Wien - Kommt er? Und wenn, was sagt er? Joachim Gauck kam. Den wartenden
Reportern sagte er wenig, wiewohl keinen Zweifel daran lassend, dass er
für das Amt des deutschen Bundespräsidenten zur Verfügung steht.
Dass er dafür geeignet ist wie vermutlich wenig andere, davon konnten
sich auch die Besucher im vollbesetzten Wiener Stadttheater am
Sonntagvormittag überzeugen. Im Gespräch mit Peter Huemer (das vor einem
halben Jahr fixiert worden war) offenbarte der frühere evangelische
Pastor und einstige DDR-Menschenrechtler sein Welt- und Menschenbild.
Freiheit ist dessen zentrales Gestirn - aus der Erfahrung desjenigen,
der lange in Unfreiheit gelebt hat; dazu brillant formulierte Skepsis
gegenüber Ideologien und politischen Heilsversprechungen.
Und die Warnung, auf den Fall Wulff nur noch mit Häme gegenüber
Politikern und zugleich mit unerfüllbaren Moralpostulaten zu reagieren.
Unter den Menschen finde sich "alles zwischen grenzdebil und begnadet -
warum soll das in der Politik anders sein?".
Nun dürfte er doch Bundespräsident zu werden. Am Sonntag sagte er: "Gott oder die Mehrheit werden''s
fügen. Es ist meistens eine Melange." (jk, DER STANDARD-Printausgabe, 20.02.2012 - online aktualisiert.)