Wien

Gewalt in Heimen: Externe Vertrauensperson für Kinder

19. Februar 2012, 18:20
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    foto: apa/neubauer

    Das ehemalige Kinderheim Schloss Wilheminenberg: Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen ehemalige Erzieher hat die Stadt Wien nun einen Ombudsmann für Heimkinder eingerichtet. Peter Sarto wird die Funktion übernehmen.

Wien bekommt am 1. März als erstes Bundesland eine eigene Ombudsstelle für Heimkinder

Wien - Zur Verhinderung von gewalttätigen oder sexuellen Übergriffen von Erziehern brauche es externe Vertrauenspersonen, denen Heimkinder ihre ersten Verdachtsmomente erzählen können. So lautet eine zentrale Erkenntnis der österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften aus den Vorfällen der Vergangenheit. Die MA11 für Jugend und Soziales in Wien hat darauf reagiert und mit 1. März eine Ombudsstelle für Kinder in sozialpädagogischen Wohnheimen, die von der Stadt betreut werden, geschaffen: Peter Sarto heißt der neue Ombudsmann bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien. Er wird Ansprechpartner für rund 1500 Kinder und Jugendliche sein, die derzeit in der Bundeshauptstadt nicht in ihren Familien leben. Diese Stelle ist die erste ihrer Art in Österreich.

Zwei Jahre ist es her, dass in Wien die ersten Misshandlungsvorwürfe in städtischen Kinder- und Jugendheimen bekannt wurden. Seitdem hat die Stadt zweimal den Entschädigungsfonds auf insgesamt 8,8 Millionen Euro aufgestockt. Mehr als 800 Personen haben sich bisher bei der Opferschutzstelle "Weißer Ring" gemeldet und von Gewalt- und Missbrauchserlebnissen in ihrer Heimzeit berichtet.

Auch in anderen Bundesländern angedacht

Dabei habe sich gezeigt, dass ein Grund, warum diese Übergriffe von Erziehern erst Jahrzehnte später publik wurden, war: Die minderjährigen Opfer hatten niemanden, dem sie sich anvertrauen konnten. "Daher haben wir uns für die Zukunft eine Ombudsperson gewünscht", erklärt Monika Pinterits, Leiterin der Kinder-und Jugendanwaltschaft Wien.

Auch in anderen Bundesländern wie etwa in Oberösterreich macht sich die Kinder- und Jugendanwaltschaft für eine derartige Ombudsstelle stark. Für Pinterits und ihre oberösterreichische Kollegin Christine Winkler-Kirchberger ist dies ein "notwendiger Schritt" (Winkler-Krichberger) in Richtung Prävention, denn eine externe Fachperson übe eine gewisse Kontrollfunktion aus. "Ein kritischer und im Sinne der Kinder parteilicher Blick von außen kann dabei unterstützen, strukturelle Gegebenheiten im Sinne der Kinder zu verbessern", meint Pinterits.

Persönlicher Kontakt wichtig

Bei Sarto können sich ab März Kinder beschweren, wenn sie das Gefühl haben, von Erziehern schlecht, ungerecht, lieblos oder würdelos behandelt worden zu sein. "Ich möchte, dass sich die Kinder in ihren Nöten und Ängsten wirklich ernst genommen fühlen. Es ist mir wichtig, dass sie über ihre Rechte Bescheid wissen und sie sich, wenn sie Hilfe benötigen, an mich wenden", betont der ausgebildete Erlebnispädagoge.

Voraussetzung, dass die Heimkinder sich dem Ombudsmann überhaupt anvertrauen, ist der persönliche Kontakt. So wird Sarto als Erstes die Einrichtungen in Wien besuchen. Folder, die über die neue Anlaufstelle informieren, sollen folgen. "Wir leisten Pionierarbeit", meint Pinterits. Angedacht seien auch Ombudssprechstunden in den Heimen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
Kadano
 
00
11.5.2012, 21:02
Peter Sarto

habe ich persönlich ein paar mal gesehen, und er machte auf mich einen außergewöhnlich engagierten und kompetenten Eindruck! Man merkt sofort, dass ihm das Wohl der Kinder das höchste Anliegen überhaupt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er je die "Struktur" über die Kinder stellen könnte!

Prostetnik Vogon Jeltz
01
22.2.2012, 22:03
Auch wenn hier viel Kritik gepostet wird:

Das ist eine ABSOLUTE VERBESSERUNG!!

Gegenüber der aktuellen "Lösung", dass in den WGs verpflichtend die Nummer von "Rat auf Draht" ausgehängt sein muss und die Kinder auf Verlangen dort anrufen dürfen.
Also, wenn ein Kind sich von der Betreuungsperson ungerecht behandelt fühlt darf es von eben dieser Person das Telefon verlangen und "147" wählen.

(Das ist KEIN Scherz.)

leaksmouse
 
00
16.4.2012, 16:11
Völliger SCHWACHSINN

Stadt Wien hat für StadtWienMA11 einen neuen Posten geschaffen aus den eigenen Reihen !!!

