Fasching für Misanthropen

Einserkastl |

Ein aktives Sozialleben und viele "gute Bekannte" können laut Studie richtig schädlich sein

Mit der ihm eigenen, zwänglerischen Fröhlichkeit wankt der Fasching dem Höhepunkt zu.

"Jö schau! Is' des a liabs Kostüm!" "Ui, der Fritzi hat gar keins braucht, der geht als Hängebauchschwein!" "Ha ha, wir ham uns eh lieb, und an super Schmäh dazua." "Trink no was und gib ma a Busserl!" "Lei lei! Gluck, gluck, olé! Ga ga!" Lustig kann sehr anstrengend sein.

Wer bei drei nicht gute Laune hat, macht sich verdächtig. Kein Wunder, dass mancher bei derart dick aufgetragener Geselligkeit zum Menschenfeind mutiert. Dass dies wirksamer Selbstschutz ist, bestätigt nun die Wissenschaft.

Möglichst viele Freunde zu haben, sich mit Gusto dem Tratsch mit seinen Untiefen zu widmen und auch sonst nix anbrennen zu lassen, das soll laut einer Studie der Uni Los Angeles zu Dauerstress führen. Ein hoch aktives Sozialleben (was doch allgemein als Zeichen sozialer "Gesundheit" gilt) und viele "gute Bekannte" können demnach richtig schädlich sein.

Bei etlichen Teilnehmern der Studie, so Leiterin Jessica Chiang, sei es zu bedenklichen Immunreaktionen mit massiver Ausscheidung von Cytokinen gekommen - entzündungsfördernden Proteinen, deren Auftreten mit Arteriosklerose, Bluthochdruck und Diabetes in Verbindung gebracht wird.

Wer also maskenhafte Dauerlustigkeit in großer Runde meidet, tut sich effektiv nur Gutes. Womit erwiesen sein dürfte, dass, wer viele Freunde hat, keine Feinde mehr braucht. Lei lei! (DER STANDARD; Printausgabe, 20.2.2012)

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