Strauss-Kahn wegen Befragung zu Callgirl-Affäre festgehalten

21. Februar 2012, 16:01
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Er soll an von Unternehmen bezahlten Sex-Partys teilgenommen haben - Anklage droht

Lille - Der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist am Dienstag im Polizeigewahrsam zu seiner Teilnahme an Sex-Partys verhört worden. Die Befragung in der nordfranzösischen Stadt Lille sollte klären, ob der 62-Jährige möglicherweise an Zuhälterei beteiligt war und von veruntreuten Firmengeldern profitierte, mit denen die Partys bezahlt worden sein sollen. "DSK" war nach einer Sex-Affäre in den USA als IWF-Chef zurückgetreten.

Die Kriminalpolizei von Lille nahm Strauss-Kahn am Morgen in Gewahrsam, was in Frankreich in der Regel bis zu 48 Stunden dauert. In Sonderfällen kann das Verhör, das in einem offiziellen Ermittlungsverfahren münden könnte, auf vier Tage verlängert werden.

Der frühere Hoffnungsträger der Sozialisten bestreitet nicht, an Sex-Partys teilgenommen zu haben. Zwei Unternehmer aus der Region Lille, David Roquet und Fabrice Paszkowski, hatten laut Zeugen die Treffen organisiert und bezahlt. Sie luden dazu Frauen in Luxushotels nach Paris und Washington ein.

Prostituierte beteiligt

Unklar ist, ob Strauss-Kahn wusste, dass es sich bei den Eingeladenen um Prostituierte handelte. Die Polizei versucht auch herauszufinden, ob "DSK" die Herkunft des Geldes kannte, mit dem die Partys bezahlt wurden und ob er dafür Gegenleistungen in Aussicht stellte. Roquet und Paszkowski bestreiten das.

Strauss-Kahns Beteiligung an den Sex-Partys wurde bereits im Herbst bekannt. Der frühere IWF-Chef wollte daraufhin so schnell wie möglich vernommen werden. Seine Anwälte bezeichneten die Berichterstattung über die Affäre als "mediale Lynchjustiz". In einem im Herbst erschienenen Buch schrieb auch "DSK"-Biograph Michel Taubmann über die Teilnahme des Sozialisten an Swinger-Partys. "Aber normalerweise sind die Teilnehmer solcher Nächte keine Prostituierten", fügte der Ex-IWF-Chef dem Buch zufolge hinzu.

Die Affäre kam durch Ermittlungen ins Rollen, die rund um das Luxushotel Carlton in Lille begannen. Auch dort sollen - allerdings offenbar ohne Strauss-Kahn - Sex-Partys stattgefunden haben, für die Prostituierte aus Belgien anreisten. Im Zusammenhang mit der Affäre wurden bereits Ermittlungsverfahren gegen acht Verdächtige eingeleitet, darunter den Chef und den Besitzer des Carlton.

"Praktiken" der Sozialisten

Möglicherweise fördere das Verhör von Strauss-Kahn auch Erkenntnisse über die "Praktiken" der Sozialisten in den Departements Nord und Pas-de-Calais zutage, wo Lille liegt, sagte die Wahlkampfsprecherin von Präsident Nicolas Sarkozy, Nathalie Kosciusko-Morizet. Die Sozialisten in der Region sollen ein geheimes Finanzierungsystem aufgebaut haben.

"DSK" hatte im vergangenen Jahr wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er am 14. Mai am New Yorker Flughafen wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung festgenommen worden war. Erst im August stellte die New Yorker Justiz das Strafverfahren ein, nachdem Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufkamen, mit dem "DSK" nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft mehrere Minuten lang Sex hatte.

Die Hotelangestellte Nafissatou Diallo strengte aber ein zivilrechtliches Verfahren an, das noch läuft. Strauss-Kahn musste kurz nach seiner spektakulären Festnahme als IWF-Chef zurücktreten. Auch auf eine Präsidentschaftskandidatur für die französischen Sozialisten musste der damals in Umfragen Führende verzichten. Daher wurden auch Stimmen laut, dass er Opfer einer Intrige geworden sein könnte. (APA)

  • Dominique Strauss-Kahn traf am Dienstag bei einer Polizeistation in Lille ein. Er kann dort bis zu 48 Stunden festgehalten werden.
    foto: epa/julien warnand

    Dominique Strauss-Kahn traf am Dienstag bei einer Polizeistation in Lille ein. Er kann dort bis zu 48 Stunden festgehalten werden.

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