emotionalität" des postmodernen Kapitalismus ... .

man sollte nicht Werbung mit Realität verwechseln

daß es diese Angebote gibt, stimmt zwar, aber wie oft sie auch angenommen werden, sagt darüber nichts aus.
Mit dem Männerüberschuß gib es da jedenfalls keinen Zusammenhang, denn erstens gäbe es dann keinen Bedarf für Mietmänner und zweitens gibt es derartige Angebote auch in Singapur, die eine ausgeglichene Geschlechterverteilung haben.

ich würde das nicht überbewerten. Solche Angebote gibt es ja auch bei uns und für manche Berufe kann es ja auch tatsächlich nützlich sein.

na und?

Ist halt wie ein Escortservice bei uns, nur ohne Sex. (Und wer weiß, ob man sich in China an das dbzgl. Verbot hält!)

worin ...

besteht der Unterschied zu unseren Praktiken
bezüglich Callgirls- und/oder Hostessenservice?

Dass Callgirls und Hostessen keine Männer inkludieren und dass 1,78 zum obeflächlichen Angeben mit einem Traummann nicht groß genug ist.

Die Chinesen sind im Durchschnitt kleiner, das muss man berücksichtigen!

Hier steht aber auch

dass es Frauen gibt die sich Männer mieten.
Das scheint hier völlig unterzugehen.
Es scheint sich also NICHT um einen Artikel gegen die Einkindpolitik sonder um "New Lifestyle" Problematik zu handeln...
Karrierefrau, keine Zeit für Aufrisss....

Gefakte Freunde

Wie bei Facebook, nur viel teurer.

..das ehrliche gesicht...schon eher...

was ist daran so verwunderlich??
bei uns schlafen und F**** sich doch alle, männer wie frauen in abgesicherte positionen, geheiratet wird auch hierzulande nach dem bankkonto und der erbschaft,..
und politiker ziehen einen ganzen rattenschwanz an reserveliebhabern nach sich her,..die sind alle was geworden,..
grasser, hochegger,maischberger,..etc etc,...

Das kalte Gesicht des Kapitalismus eben.

wobei man bedenken muss, dass ja schon die Sehnsucht nach romantischer Liebe ein Auswuchs des kapitalistischen Systems ist

die 1968er wussten das noch, wir haben es vergessen.

falsch !!!

das sind die folgen sozialistischer planwirtschaft

Das heißt richtig: staatskapitalistische Modernisierung. Und dass Kapitalismus nur unter massiven Opfern "funktioniert" sollte mittlerweile klar sein. Grad und Ausprägung der Durchstaatlichung ist dabei einigermaßen gleichgültig. Dies zeigt der obige Artikel genauso wie die permanenten sozialen, politischen, ökologischen und ökonomischen Kriegs- und Krisenerscheinungen.

Die Ein-Kind-Politik ist übrigens auch dem Kapital (dem "automatischen Subjekt", Marx) nicht "egal", eröffnet sie doch "wunderbare" Möglichkeiten seiner notwendigen Vermehrung... .

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.