Auf eigene Gefahr

Kommentar |

Die Magie der Berge liegt (auch) darin, dass stets situationsbezogen entschieden werden muss

Es gibt zu Unfallanalysen eine These: Je größer die Distanz zwischen Beobachter und Unglück ist, desto absoluter und pauschaler fällt das Urteil darüber aus.

Der Lawinenunfall von Prinz Johan Friso bestätigt das. Während sich Experten hüten, mit dem Zeigefinger zu fuchteln oder gar pauschale Schlüsse zu ziehen, schlug die Stunde der Flachlandanalytiker, die Schnee und Berg nur vom Pistenrutschen kennen. Umgehend erklärten sie für unverantwortlich, wer jetzt ins Gelände fährt. Pauschal. Sie wissen auch Abhilfe: das Betreten des "freien Skiraums" verbieten. Problem benannt - Problem gelöst.
Dass das mannshohe Gitterzäune am Pistenrand (und das Ende der "Wegfreiheit", des Rechts aufs Wandern) bedeuten würde, sei nur am Rande erwähnt.

Spannender ist der zweite Blick auf diese Sehnsucht nach Schutz durch Fremdbestimmung: Die Magie der Berge liegt (auch) darin, dass stets situationsbezogen entschieden werden muss. Weil jede Handlung unmittelbare Folgen hat: gute wie schlechte - mitunter unvorhersehbare.

Wo der Alltag aber auf Absicherung und Fangnetzen basiert, kann so etwas Angst machen. Davor, Verantwortung nicht delegieren zu können. Davor, für das eigene Tun einstehen zu müssen. Und sei es bis zur letzten Konsequenz.

Sicher: Darauf zu setzen, dass da immer einer ist, der sagt "Wir holen dich da raus", hat etwas: Es ist bequem - hat aber auch einen Haken: Es stimmt nämlich nicht. (DER STANDARD; Printausgabe, 20.2.2012)

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In Berichten über Unglücksfälle abseits gesicherter Pisten kommt (neuerdings?) fast immer der Hinweis "Die Staatsanwaltschaft ermittelt". Das ist anscheinend ein Automatismus, aber bei Kommentaren, die das Recht auf Freiheit, Selbstbestimmung, "Betreten des 'freien Skiraums'" etc. hochhalten, vermisse ich, dass man sich die Einmischung der Staatsanwaltschaft verbittet.
Falls das mit der Selbstbestimmung aufgrund Verkettung unberechenbarer Umstände nicht ganz geklappt hat, muss halt der Staatsanwalt Ermittlungen aufnehmen, wer schuld an dem Unglück abseits gesicherter Pisten hat?
Das passt nicht zusammen.

seh ihr Problem nicht. Sie eröffnen ein Geschäft (= Risiko). Sie gehen pleite, Staatsanwalt wird nur dann tätig, wenn Fahrlässigkeit vorliegen könnte. So what?

fortsetzung - verantwortungslosigkeit

dass es trotz der warnungen viele teils ahnungslose und (nicht entschuldbar) sich der gefahr bewusste alleine und ohne lvs in kritische hänge begeben, ist natürlich skandalös. dass sie damit eventuell andere gefährden, ein wahnsinn.

zum skiführen in lech darf ich einen skilehrer zitieren, der am arlberg tätig war, es aber aufgab: er hielt den druck der gäste nicht mehr aus, die immer die ersten sein wollten in einem unberührten hang. verweigerte er eine abfahrt in einen gefährlichen hang, ein anderer skiführer jedoch nicht und kam der andere unbeschadet hinunter, dann war der andere der coole held und er selbst der depp. den gästen war weder die gefahr bewusst, noch das hohe haftungsrisiko des bergführers.

fortsetzung - eigenverantwortung

nachdem die lawinensituation lokal, dh in jedem hang anders sein kann, als die großräumig ausgerichteten lawinen-warnberichte. muss jeder selbst verantwortung übernehmen.

die entsprechende ausrüstung ist das eine, mut zur umkehr das andere. niemand, der ein bisschen eine ahnung von lawinen hat, wird freiwillig verschüttet werden wollen. die kolportierte "mich-holt-man-eh-raus"-mentalität ist ein mediales hirngespinst.

die retter werden sich nicht unnötig in gefahr bringen, auch wenn sie häufig gefährdet sind. dass deren kosten vom opfer ersetzt werden, ist selbstverständlich gängige praxis. mich wundert, dass das viele nicht wissen.

weil ich grad im zillertal war letzte woche ...

wie bekannt sein dürfte, lag die lawinenwarnstufe auf 4. der liftbetrieb startete verspätet, da noch einige lawinen abgesprengt werden mussten. einige pisten, zb die harakiri, die steilste präparierte piste österreichs blieben gesperrt. im lokalen tv und bei jeder infotafeln blinkten die alarmlampen. die betreiber haben also alles menschenmögliche getan.

im bereich der harakiri war innerhalb eines tages jeder hang abseits der pisten verspurt. lokal war die lawinensituation also nicht so dramatisch, wie zb in hintertux oder finkenberg, wo es einige verschüttete gab. andererseits ging nicht weit von der harakiri, bei der 150er-bahn 3 tage zuvor bei stufe 2 zwei eine ordentliche grundlawine ab.

jeder muss selbst verantwortung übernehmen.

