Deutsche Präsidentenkür

Die Schmuddelkinder

Kommentar | Birgit Baumann, 19. Februar 2012, 19:12

Ein Kandidat, dem sowohl Linke als auch CDU/CSU begeistert applaudieren würden, wird sich ohnehin kaum finden

Wenn sich die oppositionelle Linkspartei über Zustände in Deutschland echauffiert, dann geschieht dies oft unter großem Theaterdonner. Manchmal muss man fast fürchten, der Untergang der Bundesrepublik stehe unmittelbar bevor, so laut sind die Klagen.

Aktuell kritisieren die Linken, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sie bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten ausschließt. Man kann die Linke verstehen und umgekehrt konsterniert konstatieren: Kaum jemand versteht, warum Merkel dies tut.

Völlig klar: Ein Kandidat, dem sowohl Linke als auch CDU/CSU begeistert applaudieren würden, wird sich ohnehin kaum finden. Geeignete Persönlichkeiten, auch wenn sie nicht in Parteien aktiv sind, sind keine weißen Blätter, sondern haben allesamt eine Überzeugung. Und die klafft bei Schwarzen und Dunkelroten nun einmal in den allermeisten Fällen weit auseinander.

Aber die Linke von vornherein bei den Gesprächen auszuschließen ist instinktlos. Die Affäre Wulff hat Deutschland tief gespalten, eine symbolische Demonstration von Gemeinsamkeit wäre kein Fehler gewesen.

Außerdem wurde die Linke bei der Bundestagswahl 2009 von fünf Millionen Menschen gewählt, hauptsächlich im Osten. Diese stößt ausgerechnet die Ostdeutsche Merkel nun vor den Kopf, indem sie sie wie Schmuddelkinder behandelt, mit denen man besser nicht verkehrt. (DER STANDARD-Printausgabe, 20.02.2012)

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23 Postings
Marc Antony
10
20.2.2012, 09:54
Christsoziale und Linke: nichts Gemeinsames

Die Linke und CDU/CSU haben politisch nichts Gemeinsames, also wäre es absolut sinnlos, wenn sie diese nicht vorhandene Gemeinsamkeit "symbolisch demonstrieren" wollten.

Birgit Baumanns Kommentar ist nicht durchdacht und deshalb überflüssig. Wüsste man es nicht besser, könnte man fast glauben: eine Meinungsanzeige, hinter der Gysi, Lafontaine & Co. stehen: Ach, wie gemein und ausgrenzend doch alle zur Linkspartei sind!

Fritz Meyer
01
20.2.2012, 10:07
Doch, es gibt eine Gemeinsamkeit!

Die Linkspartei ist (u.a.) aus der PDS hervorgegangen und die CDU (sowie FDP) haben die Blockparteien assimiliert. PDS und Blockparteien haben sich zur DDR bekannt.

Aber natürlich wird's nur der Linkspartei vorgeworfen.

Dimple
01
20.2.2012, 12:40
ich erläutere einmal den Unterschied

die Blockflöten waren die Halb-Mitläufer und für jene, die zB. Physik studieren wollten und trotzdem nicht der Verbrecher-Partei SED direkt angehören wollten (ohne sich ihren Traumberuf gänzlich aus dem Sinn schlagen zu wollen).
die PDS-Linke ist die - so verstehen sie sich selber - Nachfolge-Partei der Verbrecher-Partei SED, also jener, die entweder gerne mitgemacht haben oder sich Vorteile erhofft haben und nicht einmal mutig genug waren, nur zu den Blockflöten zu gehen.

lg
Dimple, es macht auch einen Unterschied, ob eine Partei die Nachfolge einer Verbrecher-Organisation antritt oder ein paar Mitläufer aufnimmt

Fritz Meyer
00
20.2.2012, 12:57
"Halb-Mitläufer"

Aha. Ist das so etwas wie "bisserl schwanger"?

Aber mit "Halb-Mitläufern" kennt ihr Bürgerlichen euch bestens aus. Nach '45 gab's davon schliesslich eine MENGE.

Zinnmo
 
01
22.2.2012, 17:23

In AT haben die Sozen weit mehr ehemalige Nazis geworben als die Schwarzen. Das gilt speziell - aber nicht nur - bei den Akademikern.

Wenn man im Glashaus sitzt...

Dimple
01
20.2.2012, 13:26
In .at haben alle Parteien die Mitläufer gesucht und gefunden

bis auf die VdU (die hat sich auf die Täter spezialisiert).

Was Ihnen aber entgangen ist: Der Widerstand kam aus zwei Gruppen: Den Kommunisten und den Christen (v.a. den Katholiken). Und zweitere waren v.a. "Bürgerliche".

