Fuchs mit zwei Assists - 400. Profitor von Raul - Harnik-Tor reicht Stuttgart bei Hannover nicht
Von den früheren Musterschülern abgeschossen, von den ehemaligen Fans
verhöhnt: Bei seiner völlig missglückten Rückkehr nach Schalke saß
Felix Magath 90 Minuten griesgrämig auf der Bank und verschwand nach dem
Schlusspfiff missmutig in der Kabine. "So darf die Mannschaft sich
nicht präsentieren. Das geht nicht, und da stimmt irgendetwas nicht",
sagte der vor knapp einem Jahr im Unfrieden aus Gelsenkirchen
geschiedene Fußball-Lehrer nach dem 0:4 (0:2) bei seinem Ex-Klub Schalke
04.
Für die Königsblauen, die damit Platz vier festigten und
weiter Kurs auf die Champions League halten, schossen ausgerechnet
Magaths Top-Transfers Raúl mit seinem 400. Profitor (10.) und Klaas-Jan
Huntelaar (15./72. - jeweils nach Assist von ÖFB-Internationalen Christian Fuchs) sowie der von ihm aus der Jugend hochgezogene Joel
Matip (49.) die Tore.
Huntelaar, der zudem mit einem Handelfmeter
an VfL-Keeper Diego Benaglio scheiterte (36.), zog mit seinen
Saisontoren 17 und 18 mit Mario Gomez (Bayern München) an der Spitze der
Torschützenliste gleich und hat nun stolze 30 Treffer in 33
Pflichtspielen für Schalke auf dem Konto. Magath musste sich
Schmähgesänge der Schalker Fans anhören, der aktuelle S04-Coach Huub
Stevens wurde dagegen ausgelassen gefeiert.
Torhüter verletzt
"Für mich waren nur
der Sieg wichtig und dass wir ein gutes Spiel gezeigt haben - dass ich
mein 400. Tor geschossen habe, war mir gar nicht bewusst", sagte Raúl:
"Ich hatte in den letzten Wochen einige gesundheitliche Probleme. Nun
geht es mir wieder besser, und das hat man gemerkt."
An einem
insgesamt gelungenen Nachmittag gab es für Schalke aber auch einen
Wermutstropfen: Torhüter Lars Unnerstall musste zur Pause mit Verdacht
auf Schlüsselbeinbruch aus dem Spiel und wird wohl wochenlang fehlen,
für ihn gab Ex-Nationalspieler Timo Hildebrand sein Bundesliga-Debüt für
den DFB-Pokalsieger. Unnerstall hatte erst im Oktober den immer noch
verletzten Ralf Fährmann nach dessen Kreuzbandriss als Stammtorhüter
abgelöst. "Es war schön, wieder zu spielen", sagte Hildebrand nach
seinem ersten Bundesligaspiel nach 22 Monaten: "Wenn man bei so einem
Spielstand in eine funktionierende Mannschaft reinkommt, fällt es einem
leicht."
Wolfskrise
Sportliche Sorgen haben die Wolfsburger: Nach nur einem
Punkt aus den letzten zehn Spielen in der Fremde scheiterte der Meister
von 2009 zum wiederholten Male beim Versuch, den Anschluss an die
Europa-League-Plätze zu schaffen. "Eine neue Zielsetzung brauchen wir
nach so einer desolaten Leistung nicht auszugeben", sagte Magath.
Die
Begegnung vor 60.511 Zuschauern begann turbulent und zunächst mit einer
Chance für die Niedersachsen, als Petr Jiracek für den freistehenden
Yohandry Orozco auflegen wollte, doch Atsuto Uchida den frühen
Gegentreffer im letzten Moment verhinderte (3.). In der sechsten Minute
traf Youngster Julian Draxler auf der Gegenseite mit einem Volleyschuss
nur den Pfosten, bevor Raúl nach einer Kopfballvorlage von Joel Matip
zum 1:0 traf.
Fuchs mit Assists
Danach übernahmen die Königsblauen endgültig das
Regiment und kamen durch Huntelaar nach einer Vorlage von Fuchs zum 2:0. Die Offensivaktionen der Gäste blieben allzu
durchsichtig. Dagegen sorgte nahezu jeder Angriff der Westfalen für
Alarmstimmung beim VfL.
Doch bei allen Stärken in der Offensive
wackelte die neuformierte Viererkette der Schalker in einigen
Situationen bedenklich. So in der 23. Minute, als zunächst Orozco und
anschließend Mario Madzukic frei zum Schuss kamen. Nach einem Handspiel
von Felipe Lopes vergab Huntelaar schließlich die große Chance zur
Vorentscheidung.
Für die sorgte nur vier Minuten nach dem Wechsel
auf spektakuläre Art und Weise dann Matip, als er eine Kopfballablage
von Kyriakos Papadopoulos aus drei Metern mit der Hacke ins Tor
weiterleitete. Danach war der Widerstand der Gäste gebrochen. Schalke
hatte das Team seines Ex-Trainers nun fest im Griff. Hildebrand verlebte
einen weitgehend ruhigen Mittag, rettete aber mit einer Glanzparade
gegen Sebastian Polter (86.).
Stuttgart verpasst Anschluss nach oben
Der VfB Stuttgart hat im Kampf um die Europacupplätze einen großen
Rückschlag erlitten. Die Schwaben mussten sich am Sonntag auswärts
Hannover 96 mit 2:4 geschlagen geben. Martin Harnik durfte sich dank
seines elften Saisontreffers vor 37.800 Zuschauern in der AWD-Arena
zumindest über ein kleines persönliches Erfolgserlebnis freuen. Die
96er sind damit punktgleich hinter Bayer Leverkusen Siebenter, die
achtplatzierten Stuttgarter haben bereits acht Punkte Rückstand auf
einen Top-Sechs-Platz.
Die Hannoveraner sahen in ihrem 800. Bundesligaspiel nach Toren
von Karim Haggui (25.), Mame Diouf (32.), Christian Pander (46.) und
Lars Stindl (73.) wie der sichere Sieger aus. Harnik leitete mit dem
1:4 (75.) aber noch eine spannende Schlussphase ein, in der sich die
lange Zeit enttäuschenden Stuttgarter deutlich verbessert zeigten.
Der ÖFB-Teamspieler traf nach Zuspiel von Vedad Ibisevic aus rund
zwölf Metern ins lange Eck, der Ball rutschte unter den Händen von
Hannover-Goalie Ron-Robert Zieler durch.
Harnik, der in der 28. Minute bei einer Großchance aus zehn Metern
an Zieler scheiterte, liegt mit elf Saisontreffern gleichauf mit
Schalke-Superstar Raul auf Rang sieben der Liga-Torschützenliste,
insgesamt hält er nun bei 20 Meisterschaftstoren im VfB-Dress. In den
jüngsten drei Partien hat der 24-Jährige gleich fünfmal getroffen.
Mehr als das 2:4 durch einen herrlichen Fallrückzieher von Shinji
Okazaki ins Kreuzeck (79.) war für die Stuttgarter aber in der
Schlussphase nicht möglich. Hannover ist damit weiterhin seit dem 30.
April 2011 zu Hause unbesiegt. Emanuel Pogatetz fehlte zum letzten
Mal gesperrt, Samuel Radlinger und Daniel Royer saßen auf der Bank,
genauso wie Raphael Holzhauser bei den Gästen. (SID/APA)