So einen Blödsinn hab ich noch nicht gehört, der Artikel ist für Dumme.

Es gibt viele Misssbraucsopfer die sind inden letzten 10 Jahren jedes Jahr als quasi Lügner fort geschickt worden.
Von der Fr. Pinterits MA11 und CO
und auch vom weisen Ring !!

Stadt Wien ist Stadt Wien genauso wie die Ombudsstelle.

Eventuell würde es was bringen wenn dies jedesmal wer anderer von der Volksanwaltschaft ist !

ALLES andere durch die ROTEN BEAMTEN von Wien bringt nix außer, zusätzliche STEUERBELASTUNG !

leaks for family law austria

Dagmar Rehak Wien
 
10
21.2.2012, 11:57

Extern ist was anderes.
Und es fehlt auch die Bereitschaft, gegen Erzieher, die sich strafbar machen, angemessen vorzugehen.
Anscheinend sollen sich die Kinder nur ausweinen, die Ombudsperson sagt: "Ich verstehe, dass du verzweifelt bist." und dann werden die Kinder wieder zurück geschickt und den Erziehern gesagt, dass sie sich in nächster Zeit ein bissl zurückhalten sollen. Und das alles genau deswegen, damit es eben KEINE angemessenen Schritte gibt.
Dampf-ablass-und-einlull-Stellen werden generell dafür geschaffen, damit es keine teuren Klagen gibt. Und das hier ist ein geradezu lehrbuchmäßiger Fall.

die naive
00
26.2.2012, 14:11

Häupl steht auch nicht zu seiner Verantwortung, er ist immerhin seid 1994 Bürgermeister.

zauck
 
00
20.2.2012, 21:38

geh bitte die esten übergriffe sind schon 1944 passiert. die frau karlson überprüfte in den jahren 72-74 ,, 34 heime einige heime bezeichnete sie als folterstätten, was natürlich auch den tatsachen entsprach.... in den 70ger jahren meldeten eltern von zöglinge das ihre kinder geschlagen und gedemütigt wurden keiner wollte es damals glauben..... jetzt wo langsam aber sicher der manten des schweigen fällt werden die schlauen hellhörig....

Quasis Herr Karl
13
20.2.2012, 16:42
Extern?

*gggg* Ich hau mich ab. Naja. Als selbst Betroffener in ehemaligen Erziehungsanstalten dachte ich, einiges gewöhnt zu sein. Aber d a s ... alle Achtung. *gggg*. Extern.

wien 1220
 
00
20.2.2012, 19:02

Was sonst?

Quasis Herr Karl
02
21.2.2012, 08:57
Jemand der nicht im Solde der Stadt Wien

(KiJA Wien) steht. Nicht so wie bisher, Kirchenkommission prüft Kirche, Länderkommissionen prüfen Länder etc. .

Re?ersi
00
20.2.2012, 13:43
Ombudskind

Rosa Stahl
03
20.2.2012, 12:17
Mal ne Frage an die Erwachsenen:

Wenn jemand von Ihnen in einer Institution ein dramatisches Erlebnis hatte, vielleicht als Frau mit einem Mann, wenden Sie sich dann an einen Mann genau jener Insitution, in der sie das dramatische Erlebnis hatten

anders and
 
10
20.2.2012, 16:08
nein, natürlich nicht!

Deshalb wurde auch kein Mann aus der Institution genommen sondern ein Außenstehender.

Vorstadtmama
 
18
20.2.2012, 10:37
Voraussetzung, dass die Heimkinder sich dem Ombudsmann überhaupt anvertrauen, ist ....

dass dieser nicht auf der Gehaltsliste der MA11 steht. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus...

jassl11
03
20.2.2012, 08:51

abseits von dem, dass in zweifel zu stellen ist, ob das wirklich gut klappt, stellt sich schon die frage, ob - nachdem man das über jahrzehnte schleifen hat lassen mit allen grausligkeiten, die man sich nur vorstellen kann - das ganze nicht system hat. jedenfalls ein indiz dafür, was man eigentlich von den kindern gehalten hat, nämlich nichts. feines system.

Alfred Zopf
13
20.2.2012, 10:31

Die Problematik ist noch viel komplexer, weil z.B. durch Traumatisierungs-flash-backs Kollegen durch die "Übertragungs-Problematik" auch ungewollt in eine Täter-Rolle gedrängt werden können. Mein Aha-Erlebnis war vor ca. 10 jahren, als ich ein komplett auszuckendes Mädchen gehalten habe, als Körpertherapeut traute ich mir diese Intervention zu und das Mädchen später mir erklärt hat, ich hätte sie geschlagen. Gott sei dank waren andere Mädchen anwesend, die genau meine Intervention beobachtet haben und dem Mädchen gegenteiliges berichten konnten. Dieses Mädchen war mit Hilfe von Drogen in einer ihrer Traumatisierungsproblematiken hineingeraten. Leider sind diese komplexen Problematiken viel zuwenig bekannt.