Aber ich kann es auch anders formulieren:
Die Linke ist die Nachfolgepartei der SED und wollte sich auch deren gestohlenen Reichtum unter den Nagel reissen. Und ich lehne die Nachfolge-Partei der die Diktatur tragenden Partei als Demokrat von ganzen Herzen ab.

lg
Dimple, ich lehne auch die ital. Neofaschisten ab und die Ablehnung der Diktatur ist auch der Grund gewesen, dass sich die ÖVP neu gegründet hat und nicht als Nachfolge der Christl. Sozialen/Vaterländischen Front antrat

Fritz Meyer
00
20.2.2012, 13:47
Komisch, dass Du dann keinerlei Probleme damit hast...

dass CDU und FDP die Blockparteien assimiliert haben.

Dimple
01
20.2.2012, 14:14
Sie verstehen den Unterschied nicht

Einerseits: Assozierte Gruppen, MitläuferInnen
Andererseits: Nachfolgeorganisation

Wenn man (als Analogie und nicht als Gleichsetzung der Regime und Taten der Regime) das vergleicht, dann hat man
Einerseits: Reitergruppen, BdM, Hitlerjugend, hohe Mitgliedsnummer bei der Nazi-Partei
Andererseits: Eine ungebrochene Fortsetzung der Nazi-Partei mit deren Kader und Verwaltern unter dem Vesuch, sich sogar das (gestohlene und dem Staat gehörende) "Partei"vermögen zu unterschlagen.

lg
Dimple, verstehen Sie den Unterschied zwischen Mitläufer-Organisationen und der Fortsetzung der Täter-Partei?

gensfleischs_erbe
17
20.2.2012, 05:46
Die Ausgrenzung "der Linken" ist nicht instinktlos, sondern nur normal

1. Es gibt keinen Konsenskandidaten zw. Union und "der Linken", also wäre es nur Zeitverschwendung.
2. Warum sollte Merkel "der Linken" eine Bühne geben? Sie braucht "die Linke" nicht, die SPD und die FDP schon, und die SPD braucht die Grünen.
3. Ein Spaltung der Gesellschaft wegen Wulff gibt es nicht, dafür ist das Amt und die Person zu unbedeutend. Also gibt es nichts zu überbrücken.
4. Wenn man jetzt mal an die nächste Wahl denkt, gibt es realistisch 2 Alternativen: Große Koalition oder Rot-Grün. Sowohl die Person Gauck, als auch die Einigung der vertretenen Parteien, ohne "die Linke", ist ein klares Signal gegen Rot-Rot-Grün. Und genau deshalb hat die Merkel Gauck auch akzeptiert.

Johannes99
01
20.2.2012, 07:59
"Schließlich haben 860.000 die FPÖ gewählt"

ist genauso kein Argument wie bei den Linken in Deutschland. Dass der Spindelegger im Alleingang dem Strache Honig ums Maul schmierte wegen einer Verfassungsmehrheit ist poitisch instinktlos gewesen und hat ihn aufgewertet.
Alle 4 Punkte von gensfleisch sind logisch und nachvollziehbar - Angela Merkel ist halt dich die professionellere Politikerin ...

noirc80
01
20.2.2012, 02:19
"Freitag, 17. Februar 2012 Wird der Stasi-Begünstigte Joachim Gauck neuer Bundespräsident?"

http://juergenmeyer.blogger.de/stories/2004089/

"Der Stasi-Begünstigte Joachim Gauck ( Zitat des ehemaligen CDU Innenministers Peter-Michael Diestel) wäre eine schlechte Wahl fürs Land.
Nicht weil er eine damalige Nähe zur Stasi der DDR hatte und mit Stasi-Offizieren verhandelt hatte, sondern weil viele Linke mit gleicher Vergangenheit diskriminiert und aus dem Öffentlichen Diens verbannt wurden, während Mitarbeiter der Stasi mit damaligen CDU Parteibuch oder aus Kirchenkreisen nicht entsprechend ausgrenzend behandelt wurden."

Tom93
01
20.2.2012, 01:47
gerade die linke und die fdj-kanzlerin hätten manches gemeinsam!

zum beispiel die gemeinsam durchlebte jugend in den sed-jugenorganisationen. aber es sind ja weniger die ex-sed-pds-mitglieder, die cdu/spd/fdp/grüne noch aufregen. die sind ja eh so kreuzbrav und domestiziert, wie man es sich nur wünschen kann und werden von der journaille und der polit. konkurrenz als "reformer" verhätschelt und abgefeiert.

viel schlimmer für die von cdu bis zu den grünen reichende gauck-koalition sind leute wie lafontaine. denn die wagen es tatsächlich kritik am wirtschafssystem zu üben, und das geht diesen angeblichen "freiheitsfreunden" nun wirklich zu weit. denn das ist, wie gauck das ausgedrückt hat einfach "albern".

