Steuerrechtler

Doralt sieht in Sparpaket "Kniefall vor Bauern"

19. Februar 2012, 15:32

Experte ortet "Landwirteprivileg für die nächsten 100 Jahre" - Kritik an neuer Immobilienbesteuerung

Wien  - Die geplanten Neuerungen bei der Immobilienbesteuerung sind für den Steuerrechtsexperten Werner Doralt ein "Kniefall vor den Bauern". Der Steuersatz von 25 Prozent für Umwidmungsgewinne und Wertsteigerungen in der Landwirtschaft ist ihm zu gering, zumal dafür an anderer Stelle die Steuer sogar heruntergesetzt werde: Rechnungslegungspflichtige Unternehmen, die bisher ihre Veräußerungsgewinne aus Grund und Boden mit dem Normalsatz bis zu 50 Prozent versteuert hätten, sollen künftig nur mehr 25 Prozent zahlen, so Doralt am Sonntag gegenüber der APA in einer Stellungnahme zum Sparpakets-Begutachtungsentwurf.

"Richtig wäre gewesen, solche Gewinne genauso wie andere Wertsteigerungen im Betriebsvermögen generell mit dem Normalsteuersatz zu versteuern." Hätte man dies schon immer - also auch bei den Bauern - getan, gäbe es "rein rechnerisch" keine Budgetkrise, konstatierte Doralt. Mit dem 25-prozentigen Steuersatz werde "ein Wahrheit ein Landwirteprivileg" für die nächsten 100 Jahre festgeschrieben, meint der Universitätsprofessor.

Kritik an Pauschalierung

Auch puncto Einkommensteuer schießt erneut Doralt scharf auf die Agrarier - und das ÖVP-geführte Finanzministerium: Es sei anmaßend, "wenn Bauernfunktionäre die Meinung vertreten, es sei das angeborene Recht der Bauern, keine Einkommensteuer bezahlen zu müssen." Ein Dorn im Auge ist dem Experten insbesondere die Steuerpauschalierung für Landwirte. Derzeit verdoppelten und verdreifachten nämlich Großbetriebe durch Betriebsteilungen ihre Pauschalierungsgrenzen - "ohne dass das Finanzministerium durch eine Änderung der Pauschalierungsverordnung dies verhindert".

Laut Doralt gibt es eine verfassungsrechtliche Lücke, die es de facto ausschließe, die aus seiner Sicht gesetzeswidrige Pauschalierung beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) anfechten zu können. "Diese Lücke nützen die Finanzminister aus, wenn sie die Pauschalierung - rechtsmissbräuchlich - ausdrücklich zur 'steuerlichen Entlastung' der Landwirte verwenden", so Doralt. Im Gesetz sei jedoch von einer solchen Entlastung keine Rede, es biete nur die Basis für eine Gewinnpauschalierung.

Im Jahr 2010 hatte Finanzminister Josef Pröll überraschend die Steuerpauschalierungsgrenze für Landwirte von 65.000 auf 100.000 Euro angehoben.

Andere Steuerpflichtige würden im Gegenzug zu stark belastet, so Doralt. Er moniert, dass in Zukunft auch beim Verkauf von Zweit- und Vorsorgewohnungen Steuern anfallen. "Nur der Hauptwohnsitz ist ist steuerfrei, das kann aber auch das Schloss am Wörthersee sein, während die Garconniere der verstorbenen Eltern steuerpflichtig ist", ätzt der Steuerrechtsexperte. Erneut kritisierte er auch den sogenannten Solidarbeitrag für Spitzenverdiener. Dies treffe effektiv nur Unselbstständige, denn Unternehmen mit Gewinnen ab 180.000 Euro seien meist als Kapitalgesellschaften organisiert und von der Steuererhöhung gar nicht betroffen. (APA)

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Marilynn E.
00
22.2.2012, 20:44

dem kann man es auch nie recht machen...

Michigil
 
00
20.2.2012, 10:17
Bitte um Klage beim VfGh!

Bitte Herr Doralt, Sie könnten das für alle Pensionisten und Vorsorgewohnungsbesitzer tun.

n. urser
12
20.2.2012, 07:42
wie es halt viele bauern machen

von den steuererleichterungen leben und die förderunen sparen. ich bin gespannt, ob die landwirtschaft jemals in diesem jahrhundert ankommen wird.

Roter Baron
02
20.2.2012, 13:10

solang die 4%ige minderheit der landschaftspfleger ein eigenes ministerium hat, braucht sie das auch nicht.

finding
11
20.2.2012, 01:33
Etikettenschwindel Volkspartei Wenn die Volkspartei irgendwann ...

