USA sollen mit Drohnen Angriffe auf syrisches Volk beobachten

19. Februar 2012, 15:57

Ägyptischer Botschafter abgezogen - Geschäftsmann: Sanktionen legen syrische Wirtschaft langsam lahm

Erstmals seit Beginn des Aufstandes in Syrien hat es auch in der Hauptstadt Damaskus große Proteste gegen die Regierung gegeben. Rund 15.000 Menschen nahmen am Samstag nach Oppositionsangaben im Viertel Mezze (Masseh) am Rande der Innenstadt an einem Trauerumzug für getötete Demonstranten teil. Nach Medienberichten setzten die USA Drohnen über dem Land ein, um die Angriffe der syrischen Führung auf das Volk zu belegen.

Bisher größten Oppositionsproteste

Bei dem Trauerumzug in Damaskus wurden vier Demonstranten zu Grabe getragen, die am Vortag in dem Viertel getötet worden waren. Nach Angaben der Lokalen Koordinierungskomitees (LCC) waren es die bisher größten Oppositionsproteste in der Hauptstadt. Sicherheitskräfte schossen in den Trauerzug, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Ein Demonstrant wurde demnach getötet und mehrere weitere verletzt.

Via Internet zu "zivilem Ungehorsam" aufgerufen

Im Stadtteil Mezze befinden sich zahlreiche Botschaften, Regierungsgebäude sowie die Redaktionen mehrerer staatlicher Zeitungen. Bisher gab es nur in Vororten wie Harasta oder Douma Proteste, während im Zentrum vor allem Kundgebungen für Präsident Bashar al-Assad stattfanden. Für Sonntag rief die Opposition im Internet zu "zivilem Ungehorsam" in der Hauptstadt auf.

Die syrischen Truppen setzten ihre Angriffe auf die Viertel der Regimegegner unterdessen offenbar fort. Am Samstag und Sonntag wurden nach Angaben von Aktivisten insgesamt bis zu 37 Zivilisten getötet.

Gezielte Attentate vermutet

In der Stadt Idlib wurden laut Aktivisten ein Richter und ein Anwalt erschossen, als sie gemeinsam in einem Auto saßen. Oppositionelle vermuten, dass es sich um ein gezieltes Attentat handelt, da beide "die Revolutionäre verteidigt hatten". Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter erklärte, das Attentat auf die beiden Männer, die zusammen mit ihrem Fahrer - einem Polizisten - getötet worden seien, sei von "Unbekannten" verübt worden. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA schrieb, die drei Männer seien Opfer von "Terroristen" geworden.

Drohnen beobachten Angriffe

Im Luftraum über Syrien beobachte "eine ganze Reihe" von Drohnen Angriffe der syrischen Armee auf die Oppositionsbewegung und auf Zivilisten, berichtete der US-Sender NBC News am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Mitarbeiter im US-Verteidigungsministerium. Außerdem solle die Kommunikation im syrischen Militär und der Regierung aufgezeichnet werden. Die Luftüberwachung sei aber keine Vorbereitung für einen Militäreinsatz der USA gegen das Assad-Regime.

Kriegsschiffe

Zwei Kriegsschiffe der iranischen Marine legten am Wochenende in der Hafenstadt Tartus an, einer Hochburg der Anhänger von Präsident Assad. Der iranische Sender "Press TV" meldete am Samstag, die beiden Schiffe - ein Zerstörer und ein Versorgungsschiff - seien in den Hafen von Tartus eingelaufen, um gemeinsame Übungen mit der syrischen Marine abzuhalten.

Reformen gefordert

Assad traf am Samstag mit dem chinesischen Vize-Außenminister Zhai Jun zusammen. Dieser forderte ihn auf, Reformen einzuleiten. Das für kommenden Freitag geplante Verfassungsreferendum könne ein erster Schritt sein, erklärte der chinesische Gast. Vor seiner Abreise traf er mit Vertretern der Opposition zusammen. Der Oppositionelle Luai Hussein sagte anschließend, er habe Zhai gesagt, absolute Priorität habe die Beendigung der Gewalt durch das Regime.