Es kann nur über Eigenverantwortung funktionieren.

Meiner Meinung nach kann es nur mit Eigenverantwortung funktionieren.

In diesem Fall: die niederländische, königliche Familie macht seit Jahrzehnten Winterurlaub in Lech.
Es ist wohl anzunehmen, dass dem Prinz die Gefahren der Berge klar waren.

Das Problem sehe ich vielmehr darin, dass touristisch die "vollabgesicherte" Abenteuerwelt vermarktet wird.

Aberteuer und Spass pur und ohne Ende.

Von Risiko und Gefahr, keine Rede.
Kein Wort !

also ich glaube,

dass die schiführer vor allem in lech sehr wohl immer wieder auf die gefahr hinweisen.
und ein excellenter schifahrer wie der besagte "prinz" sich derer auch bewußt war.

(Lust)Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren - soziale Marktwirtschaft eben

Nein der Tourengeher darf sich keinen Verboten beugen, weil das wäre ein Eingriff in seine "Freiheit" wenn er aber unter die Lawiene kommt ist es selbstverständliche Pflicht der Gesellschaft ihn zu retten und natürlich dann auch wenn nötig bis ans Lebensende zu pflegen.

Nein entweder nimmt man Liestungen der Gesellschaft in Anspruch und beugt sich dann auch deren Verboten oder man rettet sich selbst.

Alles andere ist nur (kleine) Spielart des gliech was wir den Banken jeden Tag vorwerfen: Gewinne privatisieren Verluste Sozialisieren.

Wahrscheinlich ist das zu wenig bekannt,

aber die Bergekosten werden selbstverständlich verrechnet. Wer nicht versichert ist, muss selbst bezahlen. Eine Hubschrauberbergung kann da ziemlich ruinös sein.

Es ist daher unverantwortlich, unversichert in die Berge zu gehen, egal ob Sommer oder Winter.

Auf der anderen Seite werden in den Medien die Unfälle im freien Gelände breitgetreten, während die zahlreichen und oft folgeschweren Pistenunfälle nur selten ein entsprechendes mediales Gewicht bekommen.

Das mag wohl auch daran liegen, dass die Liftbetreiber Interesse daran haben, die immer zahlreicheren Tourengeher, die auf teure Liftkarten verzichten, wieder auf die lukrativere Piste bringen.

Ganz ridhtig! Wr sich in Gefahr abegibt sollte sich absichern durch eine Zusatzversicherung

die Helikopter und Suchmannschaften abdeckt.

sorry, x-posting...

meine lieben couch potatoes...
... die ihr euch beschwert dass extremsportler auf euren tasche herumliegen wenn ihnen was passiert?

ganz ernst? wer kostet unserem system mehr, der anti-sportler, der mit 40 den ersten bandscheibenvorfall hat, mit 50 diabetiker wird, und dann mit 85 nach 10 jährigem krebsleiden stirbt, oder der extremsportler der sich in voller blüte, nach braven arbeitsjahren mit 35 kosteneffektiv eliminiert.

also, mich mit meinen skiern, paragleitern, mountainbikes und fallschirmen bitte nicht anmaulen, wenn ihr nicht wollt dass ihr mit eurer leberkässemmel undm bier vorm billa angemault werdet.

das ist ein freies land, jeder hat die freie wahl der waffen mit denen er sich umbringen will.... und das ist auch gut so!

Der Extrem-Sportler kostet uns viel mehr

weil den Bandscheibenvorfall mit 40 kriegt der sowieso, bis dorthin hat er aber noch zig Knieoperationen, Beinbrüche und was weiß ich noch hinter sich.

Waren´s schonmal in einer Rehaklinik?

Also von 140 Patienten im Jänner, hatten wir 10 mit einer Sportverletzung anzubieten. 1 Extremsportler, 9 Hobbysportler, 1 betrunkener Jugendlicher der im Suff von einem Auto angefahren wurde, und ansonsten Übergewichtige mit Gelenksproblemen, Gesunde die der PVA Krankheit vorspielen um früher in Pension gehen zu können oder länger Arbeitslosengeld beziehen zu können,....