Wenn die Volkspartei irgendwann als das erkannt wird, was sie in Wahrheit immer mehr (!) und immer verweifelter ist, nämlich eine verkappte Klientelpartei modischen Anstrichs - wieviel Wähler bleiben ihr dann?

2 Prozent Bauern, dazu die Neugebauerischen und noch ein paar ewig Bevorzugte. Macht wieviel Prozent?

Für die tatsächlichen, aber immer wieder geschickt verschleierten Interessen dieser angeblichen Volkspartei sind 26 Prozent immer noch ein "Erfolg".

Ihre "konservative" Eigenschaft bezieht sich pur auf den Erhalt materieller Privilegien (und hat mit Bürgerlichkeit, Bildung oder Weltgeist null am Hut).

Österreich bräuchte eine neue Volkspartei, mit der auch Wirtschaft wieder Spaß macht. Aber so.

Gute Nacht, Österreich!

landjaeger
00
19.2.2012, 23:35
den Sie wissen nicht was Sie tun!

spannend zu lesen wie die Schweizer Bauern zum Thema Umwidmungsabgabe argumentieren http://adisagroblog.files.wordpress.com/2011/09/d... cht-21.jpg

Toto Wien
18
19.2.2012, 23:34
Die Bauern zahlen weder richtig Einkommenssteuer, noch Sozialversicherung, dafür gibt's großzügige Mitversicherungen und

zahlreiche Steuererleichterungen. Was soll das?

Spare in der Not, dann hast du im Beutel
00
20.2.2012, 17:37
Mehrwertsteuer kennen die Bauern gar nicht

und Stipendien für die Kinder an der BOKU kassieren sie weit überdurchschnittlich. Dafür quälen sie die armen Tiere.

Comedian
00
19.2.2012, 20:28
Hmm? Weiß nicht, ob der Doralt nicht schon einiges verwechselt.

Fiel mir das erste Mal in einem Artikel der kleinen Zeitung auf, als er von einer 7-jährigen Nutzungdauer bei PKW fabulierte.

Ich hab zwar wenig mit § 4(1)-Gewinnermittlern zu tun ... also eher gar nicht, aber ich kann mich dunkel daran erinnern, dass die Gewinne aus der Veräußerung von Grund- und Boden nicht im Rahmen der Gewinnermittlung versteuert werden.

Und ich kann mir nicht vorstellen, dass bilanzierende Landwirte nach § 5 gewinnermitteln.

Aguirre74
 
01
19.2.2012, 23:09

"Richtig wäre gewesen, solche Gewinne genauso wie andere Wertsteigerungen im Betriebsvermögen generell mit dem Normalsteuersatz zu versteuern." Hätte man dies schon immer - also auch bei den Bauern - getan, gäbe es "rein rechnerisch" keine Budgetkrise, konstatierte Doralt.

Wo ist jetzt der Gegensatz zu der Rechtslage, wonach bei 4 Abs 1 Ermittler Grund und Boden (ohne Gebäude) nach 10 Jahren steuerfrei ist? Im Grunde spricht er ja genau das Problem an. Und Landwirte sind definitiv nicht nach § 5 pflichtig, da die Anknüpfung ans UGB fehlt (so wie bei Freiberuflern).

Joesi
43
19.2.2012, 18:18
Steuerexperte betreffend Landwirtschaft

Ich bin Nebenerwerbslandwirt und zahle ab dem ersten Euro, den ich in der Landwirtschaft angeblich verdienen soll, voll Einkommenssteuern entsprechend den Progressionsstufen. "Angeblich" deshalb, weil die Teilpauschalierung zur Anwendung kommt und 30% der Einnahmen als Gewinn angenommen werden. Auf Grund der Einkaufs- und Verkaufspreisentwicklungen in den letzten Jahren ist eine 30% Marge allerdings längst nicht mehr realistisch. Ich zahle also Steuern für einen Gewinn, den ich möglicherweise gar nicht einfahre. So geht es übrigens vielen Nebenerwerbslandwirten.
Dementsprechend bitter sind diese Aussagen eines Steuerexperten, der offenbar von der Realität der landwirtschaftlichen Verhältnisse Null Ahnung hat.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
08
19.2.2012, 19:01

Warum verzichten Sie nicht auf die Teilpauschalierung und machen E/A-Rechnung? Nach dem was Sie sagen würden Sie besser aussteigen.

amber103
41
19.2.2012, 21:27

Einnahme-Ausgabenrechnung sind für Branchen mit sehr hohen Kapitaleinsatz völlig ungeeignet, da Investitionen sich nicht gleichmäßig auf die Jahre verteilen lassen. Damit kommt in vielen Jahren ein hoher Scheingewinn heraus, der voll in die Progression fällt, und in anderen Jahren fallen wieder hohe Verluste an, weil gerade investiert wurde.

