USA

Der teuerste Präsidentschafts­wahlkampf aller Zeiten

Frank Herrmann aus Washington, 19. Februar 2012, 19:49

Erstmals dürfen Spender Aktionskomitees der Kandidaten unbegrenzt finanziell unterstützen

Dass Foster Friess für Rick Santorum spendet, begründet er ein wenig launig mit dem Charme der Jugend. Der Ex-Senator aus Pennsylvania sei ein junger, dynamischer Mann, "er beginnt seinen Tag mit fünfzig Liegestützen, und das ist die Art von Energie, wie sie die Republikanische Partei braucht".

In Wahrheit liegen die Dinge natürlich anders, nicht nur, weil Santorum mit 53 auch kein Nachwuchstalent mehr ist. Friess, der Sohn eines Pferdehändlers und einer Baumwollpflückerin, der als Investmentbanker ein Vermögen scheffelte, versteht sich als Verteidiger christlicher Werte. Wer seine Website anklickt, liest als Erstes Bibelzitate. Der Weißschopf aus Wyoming gehört zu einer kleinen Gruppe schwerreicher Unternehmer, die den amerikanischen Wahlkampf so stark beeinflussen, wie es seit dem Watergate-Skandal vor 40 Jahren nicht mehr möglich war. Sie tun es, indem sie Political Action Committees, sogenannten Super-PACs, Schecks in Millionenhöhe ausstellen, nicht den Kandidaten direkt. Nach dem Gesetz darf ein Spender einem Bewerber maximal 2500 Dollar zukommen lassen. Finanziert er ein PAC, entfällt jegliches Limit. Vorausgesetzt, die Gruppe stimmt sich nicht mit dem begünstigten Politiker ab, sondern handelt unabhängig.

Neue Regeln für Spenden

So hat es der Oberste Gerichtshof in Washington vor zwei Jahren entschieden, denkbar knapp, mit fünf zu vier Richterstimmen. Es ist das erste Präsidentschaftsvotum, bei dem die neuen Regeln gelten. Wie " unabhängig" die PACs sind, zeigt schon ein flüchtiger Blick hinter die Kulissen.

Restore Our Future, die Gruppe Mitt Romneys, wird von einem alten Vertrauten des Ex-Gouverneurs geleitet. Noch 2008 war Carl Forti Chefberater des Kandidaten Romney. Zu den zehn größten Gönnern zählt neben vier Hedgefondsmanagern der Investmentbanker Edward Conard, dereinst Manager bei Bain Capital, einer von Romney gegründeten Beteiligungsgesellschaft. Winning Our Future, das Aktionskomitee Newt Gingrichs, stützt sich maßgeblich auf die Zuwendungen Sheldon Adelsons, eines Kasinomoguls aus Las Vegas.

Damit ist praktisch alles hinfällig, was es nach Richard Nixons Watergate-Affäre an Kontrollversuchen gab. Es wird das teuerste Präsidentschaftsduell aller Zeiten. Diesmal hat Romney allein bis Ende Dezember 56 Millionen Dollar eingesammelt, während die Wahlkampfkasse Barack Obamas bereits mit 125 Millionen gefüllt ist. Allein im Jänner sammelte der Präsident 29,1 Millionen Dollar. Nach zweijährigem Zögern ist auch der Präsident auf den Super-PAC-Zug aufgesprungen.

Als die Höchstrichter die Schleusen öffneten, hatte Obama noch irritiert von einer "Gefahr für die Demokratie" gesprochen, von der Macht dubioser " Schattengruppen". Jetzt sagt er, dass man nicht "einseitig abrüsten" könne, wenn der Gegner sein Arsenal derart fülle. Der Direktor des Obama-Komitees Bill Burton war bis vor zwölf Monaten Vizepressesekretär des Weißen Hauses. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3
Walter KURTZ
 
10
21.2.2012, 10:05
Noch eine Zusatzbemerkung:

Die Demokraten sind ja nur aus einem Grund über das Citizens United Urteil empört: weil es - im Gegensatz zu dem, was sie immer behaupten - für Waffengleichheit gesorgt hat.