jassl11
01
20.2.2012, 10:50

kann ich nachvollziehen. auch ich hatte meine erfahrungen, als sich - nach allen seltsamkeiten, die ich mir lange zeit nicht erklären konnte - herausstellte, dass der mitarbeiter eben eine so oder ähnliche vergangenheit hatte. der job und die firma ist 'normal', am freien markt. schlussendlich, und nach sehr oft hervorrangender arbeitsleistung, als ihm alles zu viel geworden ist, ist er im büro umgekippt. wir mussten ihn ins AKH bringen. kurz darauf hat er gekündigt, weil er nicht mehr konnte. burnout, sozusagen. alles nur ursache in seinem weiteren trauma, in dem er noch verhaftet war, und vermutlich immer sein wird.

Alfred Zopf
01
20.2.2012, 11:33

Heute gibt es Hilfe durch Traumatherapie, Grundvoraussetzung ist jedoch äußere und innere Sicherheit, damit die Tramatas bearbeitet werden können. Übrigens ist die Schaffung von äußerer und innerer Sicherheit aus meiner Sicht die Zielsetzung einer zeitgemäßen stationären Fremdunterbringung (Heimerziehung). Das bedeutet natürlich viel mehr Personal (1:1 Personalschlüssel), damit die äußere Sicherheit gewährleistet werden kann und natürlich die notwendige Einbeziehung einer Traumapädagogik für die Schaffung der inneren Sicherheit.

Giegritsbotschn
19
19.2.2012, 20:59
Eine Vertrauensperson

muss den Kindern vertraut sein, sie müssen sie täglich erleben.

Wenn man sich einmal im Jahr blicken lässt, dann ist man noch lange keine Vertrauensperson.

paulchen77
05
19.2.2012, 20:40

Da war selbst die Kirche schneller!

Fritz Meyer
01
19.2.2012, 19:09
Sowas hätt's schon vor 40 Jahren gebraucht.

Rosa Stahl
00
20.2.2012, 12:12

Vor 40 Jahren war körperliche Züchtigung noch erlaubt.

Alfred Zopf
09
19.2.2012, 18:46

Leider eine Husch-Pfusch-Lösung. Mir tut der Kollege leid:
1. brauchts dafür Personen beiderlei Geschlechts, d.h. ein Mann und eine Frau.
2. Unter Obhut der Volksanwaltschaft wäre ein Umbudspaar besser aufgehoben, als letztendlich bei der Kinder-Jugendanwaltschaft, die von der Jugendwohlfahrt bezahlt wird.
Conclusio: Nüchtern betrachtet ists entweder eine Pseudo-Alibi-Geschichte - professionell überhaupt nicht durchdacht, sondern ein Schnellschuss, damit die Öffentlichkeit eine Ruhe gibt, oder der Kollege wurde bewusst in eine Rolle gedrängt an der er zwangsläufig scheitern muss. Für mich eine tragische Geschichte, wir werden sehen.

JobTerminator_X
01
20.2.2012, 23:05
Oberflächenkosmetik...

Bei 1267 Kindern und Jugendlichen in voller Erziehung allein in Wien (vgl. Heimgartner 2009, S.203) wird der gute Herr Sarto einiges zu tun haben...
Aber der Name bezeichnet es eh treffend: Mehr als die Kontaktqualität einer Ombudsmannfunktion ist da wohl nicht drinnen.

Immerhin sollte sich ja der sog. Jugendwohlfahrtsträger ohnehin regelmäßig selber ein Bild davon machen, wie die Dinge so laufen in den von ihm beauftragten und finanzierten "Hilfen zur Erziehung". Naja...

Wie schon vom Vorposter angesprochen: Die gegebenen Betreuungsschlüssel selber sind eine Verhöhnung für Personal UND zu Betreuende und zeigen ganz klar, wieviel bzw. wie wenig dieser Teil unserer Gesellschaft unserer Gesellschaft "wert" ist...

wien 1220
 
00
20.2.2012, 19:12

Wien kann wohl keine Stelle in einer Bundesbehörde einrichten. Wer gute Arbeit machen möchte, kann es überall, wer nicht, auch.

Bleibt noch die Anmerkung, eine Frau ebenso anzustellen. Wird bei einem Ausbau sicher geschehen. Jetzt muss wohl erst einmal Erfahrung gesammelt werden.

Alfred Zopf
01
20.2.2012, 20:23

Wien kann sehr wohl diese Aufgabe an die Volksanwaltschaft delegieren, damit würde mehr Distanz zur eigenen Jugendwohlfahrt geschaffen werden und dies bedeutet mehr Glaubwürdigkeit in der Kontrolle und keine "Verfilzung". Im Übrigen hat Peter Kostelka die Wiener Jugendwohlfahrt schon mehrmals kontrolliert, d.h. es gibt viel Wissen über die Wiener Probleme in der Volksanwaltschaft.

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