Kontra
01
19.2.2012, 22:26

Wer zu spät kommt....
Pech für Fr. Baumann

x aeins
00
19.2.2012, 21:49

klingt nicht ganz logisch. Wenn CDU und Linke ohnehin keinen gemeinsamen Kandidaten hätten finden können, wären Gespräche doch leere Kilometer gewesen - oder?

MiFi
105
19.2.2012, 20:05
Ad Linke in DE

Die sollen endlich einmal in einer westlichen Demokratie ankommen - schlimm, dass diese Schmuddelkinder so viele sind

Sarah L.
 
23
20.2.2012, 01:11

was ist an der linken undemokratisch? - oder ist das nur so dahergeplappert ...

F S 4: The science channel
00
20.2.2012, 11:05

Sie sind genauso "undemokratisch" wie die FPÖ: Nämlich als demokratische Parteien etabliert, das kann man ihnen nicht streitig machen, und trotzdem der traurige Rest zweier Unrechtsregime.

masterpiece
01
20.2.2012, 07:56
man könnte es dahingehend kommentieren dass " Die Linke" sich bis dato noch immer nicht in ihren statuten zur freiheitlichen demokratischen grundordnung bekennt( als einzige parlamentspartei in deutschland im übrigen).

auch der umstand dass sowohl fr. wagenknecht als auch fr.lötzsch schwärmen noch immer gerne vom "Kommunistischen Manifest"-verfasst von K.Marx-in dem eine diktatur explizit als basis für eine kommunistische gesellschaftsordnung manifestiert wird.wie sie dies interpretieren ist natürlich ihr exklusives recht, de facto ist dies aber undemokratisch.

Sarah L.
 
00
20.2.2012, 10:18
"manifest und diktatur ..."

"wie sie dies interpretieren ist natürlich ihr exklusives recht ..."
nein, ist es nicht. denn man sollte sich schon an die bedeutung der modellsprache halten. sonst bekommt man ein semantisches problem. es sei denn, man will ganz bewußt falsch interpretieren (oder: diffamieren).
wie meist auch hier, in diesem sehr bekannten "problem" der "diktatur (des proletariats)".

masterpiece
00
20.2.2012, 10:40
sehen sie, genau auf die semantik des begriffs " diktatur" bezog ich mich ja. "die linke" in deutschland hat-ich wiederhole mich- in ihren statuten noch immer keinerlei bekenntnis zur freiheitlichen -demokratischen grundordnung abgegeben .

das sind fakten!und nochmals wie SIE dies persönlich interpretieren bleibt ihnen vorbehalten und ist im grunde auch nicht wirklich relevant.fakt bleibt dass "die linke" in deutschland-wie der poster MiFi postete-noch lange nicht in der demokratie wie wir sie empirisch definieren angekommen ist.was sie davon halten ist etwa so interessant wie die wasserstandsmeldung aus dem sinai denn es ändert weder an den fakten und realitäten etwas.fr.lötzsch bekennt sich zum kommunismus-http://www.dradio.de/dkultur/s... /1359026/- und dieser ist per definition(egal welcher abspaltung-leninismus oder marxismus oder marxismus)undemokratisch-sowohl in der politischen philosophie als auch in der theorie.

Sarah L.
 
00
20.2.2012, 11:46

was in den statuten der Linken steht, weiß ich nicht - und was sie an irgendwelchen unterschriften hindert, weiß ich auch nicht.
in meinem posting wollte ich allerdings schon hinweisen, dass in der marx´schen terminologie der begriff der "diktatur" anders, als er gemeinhin verstanden wird, gefasst ist. in seinem modell der klassenherrschaft erscheint der begriff der diktatur nicht als "politische forderung", sondern als selbstverständliches ergebnis der analyse. das zu würdigen verlangt einfach (wissenschaftliche) redlichkeit. hier zu dilettieren führt nur zu endlosen und sinnlosen debatten.

x aeins
00
20.2.2012, 10:37

interessanter Einwand. Aber: hat nicht "Diktatur" jedenfalls eine Grundbedeutung
http://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur
egal, ob das Ziel eine Aufwertung irgendwelchen "Volkstums", oder des "Proletariers" ist?

Ja, dürfen's denn das ?
00
20.2.2012, 05:49
was ist an der linken undemokratisch ?

Fr. Baumann hat übersehen, dass es in Deutschland mittlerweile 2 oppostionelle Linksparteien gibt.

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