Fasching für Misanthropen

Einserkastl |

Ein aktives Sozialleben und viele "gute Bekannte" können laut Studie richtig schädlich sein

Mit der ihm eigenen, zwänglerischen Fröhlichkeit wankt der Fasching dem Höhepunkt zu.

"Jö schau! Is' des a liabs Kostüm!" "Ui, der Fritzi hat gar keins braucht, der geht als Hängebauchschwein!" "Ha ha, wir ham uns eh lieb, und an super Schmäh dazua." "Trink no was und gib ma a Busserl!" "Lei lei! Gluck, gluck, olé! Ga ga!" Lustig kann sehr anstrengend sein.

Wer bei drei nicht gute Laune hat, macht sich verdächtig. Kein Wunder, dass mancher bei derart dick aufgetragener Geselligkeit zum Menschenfeind mutiert. Dass dies wirksamer Selbstschutz ist, bestätigt nun die Wissenschaft.

Möglichst viele Freunde zu haben, sich mit Gusto dem Tratsch mit seinen Untiefen zu widmen und auch sonst nix anbrennen zu lassen, das soll laut einer Studie der Uni Los Angeles zu Dauerstress führen. Ein hoch aktives Sozialleben (was doch allgemein als Zeichen sozialer "Gesundheit" gilt) und viele "gute Bekannte" können demnach richtig schädlich sein.

Bei etlichen Teilnehmern der Studie, so Leiterin Jessica Chiang, sei es zu bedenklichen Immunreaktionen mit massiver Ausscheidung von Cytokinen gekommen - entzündungsfördernden Proteinen, deren Auftreten mit Arteriosklerose, Bluthochdruck und Diabetes in Verbindung gebracht wird.

Wer also maskenhafte Dauerlustigkeit in großer Runde meidet, tut sich effektiv nur Gutes. Womit erwiesen sein dürfte, dass, wer viele Freunde hat, keine Feinde mehr braucht. Lei lei! (DER STANDARD; Printausgabe, 20.2.2012)

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20 Postings

Seltsamer Beitrag, und nicht korrekt noch dazu. Welche Zytokine werden in der ominösen Studie erwähnt? Manche davon werden z. B. für die Therapie der Multiplen Sklerose verwendet oder in der Krebstherapie eingesetzt. Nach der Logik dieses Beitrags müsste Fasching also eine heilsame Wirkung für MS - Patienten und Krebskranke haben.

bitte wo gibts diese studie zum nachlesen? habe trotz recherche nichts gefunden. würde mich sehr interessieren, da ich diesen standpunkt immer schon vertreten hab. bitte um link! danke

kann ihr bauchgefühl nur bestätigen

einfach seine ruhe haben zu können, ist nach einem langen arbeitstag das allerwichtigste! zu viel gute miene zum smalltalkspiel macht verrückt. dass so manche(r) beinahe täglich auf irgendein event rennt, nur um "dabei" zu sein, kann nur mit einem mangelnden bedürfnis nach tiefgang, der angst vor dem alleinsein oder einem zwanghaften drang nach dem rampenlicht erklärt werden. die immer-gut-drauf-typen müssen irgendwann ins emotionale loch, in eine art soziales burnout fallen.

das militante postive thinking ist mir jedenfalls suspekt, der fasching generell blunzen ...

Alan is net lustig !

I tua mi als Kauboi verkleiden und die Oide als Brindsessin ...

Karneval: Gemeinsam einsam.

"zwänglerische Fröhlichkeit" :))

Lieber schizophren

als ganz allein.

Eine Lanze für den Gschnas

Mir tut es leid, dass sich heute so viele zu gut sind, um bei einem Gschnas mitzumachen. Es finden auch nur mehr relativ wenige statt. Das ist für mich immer das einzig wirklich Nette am Fasching gewesen.

Die Zwangsbelustigungen à la Villacher Fasching find ich auch nur zum Davonlaufen.

Aber ab und zu in eine andere Rolle zu schlüpfen und von niemandem erkannt zu werden, das hat was. Da hatten unsere Altvorderen schon recht.

Mir scheint, langsam ist die Welt nur mehr voller Streber und Verkrampfter.

PS:"Ab und zu in eine andere Rolle zu schlüpfen und von niemandem erkannt zu werden, das hat was."

Das geschieht m.E. praktisch jeden Tag. Vielleicht will deshalb keiner mehr Fasching feiern.

Tja, das ist wohl das Problem.

Zu viele sind heutzutage zu feig, um am Arbeitsplatz sie selbst zu sein. Und wenn es so viele sind, dann ist es für einzelne Mutigere schwer, dagegenzuhalten.

Bei mir in der Arbeit sind die Jungen die Allerfeigsten und Angepasstesten, übrigens. Was erschreckend ist.

Selbstbestimmtes Leben schaut anders aus. Da helfen auch keine 983 Facebook-"Freunde".

Schimpf ned, sondern geh einfach auf Dein Gschnas und hab an Spass. Sonst bist selbst einer von denen, über die du schimpfst.

einmal im jahr

um mich von der tatsache zu überzeugen zu lassen, gebe ich mir eine solche veranstaltung einmal im jahr und das ist nicht immer unterhaltsam. abgesehen davon, dass viele leute das voll ernst nehmen, fliegen die witze und sketches manchmal so tief, dass es wiederum zum weinen ist. dazu brauche ich keinen fasching - und um mich zu verkleiden schon gar nicht

"um mich zu verkleiden schon gar nicht"

das denke ich mir auch manchmal, wenn ich zb. über die mariahilferstraße gehe. viele kleiden sich heute so, daß es fast schon einer verkleidung gleichkommt.

Alleinesein ist die beste Gesellschaft.

Was ich immer schon im Magen spürte, steht nun schwarz auf weiß bewiesen:

http://www.pnas.org/content/e... 9.abstract

http://taylorlab.psych.ucla.edu/2012_Nega... tokine.pdf

Ob das Zitat der Publikation nun als höflicherer Weg geeignet ist, unwillkommener Gesellschaft ihre Notwendigkeit und Akzeptanz verständlich zu machen?

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

na das wird jetzt aber die ganzen einsamen wölfe des standard-forums unglaublich freuen - selbstverständlich aber nicht herzlich, sondern wie immer nur zynisch.

naja

woelfe sind extrem sozial, und der einsame wolf ein todgeweither ausgestossener, daher wohl nicht der passende vergleich. mag sein das der eine oder andere ein einsidlerischer baer ist aber auch davon ist eher nicht auszugehen.
fakt ist das ein gutes buch immer noch besser ist als ein gespraech in dummer gesellschaft. Orson Wels brachte es auf den punkt:Viele Menschen sind zu gut erzogen, um mit vollem Mund zu sprechen; aber sie haben keine Bedenken, dies mit leerem Kopf zu tun.
daher suche ich mir die leute mit bedacht aus, welche die verstehen was wichtig ist in der welt. und viel alkohol und selbstverleugnung gehoeren eben nicht dazu.

Wie kommen Sie darauf?

Dr. Heinz Anderle, Deixfiguren in Büchern schätzender Freigeist

Ein Hoch auf die selektive Geselligkeit, aber der zweite Absatz war doch a bissl plump.

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