Lorin Maazel: 50 Jahre mit den Wiener Philharmonikern
Wien - Rund 5000 Auftritte hat Lorin Maazel bislang absolviert, etwa ein
Zehntel davon mit den Wiener Philharmonikern, wie Orchestervorstand
Clemens Hellsberg nachgerechnet hat. Grund genug also, das goldene
Jubiläum der Zusammenarbeit mit dem 81-Jährigen ausgiebig zu feiern.
Die Ehrenmitgliedschaft besitzt Maazel ohnehin schon seit zehn Jahren,
und so gibt es im Februar und März eine Konzertreise nach Skandinavien
und in die USA.
Zunächst aber spielte man in Wien Mozart und Maazels Wagner-Bearbeitung
Ring ohne Worte. In den Abonnementkonzerten am Wochenende huldigten
Orchester und Dirigent dann einer ganz besonderen, eigenen Vorliebe: dem
symphonischen Werk Jean Sibelius', das - zumindest in Mitteleuropa -
noch immer von der Aura eines leichten Unbehagens bzw. einer deutlichen
Geringschätzung umgeben ist. Und es bedeutet noch immer starken Tobak,
in ein Programm dreimal Sibelius und sonst nichts zu packen.
Doch durch die vollkommene Hingabe, mit der alle Beteiligten zu Werke
gingen, mutierte selbst die düstere, von Trauer durchwirkte Siebte zu
einem Hymnus an den Schönklang, drang in die gedankenschwere Fünfte auch
abseits der "schönen Stellen", zu denen sich mit dem Finnen weniger
vertraute Hörer retten können, Licht in die komplexen thematischen
Verzweigungen.
Und in der klassizistischen, am ehesten eingängigen Ersten kam dazu noch
der Schwung der Virtuosität. Inmitten des prächtig mäandernden,
schwelgerischen Fließens des Orchesters setzte der Dirigent pointierte
Orientierungsmarken. So gemessenen, aber sicheren Schritts, mit dem
Maazel das Podium betrat, musizierte er auch: mit altersweiser,
konzentrierter Bedachtsamkeit. (Daniel Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)