Wie man hier gut sehen kann - http://en.wikipedia.org/wiki/527_group - haben vor Citizens United demokratische 527er groups jeweils deutlich mehr Geld gesammelt und ausgegeben. Ein großer Anteil kam von Gewerkschaften, wo z.T. Leute per Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeitrag Politiker unterstützen, die sie nicht wollen. Außerdem gibt Citizens United jedem die gleichen Rechte wie den mehrheitlich linken Medien.
All das paßt natürlich den Demokraten nicht in den Kram, das Urteil selbst war eigentlich komplett selbstverständlich...

too many days without thinking
10
23.2.2012, 12:17
zusatz zur Zusatzbemerkung

dein Sprachgebrauch:
"Waffengleichheit"

deine Seitenhiebe auf die "bösen" Gewerkschaften und die "linken Medien".

zurück auf den baum mit dir

MichaelMoore
00
20.2.2012, 15:14
Jede große Spende ist eine Verpflichtung

Democrazy

PEACETIME
04
20.2.2012, 14:28
irgendwie interessant:

die USA sind nahezu bankrott, aber die Wahlkämpfe werden immer teurer. Das wird ja nicht nur an der Geldentwertung liegen...
Nein, lieber geben die wirklich Reichen ihr Geld, am besten beiden möglichen, kommenden US-Präsidenten, damit der ihnen dann verpflichtet ist. Arme gibt es in den USA ja mehr als genug, auch Zeltstädter, und immer mehr Arbeitslose. Denen zu helfen scheint absurd, wenn man sich das Präsidentenamt aus dem Hintergrund kaufen kann. Demokratur a la USA eben, wo aus Korruption einfach eine legale Wahlkampfspende wird.

Walter KURTZ
 
00
21.2.2012, 09:58

"die USA sind nahezu bankrott, aber die Wahlkämpfe werden immer teurer."

Ist doch nur logisch: einerseits gibt der Staat immer mehr Geld aus, andererseits steigt der Druck, zusätzliche Einnahmen zu generieren.
D.h. für maßgebliche Player in der Wirtschaft wird es noch wichtiger, Einfluß auf Ausgaben und Steuern zu nehmen...

uncle sam3
01
20.2.2012, 13:51
wenigstens

werden diese kampagnes nicht mit steuer- oder telecom geld finanziert.

Mein Grossvater hiess Israel Blank
00
20.2.2012, 15:36
Nein, kein Steuergeld.

Die wrden aus nchtversteuertem Geld, oder besser, aus der Staatskasse gestohlenem Geld finanziert.

hismaster
00
20.2.2012, 14:33

Kommt im endeffekt aufs selbe. Die parteien werden sich bei den spendern schon irgendwie revanchieren.

Walter KURTZ
 
41
20.2.2012, 11:46

2008 haben die Demokraten vor dem Wahlkampf gemeint, die berüchtigten "527" Gruppen der Republikaner würden soviel Geld ausgeben - am Ende haben demokratische 527 mehr als eineinhalb soviel Geld ausgegeben.
Und herzig war's als Obama versprach, seinen Wahlkampf öffentlich zu finanzieren, um das prompt zu brechen, weil er anders mehr Kohle bekam.
Auch bei den SuperPACs braucht Obama keine Sorgen zu haben: der hat genug Milliardäre auf seiner Seite und die wissen, daß sich derartige Investments für sie auszahlen...

Sternchen100
13
20.2.2012, 11:35
Die USA ist keine gleichberechtigte Demokratie, denn nur Reiche werden gewählt, nur Reiche entscheiden Wahlen!

Zitat: "Zu den zehn größten Gönnern zählt neben vier Hedgefondsmanagern der Investmentbanker Edward Conard, dereinst Manager bei Bain Capital, einer von Romney gegründeten Beteiligungsgesellschaft. Winning Our Future, das Aktionskomitee Newt Gingrichs, stützt sich maßgeblich auf die Zuwendungen Sheldon Adelsons, eines Kasinomoguls aus Las Vegas." Womit schon gesagt ist, wer diese ultrakapitalistischen pseudochristlichen Fundamentalisten und Evangelikalen finanziert: Hedgefondbesitzer (=ultra-Spekulanten und Heuschrecken wie Romney), Banker/Bankster und Las-Vegas-Mafiosi.

Soweit zur Ehrlichkeit, und zum Christentum: "In God wie trust", und God = Dollar. Ihr "Gott" ist das Geld, denn man kann nicht zwei Herren dienen.

