Staatsoper

Belcanto der Erleichterung

19. Februar 2012, 19:13

Donizettis "Liebestrank" an der Wiener Staatsoper mit Tenor Rolando Villazón

Wien - Beschwingt verlässt man gemeinhin eine Vorstellung von Gaetano Donizettis L'elisir d'amore - diesmal fügte sich indes zur Heiterkeit auch ein Hauch der Erleichterung. Der Tenor des Abends, Rolando Villazón, hat nach Höhenflügen ja auch einiges an Zwangspausen, Absagen und fragilen Auftritten hinter sich. Da darf, sofern sein Besuch ansteht, ein wenig mitgezittert werden.

Villazón, in seiner Wiener Paraderolle als Nemorino, allerdings wirkt sehr stabil. Unüberhörbar ist der sorgfältige Umgang mit den lyrisch angelegten Linien, die von samtigem Klang getragen werden. Da waren kaum Anstrengung und Kraft verschwendende Übertreibungen zu hören (nur in den Tiefen gab es kleine Grobheiten). Und zur respektablen vokalen Performance kam auch Villazóns humoristisches Theatertalent mit seinen irrwitzig virtuosen Beigaben hinzu (den Gesang begleitendes Jonglieren mit Orangen etwa).

Sehr sympathisch alles; da die Staatsoper um Villazón herum dann auch so einiges an vokaler und humoristischer Kraft aufbieten konnte, wurde es somit ein runder Belcanto-Abend. Vor allem Sylvia Schwartz (als Adina) demonstrierte, wie aus vokaler Sicherheit Klarheit und Intensität herauszuentwickeln sind. Bemerkenswert auch der Kurzeinsatz von Ileana Tonca (als Giannetta); die soliden Herren (Nicola Alaimo als Belcore und Alfred Sramek als Dulcamara) punkteten vor allem an der Heiterkeitsfront.

Passabel auch das Wiener Staatsopernorchester unter dem engagierten, nur manchmal etwas überengagierten Guillermo García Calvo.  (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)

21. 2., 20.00

Kommentar posten
14 Postings
B Taylor
02
21.2.2012, 14:58
nicht erleichtert

Also, ich war nicht erleichtert. Ich war in der Vorstellung am Samstag und habe Mitleid mit dem Sänger gehabt. Wie einige schon erwähnt haben, bleibt Villazons schauspielerische Kunst erhalten. Die Stimme aber ist einfach nicht mehr besonders gut. Der große Applaus war, wie so oft in Wien (und es ist auch recht so), für vergangene Leistungen und nicht für die Leistung am Abend selbst. Hätte er Rolando XY geheißen, wäre der Applaus sicher lauwarm gewesen, da die Darbietung selbst nicht mehr verdient hat.
Ich habe nachher mit einem Orchestermitglied gesprochen, er hat mir erzählt, die Musiker haben gefurchtet, Villazon müsse aufgeben. Also, absolut kein Grund, erleichtert zu sein.

Und übrigens, das waren Äpfel, nicht Orangen....

B Taylor
01
21.2.2012, 22:46
und noch etwas...

die Stimme von Sylvia Schwartz ist einfach viel zu klein für ein so großes Haus wie die Wiener Staatsoper. Es mag sein, dass in den besten Plätzen 'Klarheit und Intensität' vorhanden waren, oben in der Galerie aber war nichts davon zu spüren.

Und was, bitte schön, war bemerkenswert an dem Kurzeinsatz von Illeana Tonca als Giannetta?? Nichts gegen Tonca - die Rolle ist einfach winzig und daher kaum bemerkenswert.

a grinch in the matrix
00
21.2.2012, 13:21

muss man elisir d'amore wirklich jahrzehnte lang als zucker für die affen darbieten?

Antagonist1
00
22.2.2012, 12:31
WIE DIES?

Woraus entnehmen Sie, dass sich die Vorstellung an Sie und Ihre Gier nach Süßem wandte?

20111
00
23.2.2012, 14:21
Aber sie waren doch drinn?!?

Antagonist1
00
23.2.2012, 14:44
Die Pointe,

die Sie nun anbringen wollen, fand zuvor schon ihren Weg in den Thread - versuchen Sie doch etwas Eigenständiges....

20111
00
23.2.2012, 20:08
stimmt

aber besser, eine alte Pointe als ein Posting von Ihnen

Antagonist1
10
24.2.2012, 00:16
Die Pointe

war aber, auch wenn Sie sie nicht verstanden oder erkannt haben sollten, von mir - "a grinch in the matrix" gegenüber! Aber nicht aufgeben, bester 0815, Sie werden es schon noch schaffen...

20111
00
24.2.2012, 15:53
Wer hat da wen nicht verstanden?

Übrigens, haben waren Sie drinn?
Ich glaube, sie posten mehr hier rum, als dass sie sich überhaupt etwas ansehen (können).

fortunata
02
20.2.2012, 14:59
Leider war es nicht ganz so....

denn Villazon hatte hörbare Probleme und schien sich selbst über den Jubel nach "Una furtiva lagrima" zu wundern. Seine Gesamtgestaltung dieser Partie ist zwar nach wie vor einzigartig, aber der Glanz und die Kraft vergangener Zeiten sind leider dahin. Nach seinem famosen Hoffmann in München waren vielleicht auch die Erwartungen zu hoch.

Marcel Baum
02
20.2.2012, 17:12
Als ich im August 2010

Villazon einen Fachwechsel vorschlug
http://derstandard.at/128182929... mperaments
wurde ich hier geprügelt.
Nun weist es sich, dass er mit Hoffmann Erfolg hat und seine Zeiten als Belcantist Vergangenheit sind .

Aber bitte, vom Zuhören allein kann man die Evolution einer Stimme eben nicht so beurteilen, dazu muß man schon selber Geräusche produziert haben.

Christian Oberndorfer
14
20.2.2012, 08:27

ah, da der rezensiert dürfte mit seinem mantel auch seine ohren an der garderobe abgegeben haben.

Antagonist1
21
20.2.2012, 21:05
NEUROTH

würde da auch nicht mehr helfen.....

trace route
11
20.2.2012, 01:35
Bravo!

Freue mich für Villazon, dass er wieder samtweich und "da" ist ;-)

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