Ägyptischer Botschafter abgezogen

Ägypten zog unterdessen seinen Botschafter aus Syrien ab. Der Botschafter befinde sich bereits in Kairo und habe Außenminister Mohamed Kamel Amr Sonntag früh Bericht erstattet, teilte das Außenministerium mit. Der Minister habe dann entschieden, dass der Botschafter "bis auf weiteres" in Ägypten bleiben solle. Die ägyptische Regierung unterstützt die Bestrebungen der Arabischen Liga, in Syrien einen "friedlichen Wandel" zu erreichen.

Sanktionen

Nach Einschätzung eines führenden syrischen Geschäftsmanns lähmen die internationalen Sanktionen im Syrien-Konflikt das Land nach und nach. Es erhalte zwar "ziemlich viel Geld" vom Iran, sagte der Unternehmer Faisal al-Qudsi (al-Kudsi) am Sonntag dem britischen Rundfunksender BBC. Dies sei aber nicht genug. Durch den Zusammenbruch des Tourismus kurz nach Beginn der Proteste Mitte März und die im November gestoppten Öllieferungen sei das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um 45 Prozent gesunken. (APA/AFP/dpa/Reuters)

Andrei Tchoubrikov
13
20.2.2012, 00:03
Die USA spionieren offen in einem souveraenen Land...

... und ueber diese skandaloese Ignorierung des Voelkerrechts wird unter "High-tech" berichtet, und nicht unter "Internationales" ?

Anscheinend wundert das Vorgehen des Westen niemanden mehr... und wo wird ueber die - bevorstehende - Bombardierungen berichtet ? Im Bereich "Verkehr", oder gar "Umwelt" ???

eolith421
11
20.2.2012, 14:34
Na und?

Im Endeffekt sind Drohnen nur eine neue Form der Spionage. Und Spionage gibt es seit über 1000 Jahren schon. Wo liegt der Unterschied ob die Amerikaner nun eine Drohne nach Syrien schicken oder stattdessen Spione? Die Drohne ist vermutlich sogar billiger und wenn so ein Ding "geschnappt" wird kann es keine sensiblen Informationen preisgeben.

Der Ruhestifter
 
40
20.2.2012, 02:22
Heul doch!

Hans Meier459
25
19.2.2012, 19:34
Im Luftraum über Syrien beobachte "eine ganze Reihe" von Drohnen

ah die USA stellt sich wieder über Völkerrecht und mißachtet die Souveränität andeer Länder
Hoffentlich holens demnächst so Drohnen runter.
Damit zeigens dann den Russen und China was sie von Nichteinmischung halten. Das nächste Veto kommt Ppstwendend

Werner Lischka
31
19.2.2012, 23:07
na glauben sie die ...

... chinesen kriegen ihre infos von der apa?
die russen zählen nicht - die haben sogar einen offiziellen spionagestützpunkt dort.
zum thema runterholen - sadat wird sich hüten, noch mehr ärger m.d. usa zu provozieren.
im übrigen sind drohnen dafür ausgelegt, heruntergeholt zu werden - deshalb baut man sie ja. wenn sie verloren gehen, geht kein pilot in gefangenschaft oder ins grab.

bsdcornel
00
20.2.2012, 18:31
sind drohnen dafür ausgelegt, heruntergeholt zu werden

na das glaube ich jetzt mal nicht. So viel billiger als normale Flugzeuge sind sie nicht.
Haben die Amis aber viel gejammert, als die Perser ihr Lieblingsspielzeug runterholen.
Ok einem Piloten kostet es ja dann kein Leben. eher ein paar Zivilisten

Werner Lischka
00
20.2.2012, 20:35
der preisunterschied zwischen bemannt und ...

... nicht bemannt geht bei vergleichbaren flugzeugen bis zu 50%. sie brauchen keine druckkabine, keine umsetzung von stickbewegung in rudersignale, keinen bordfunk, kein rettungssystem, kein anti-g-system, etc.
klar benötigen sie dafür die fernsteuerung und aufwendigere telemetrie - diese kosten können sie aber auf die ganze drohnenflotte verteilen.
besonders wichtig - sie brauchen keinen hochtrainierten und teuer ausgebildeten piloten - prinzipiell reicht ein couchpotatoe, der fliegen kann (und gleich mehrere drohnen kontrolliert).
den gegner zu erwischen ist ja sinn der sache - die drohne schützt das eigene personal.
ps. die amis haben gejammert, weil jetzt andere ihr neues spielzeug beschnüffeln können.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.