Der langjährige Intendant des Deutschen Theaters inszenierte auch in Wien und Salzburg
Berlin - Thomas Langhoffs Theaterarbeit gehörte zum bürgerlichen
Vermächtnis der DDR. In seinen zahllosen Klassiker-Inszenierungen, die
den 1938 in Zürich Geborenen seit 1980 auch in den Westen führten,
verband sich ein hellwaches Gegenwartsbewusstsein mit Anflügen von
Bitterkeit und romantischer Ironie.
Langhoffs Vater Wolfgang hatte 1946, vom Exilort Zürich kommend, das
Deutsche Theater in Ostberlin übernommen. In dessen durchaus gesetztem
Plüschrahmen wurden noch einmal die Gespenster der bürgerlichen
Denkungsart beschworen: Auf den Handwerksspuren Stanislawskis erkundete
man die Gesinnungen, die lauteren Hoffnungen und lähmenden Zweifel einer
laut Staatsideologie "zum Absterben verurteilten" Klasse.
Thomas, der nach ersten Regieversuchen in Potsdam im Berliner
Maxim-Gorki-Theater auf sich aufmerksam machte, muss die Katastrophe
seines Vaters - Wolfgang Langhoff trat wegen übler Anfeindungen 1962 vom
Direktorenamt zurück - verinnerlicht haben. Sein mitunter
knochentrockener Bühnenrealismus blühte vor allem im Umgang mit großen
Schauspielerinnen auf: Langhoff arbeitete früh mit Sunnyi Melles (Emilia
Galotti 1984 in München) und Anne Bennent (Und Pippa tanzt 1988)
zusammen, er beschenkte die Salzburger Festspiele 1990 mit einer famosen
Jüdin von Toledo, die das Eingesperrtsein des Menschen zum Thema erhob.
Als Theaterdirektor am "Deutschen" (1991-2001) bewahrte er die
unverächtlichen Ost-Traditionen: die Genauigkeit des Blicks, das an der
Dialektik geschärfte Denken, das Festhalten an verbindlichen
Wertmaßstäben. Jetzt ist Thomas Langhoff, dessen Schwiegertochter
Shermin Langhoff die Wiener Festwochen ab 2014 koadministrieren wird,
73-jährig in Berlin gestorben. (poh / DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)