Feilschen um Konditionen für den Stromtransport

Günther Strobl , 19. Februar 2012, 17:16

Zwischen Regulator und E-Wirtschaft ist ein Tauziehen um die Verzinsung des Leitungsausbaus im Gang

Zwischen Regulator und E-Wirtschaft ist ein Tauziehen um die Verzinsung des Leitungsausbaus im Gang. Möglichst viel, möglichst lang, lautet der Schlachtruf der Stromfirmen; der Regulator will den Deckel draufhalten.

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Wien - Das Vorhaben, die Stromversorgung in Europa zunehmend aus erneuerbaren Quellen zu schaffen, setzt massive Investitionen in Leitungen voraus. Allein für Österreich beziffert die Regulierungsbehörde E-Control den notwendigen Geldfluss in den Netzausbau bis 2020 mit rund acht Milliarden Euro.

"Klar machen wir das. Wir wollen aber eine angemessene Verzinsung", heißt es im Büro von EVN-Chef Peter Layr, der zurzeit auch turnusmäßiger Präsident von Österreichs Energie ist, der Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft. Was angemessen ist, darüber gehen die Ansichten naturgemäß auseinander.

Weil die Netze ein natürliches Monopol sind, es aber wenig Sinn macht, neben einer bestehenden Leitung eine zweite eines Konkurrenzunternehmens zuzulassen, ist dieser Bereich reguliert. Der Regulator entscheidet, für welche Investitionen die Stromkunden wie viel zahlen müssen. "Nicht zu viel, eben angemessen", sagt der für den Strombereich zuständige Vorstand der E-Control, Martin Graf, dem Standard.

Für die laufende Regulierungsperiode vom 1. Jänner 2010 bis 31. Dezember 2013 ist ein Zinssatz von 7,025 Prozent vereinbart. Dabei handelt es sich um einen gewichteten Kapitalkostensatz - 4,5 Prozent Fremd- und 10, 4 Prozent Eigenkapitalverzinsung mit einer Verteilung von 60 zu 40.

"Die zehn Prozent Eigenkapitalverzinsung sind ein hoher Wert, da sehe ich für die Periode ab 2014 Luft nach unten", sagt Graf. In Deutschland etwa sei die Erwartungshaltung deutlich geringer, dort liege der verordnete Eigenkapitalzinssatz derzeit bei 9,3 Prozent. Bis Herbst will die E-Control ein Konsultationspapier vorlegen und anschließend rasch entsprechende Bescheide erlassen. Damit wäre laut Graf auch die von den Stromfirmen geforderte Plan- und Investitionssicherheit gegeben.

In der E-Wirtschaft hält man es für angebracht, "nach einem Jahrzehnt permanenter Netztarifkürzungen leichte Erhöhungen" zuzulassen. Nur so könne der für die Energiewende notwendige Ausbau der Leitungen im erforderlichen Ausmaß erfolgen. "Je mehr verzinst die Investitionen in die Netze sind, desto mehr wird gemacht - und umgekehrt", sagte ein Sprecher von EVN-Chef Layr.

Revisionsmechanismus

Das habe eine zwingende Logik: "Die Unternehmen müssen ihren Aktionären gegenüber argumentieren, wofür sie das Geld ausgeben. Wenn man bei der Errichtung eines Windparks eine Rendite von sechs oder sieben Prozent erzielen kann, beim Netz netto aber nur 2,5 oder drei Prozent bleiben, ist klar, was die richtige kaufmännische Entscheidung ist."