Ich glaub die Extremsportler sind unser geringstes Problem, zumal die meisten echten Extremsportler zusatzversichert sind.

aber

welcher Extremsport ?

der anti-sportler, der mit 40 den ersten bandscheibenvorfall hat

Das ist ein verzerrtes Bild. Gerade Sportler erleiden oft Unfälle und Schäden durch die Belastung :

Angefangen von Knochenbrüchen beim Schifahren bis hin zu schweren Bandscheibenschäden von Marathonläufern.

Gesunde Bewegung und Sport sind oft nicht dasselbe !

richtig, das war etwas überzeichnet dargestellt.

ich will ja nur darauf hinweisen, dass ein extremsport-bashing sehr leicht von der hand geht, eben auch aufgrund der tatsache dass es eben extremsport ist, und sich daher auch in den medien gut verkauft lässt, verglichen mit dem schaden den diese kleine gruppe anrichtet.

ich will nun auch noch hinzufügen...
wenn nun die rede ist von den hohen berge und rettungskosten, wird komplett vernachlässigt, dass die löwenanteil eben dieser kosten durch unversicherte gelegenheitskifahrer entstehet, die sich 2 mal im jahr auf die ski stellen, sich dann bei normalen bedingungen auf präparierter piste die füße brechen und mit dem heli abtransportiert werden, ist natürlich medial uninteressant...
von den apres ski verletzen gar nicht zu sprechen..

Verantwortung nur Selbst-?

ist schon okay so: freiheit muss sein und bleiben. schön. aber die freiheit des einen hat immer schon dort geendet, wo der andere in gefahr oder zu schaden kommt. in diesem fall sind die anderen die rettungsmannschaften. die müssen dann auch ins gefährdete gebiet ... oder halt, je nach lust und laune derer, die sich die freiheiten nehmen, in die wand oder zur suchaktion bei nacht und nebel, bei erheblicher gefahr für das eigene leben.

wo hört die verantwortung auf, nur für sich selbst zu sein?

bei nacht und nebel gehen idr keine rettungsmannschaften raus.

lieb wenn die ahnungslosesten am lautesten schreien.

Das heißt dann, dass ich abseits des gesicherten Skiraumes nicht unterwegs sein darf. Da das Skitourengehen auf den Pisten auch heftig umstritten ist, bleibt als einzige alternative ein Liftticket kauffen und die "Autobahnen" runter gurken.
Und es gibt in ganz Österreich keinen Bergretter und/oder Alpinpolizisten der nicht selber privat in den Bergen unterwegs ist. Und passieren kann immer etwas, egal wo.

wer bitte hat gesagt dasss dort neimand mehr fahren soll, haben sie dafür auch irgendwelche nachweise???

ich finde ja nur, dass jemand der abseitz der pisten verunglückt, und nebenbei noch milloinär oder sogar milliardär ist, selber dafür aufkommen muss...

also für den rettungseinsatz, krankenhaus etc.

ich sehe nicht ein wieso die gesellschaft einen risikobereiten millionär "haushalten" soll...

wenn ich mit sommerreifen auf glatteis einen unfall bau, dann steigt meine versicherung ja auch aus.....

wer nicht versichert ist muss sowieso selbst für die bergrettung aufkommen.

lächerlich, diese gekünstelte empörung von irgendwelchen couchpotatoes.

hier gibts zum beispiel einige wortmeldungen, die nur von leuten kommen können, die den großraum wien noch nie verlassen haben:
http://derstandard.at/132850815... t-sperrbar

hast gleich mehrere Denkfehler
- nur wer auf präparierter Piste fährt, fährt legitim, Bewegung ausserhalb umzäunten Geländes sei immer fahrlässig
- alle Illegitimen sollen sich Unfälle selbst bezahlen
- haben sie Geld, dann erst recht, wenn nicht, dann was?

nein eben nicht fahrlässig, aber auf eigene verantwortung!

1. ich gebe zu das ist korrekt, man müsste natürlich zuerst genau deffinieren was erlaubt ist und was nicht!

2. natürlich, nennen sie mir eine versicherung bei der sie den versicherungsschutz nicht verlieren wenn sie gegen die bestimmungen verstoßen!?
--> das bedeutet ja nciht, dass ich den betroffenen nicht rette und versorge, er muss halt nur danach selber dafür aufkommen, bzw. in teilen (genauso wie auto ohne winterreifen eben..erhöhte risikobereitschaft = MEHR RISIKO!!!!!!)

3. absolut korrekt. in zeiten wirtschaftlicher schwäche ist es völlig ok, REICHE!! menschen die durch erhöhte risikobereitschaft zu schaden kommen etwas mehr abzuknöpfen!
(immerhin können die sich auch besser schützen)

1: ist blödsinn. was willst du denn noch alles verbieten?

2: wer nicht versichert ist muss die bergrettung selbst zahlen.

3: das billige "reichen"-bashing zum schluß passt sehr gut zum rest dieses komischen postings.

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