Walter KURTZ
 
00
21.2.2012, 10:15

Und? Andere gründen irgendwelche Stiftungen oder NGOs, um damit eine Partei mit Propaganda zu unterstützen - und kriegen vom Staat noch Unterstützungen nachgeworfen (das Modell Soros-Media Matters).
Die Herren Adelson, Friess und Co. sind jetzt zumindest einer weiteren Öffentlichkeit bekannt - es liegt am amerikanischen Volk, die Konsequenzen zu ziehen...

HookMind
02
20.2.2012, 11:00
er beginnt seinen Tag mit fünfzig Liegestützen

Sogar vor der Praesidentschaft luegt der schon ....

MichaelMoore
01
20.2.2012, 15:16
wer weiß - vielleicht macht er die auf der Gattin

8 Kinder sind schon fast ein Beweis ;-)

Derfdeswoarsein
 
01
20.2.2012, 11:43
Aber immer noch besser als würde er den Tag mit Beten beginne und auf "Erleuchtung" hoffen....

gab es auch schon einmal :-)

Fritz Meyer
01
20.2.2012, 10:09
Die Wiederauferstehung der World Wrestling Federation!

Die Shows werden immer teurer, die Sprüche immer hysterischer, die Kandidaten immer schriller und der Ausgang des Kampfes so abgesprochen wie noch nie zuvor.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
11
20.2.2012, 09:57
[US2012] US-Präsidentschaftskandidat(!) Santorum

was arguing against a mandate in the 2010 Obama health care legislation saying the law was intended to increase abortions and reduce overall health care costs:

"One of the mandates is they require free prenatal testing in every insurance policy in America. Why? Because it saves money in health care. Why? Because free prenatal testing ends up in more abortions and therefore less care that has to be done, because we cull the ranks of the disabled in our society."

http://edition.cnn.com/2012/02/1... index.html

supermike
00
20.2.2012, 09:44
Ich bin schon gespannt, wer sich als nächstes die Präsidentschaft "kauft"

sledgehammer44
00
20.2.2012, 11:20

funktioniert ja komplett anders als in ö...

siu
11
20.2.2012, 09:43
Der Supreme Court wird allerdings bald wieder über diese Thematik beraten, und möglicherweise das Urteil revidieren.

Kürzlich hat ein Gericht in Montana Begrenzungen der Wahlspenden in Montana als verfassungskonform beurteilt. Der Supreme Court hat darauf entschieden, dieses Urteil momentan auszusetzen, aber nur bis der Fall auch vor dem Supreme Court behandelt wird. Das Gericht hätte auch den Fall ohne Verhandlung vor dem Court abweisen können, aber nicht getan.

Die Beratung im Gericht wird wohl erst nach den Wahlen im Herbst stattfinden. Aber gut möglich, dass danach Citizens United fällt.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
20.2.2012, 09:58

Quelle ?

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
20.2.2012, 13:50

@ siu: da geht's nur um Montana, nicht ganz USA

siu
00
20.2.2012, 14:52

aber der supreme court kann wohl kaum hier montana recht geben und citizens united aufrecherhalten! etnweder oder.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
20.2.2012, 15:09
[§] [US2012]

Von der Hierarchie her hätte der Montana Supreme Court eigentlich gar kein Urteil fällen dürfen, dass dem vorherigen US Supreme Court Urteil im Citizens United case widerspricht. Aber anscheinend wurde das winkeladvokattechnisch irgendwie so dargestellt als ginge es hier um eine Ausnahme ("The court majority said they had carved out a legal exception to Citizens United ruling.") Wenn es dabei bleibt, dann wäre Montana halt eine Ausnahme. Momentan ist die Entscheidung aber noch nicht rechtskräftig ("The U.S. Supreme Court late Friday temporarily stopped enforcement of the Montana Supreme Court's ruling") und - viel wichtiger - es ist nirgendwo zu lesen, dass Citizens United in irgendeiner Form USA-weit wackelt.

siu
00
20.2.2012, 15:16
bitte mal richtig durchlesen:

"Ginsburg, with Breyer agreeing, wrote: "Montana's experience, and experience elsewhere since this court's decision in Citizens United v. Federal Election Commission... make it exceedingly difficult to maintain that independent expenditures by corporations ‘do not give rise to corruption or the appearance of corruption.' " She quoted from the Citizens United majority opinion."

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 77
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.