Statt bisher vier Jahre wünscht sich die Branche zumindest fünf Jahre, in denen das Regulierungsregime gilt - das wäre ein Mehr an Sicherheit, zumal sich auch der Bau einer 110-Kilovolt-Leitung mitunter länger als vier Jahre ziehe."Das ist Verhandlungssache", sagt Graf. Der E-Control-Vorstand stellt auch zur Diskussion, statt eines fixen Fremdkapitalzinssatzes über die ganze Periode einen Revisionsmechanismus einzubauen, um so flexibel auf Marktänderungen reagieren zu können.Um die Finanzierung zu stemmen, empfiehlt Graf die Auflage von Unternehmensanleihen. Weil bei einer Kapitalerhöhung die Länder mitgehen müssten (Ländermehrheit ist vorgeschrieben), seien Bonds angesichts der Sparprogramme der öffentlichen Hand das Zielführendste, um die Eigenkapitalquote der Unternehmen in vernünftiger Höhe zu halten. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2012)

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10 Postings
Erdkabel-Salzburg
00
20.2.2012, 19:38
Erneuerbare Quellen ?

Der Baubeginn des ersten polnischen Reaktors ist für 2012 geplant, 20020 soll der Meiler dann ans Netz gehen. Bis 2030 will Polen noch zwei weitere Reaktoren bauen.
Möglicherweise treibt doch der Atomstrom die Pumpturbinen in Kaprun an.

Erdkabel-Salzburg
00
20.2.2012, 19:25
Strommonopolisten auf Kosten der Bevölkerung

Die staatliche Stromkonzerne wollen sich mit den Leitungen eine goldene Nase verdienen.
Mit der geplanten Salzburgleitung auf Kosten der Anrainer.
Deren Häuser, Wohnungen und Grundstücke massiv entwertet werden.
Deshalb ist das Erdkabel in Salzburg die einzige Lösung.

Informatiker
 
02
20.2.2012, 05:02
Räuchert den Parasitenstadel aus !

Die EVUs sind doch voll von unfähigen Parteigünstlingen !

Peter_23
00
19.2.2012, 22:59
"Die zehn Prozent Eigenkapitalverzinsung sind ein hoher Wert"

Kann man nichtmal ohne Schulden, Schulden, Schulden zu machen etwas neu aufbauen? Diese Schuldenwirtschaft für alles und jedes ist wirklich beachtlich - und entsetzlich.

nix fir unguad
11
20.2.2012, 00:56
Haben Sie Ihr Haus für 'cash' gekauft?

Und sie werden wohl Ihre alte Kraxen für immer fahren obwohl die jährlichen Instandhaltungskosten höher als der Lease eines neuen Fahrzeuges sind.
Jedem das seine.

Michael B
00
19.2.2012, 23:56
Der Begriff "Eigenkapitalverzinsung" ist Ihnen wohl nicht geläufig?

Wie sollen übrigens irgendwo auf er Welt Zinsen herkommen, OHNE Schulden?
Wenn Sie Ihr Geld brav auf die Bank tragen, dann schuldet die Bank Ihnen übrigens genau diese Summe (PLUS die Zinsen). Entsetzlich.

DieWahrheitistdenMenschenzumutbar
00
19.2.2012, 20:01
Trennung von Netz und Erzeugung nötig

Wieso wird nicht der Betrieb des Netzes von der Stromerzeugung getrennt? Der Netzbetreiber könnte dann Smart Grids und Quoten für die Erneuerbaren ganz einfach umsetzen, ohne zu betteln! Natürlich muss beim Netzbetreiber der Staat 51% halten!

Herzerzog Johann
00
20.2.2012, 09:00

Und mit welchem Geld soll das dann geschehen?

der burli
34
19.2.2012, 19:28
"zehn Prozent Eigenkapitalverzinsung" sind eine frechheit bei heutigen und zukünftig zu erwartenden zinssätzen!

Michael B
01
19.2.2012, 23:59
Monopolisten sitzen einmal am längeren Hebel.

Und das haben die Staaten genauso gewollt, als sie diese Monopole privatisiert haben.
Der tumbe Bürger hat sich davon natürlich "Wettbewerb" und "sinkende Preise" erwartet.
(Jetzt kommt sofort das Totschlagargument mit den Vierteltelefonen. "Zum Glück" wird sich auch am Telekommarkt der lästige Wettbewerb bald aufhören..)

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