Zeitloses Schwelgen im Trauerton

19. Februar 2012, 19:32
  •  Lorin Maazel im März 2010 im Wiener 
Musikverein während der Philharmonischen Feierstunde anläßlich seines 
80. Geburtstages
    foto: apa/herbert neubauer

    Lorin Maazel im März 2010 im Wiener Musikverein während der Philharmonischen Feierstunde anläßlich seines 80. Geburtstages

Lorin Maazel: 50 Jahre mit den Wiener Philharmonikern

Wien - Rund 5000 Auftritte hat Lorin Maazel bislang absolviert, etwa ein Zehntel davon mit den Wiener Philharmonikern, wie Orchestervorstand Clemens Hellsberg nachgerechnet hat. Grund genug also, das goldene Jubiläum der Zusammenarbeit mit dem 81-Jährigen ausgiebig zu feiern.

Die Ehrenmitgliedschaft besitzt Maazel ohnehin schon seit zehn Jahren, und so gibt es im Februar und März eine Konzertreise nach Skandinavien und in die USA.

Zunächst aber spielte man in Wien Mozart und Maazels Wagner-Bearbeitung Ring ohne Worte. In den Abonnementkonzerten am Wochenende huldigten Orchester und Dirigent dann einer ganz besonderen, eigenen Vorliebe: dem symphonischen Werk Jean Sibelius', das - zumindest in Mitteleuropa - noch immer von der Aura eines leichten Unbehagens bzw. einer deutlichen Geringschätzung umgeben ist. Und es bedeutet noch immer starken Tobak, in ein Programm dreimal Sibelius und sonst nichts zu packen.

Doch durch die vollkommene Hingabe, mit der alle Beteiligten zu Werke gingen, mutierte selbst die düstere, von Trauer durchwirkte Siebte zu einem Hymnus an den Schönklang, drang in die gedankenschwere Fünfte auch abseits der "schönen Stellen", zu denen sich mit dem Finnen weniger vertraute Hörer retten können, Licht in die komplexen thematischen Verzweigungen.

Und in der klassizistischen, am ehesten eingängigen Ersten kam dazu noch der Schwung der Virtuosität. Inmitten des prächtig mäandernden, schwelgerischen Fließens des Orchesters setzte der Dirigent pointierte Orientierungsmarken. So gemessenen, aber sicheren Schritts, mit dem Maazel das Podium betrat, musizierte er auch: mit altersweiser, konzentrierter Bedachtsamkeit.  (Daniel Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)

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