Bleibt also die Doppelte Buchführung. Diese ist zwar mit Programmen möglich, allerdings kommt die Bilanzerstellung immer noch sehr teuer. Insbesondere wenn die Möglichkeiten der Steuerreduzierung genutzt werden sollten, die das Gesetz vorsieht, dann sind teure Steuerberater unerlässlich.
Das Problem ist also, dass es sehr teuer ist, die gerechte Steuer festzustellen.

Marilynn E.
00
22.2.2012, 20:46

naja, für eine bilanz nach § 4 brauche ich nicht viel aufwand. einnahmen-ausgabenrechner haben 3 jahre einen verlustvortrag, da gleichen sich schwankungen aus.

Michael B
03
20.2.2012, 11:29
Jeder Greissler, jeder Installateur, jeder Friseur muss eine E/A-Rechnung oder eine Bilanz machen.

Und bringt das auch mit ein, zwei Stunden vom Steuerberater zusammen, ohne sein Geschäft an den Ruin zu führen.
Nur die Bauern sind also dazu nicht imstande.
Und seit 2010 plötzlich auch alle Bauern, die mehr als 65.000 im Jahr einnehmen. Eigentlich ein Zeichen von fortschreitender Demenz, müsste man befürchten.

Toto Wien
05
19.2.2012, 23:38
Das ist völliger Schwachsinn, dann machen sie einfach eine Einnahmen-Ausgabenrechnung mit einer

Abschreibung auf Anlagegüter, ein Bauer wird wohl dividieren können.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
00
19.2.2012, 22:54

Seit wann kann man bei E/A nicht abschreiben?

Muss man sogar - Investitionsgüter können sie nicht sofort komplett als Betriebsausgabe ansetzen.

Comedian
00
19.2.2012, 22:39
Achja! Mein Tipp ... und wehe, sie erzählen, dass ich das war.

Bilanzieren sie, zahlen sie einem Steuerberater 2.000/ Jahr und sie sind ihr Lohnsteuerproblem als Nebenerwerbslandwirt los.

amber103
30
19.2.2012, 23:17

Angenommmen der Gewinn beträgt rund 16000€ und die daraus resultierende Steuer 2000€, dann verdoppelt sich die Last durch den Steuerberater.

In den allermeisten Fällen wäre die volle Doppelte Buchführung und Bilanzierung die abgabenrechtlich günstigste Variante für die Bauern. Allerdings ist da auch ein Hacken eingebaut: Die Sozialversicherung verlangt hohe Mindestbeiträge.
Die 2000€ reichen für eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft mit nur wenigen unterschiedlichen Produktsparten. Viele Steuerberater rechnen nach Stunden ab, wobei der Stundentarif in aller Regel nicht ganz billig ist.

Vera Rschung
 
00
23.2.2012, 21:03

Eine simple Einnahmen-/Ausgabenrechnung möchte ich selbst dem schlichtesten Gemüt noch zumuten dürfen.

Zugeflossenes Geld, weniger abgeflossenem Geld = steuerlicher Gewinn

AfA für'n Traktor kommt auch noch weg.

Ist das so schwer?

Marilynn E.
00
22.2.2012, 20:48

geh bitte. ich kenne sehr viele steuerberater und 2.000 euro sind keine normalen preise, für eine ear und auch nicht für eine kleine bilanz.

Aguirre74
 
00
20.2.2012, 22:16

Komisch, alles das gilt auch für Gewerbetreibende. Nur die können sich nicht aussuchen, ob sie pauschalieren (abgesehen von der 12% BAP-Pauschale, die in der Regel schlechter ist, sonst würden die 90% der Gewerbetreibenden nützen, so wie die armen Bauern die ihre).

Toto Wien
04
19.2.2012, 23:40
Bauern und Sozialversicherung, ich lach mich tot, da schlagen gerade

die Kampfposter vom Bauernbund zu, was?

links kritik
 
00
20.2.2012, 08:53
nur weil sie hier so viel mist produzieren

heisst das noch lange nicht, dass sie sich in der landwirtschaft auskennen ...

amber103
10
19.2.2012, 23:57

Dann lach mal. Könntest dich aber auch über die Eckzahlen bei Statistik Austria und dem Hauptverband der Sozialversicherung bemühen:Einem Gewinn von 2Mrd€ stehen SV-Einnahmen von 800Mio€ gegenüber.

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