Marcel Hirscher nimmt Kurs auf die große Kristallkugel, gewinnt nach dem RTL auch den Slalom
Bansko/Bulgarien - Marcel Hirscher hat sich nach der Verletzung von
Titelverteidiger Ivica Kostelic eindrucksvoll im Rennen um den alpinen
Ski-Gesamt-Weltcup zurückgemeldet. Nur 24 Stunden nach seinem Riesentorlauf-Sieg
triumphierte der 22-jährige Salzburger auch im Slalom in Bansko und liegt nach
seinem bereits achten Saisonerfolg nur noch 18 Zähler hinter dem derzeit
verletzten Spitzenreiter aus Kroatien.
"Wenn man bei dem schönen Wetter gewinnt, dann ist das saucool", frohlockte
Hirscher nach seinem insgesamt elften Weltcup-Sieg, dem sechsten im Slalom, mit
dem er Kostelic auch in der Torlauf-Wertung bis auf 35 Punkte nahe rückte.
Bereits in Adelboden hatte er innerhalb von 24 Stunden Riesentorlauf und Slalom
gewonnen.
Matt stark, aber irregulär
Diesmal hatte er aber besonders hart zu kämpfen, denn der 32-jährige
Ex-Weltmeister Mario Matt, nach dem ersten Lauf Vierter, riskierte im zweiten
Durchgang wie angekündigt alles und zauberte eine überlegene Bestzeit in den
bulgarischen Schnee, die für Platz zwei 16/100 hinter Hirscher gereicht hatte.
Nach Videostudium disqualifizierte der Internationale Skiverband (FIS)
allerdings den Tiroler und korrigierte die bereits offiziellen Ergebnisse
nachträglich.
Doch das hatte Hirscher nicht ahnen können und deshalb auch im Finale volles
Risiko gehen müssen. "Am Start habe ich die Bestzeit von Mario mitbekommen und
mir nur gedacht: 'Das gibt's ja nicht, der alte Mann sieben Zehntel vorn, jetzt
muss ich Gas geben'", erzählte Hirscher, der schlussendlich klar vor dem
Schweden Andre Myhrer und dem Italiener Stefan Gros gewann, mit einem
Schmunzeln. Probleme mit der Piste oder Nerven hatte er überhaupt keine. "Ich
habe mich unterm Fahren gut und sicher gefühlt. Es hat genau gepasst."
Von Rennen zu Rennen (zum Gesamtweltcup)
An den Gesamtweltcup wollte Hirscher aber vorerst nicht allzu viele Gedanken
verschwenden. "Ich muss einfach weiter Gas geben, schaue nur von Rennen zu
Rennen. Die Chance lebt, das ist schon eine Supersache. Aber ich habe nie große
Erwartungen. Ich will einfach nur gut Ski fahren und das Bestmögliche zeigen.
Ich will einen schnellen Schwung fahren, das ist meine Herausforderung. Das
gelingt mir im Moment - und dazu ist auch die Konstanz gekommen", lautete die
simple Erklärung des ÖSV-Stars für seine tolle Saison, die er beim
Weltcup-Finale in Schladming Mitte März mit dem Gewinn der großen Kristallkugel
krönen könnte.
Ob Hirscher nun die beiden Super-G-Rennen in der kommenden Woche in Crans
Montana bestreiten wird, ist weiter ungewiss. "Ich weiß es nicht, alles
schmerzt, alles tut weh, aber es hat sich alles ausgezahlt", lautete Hirschers
Antwort auf die Super-G-Frage. Schließlich wolle er als aktueller Führender
unbedingt die Riesenslalom-Wertung gewinnen. "Vielleicht kommt jetzt Taktik ins
Spiel im Bezug auf die Riesentorlauf-Kugel", verriet der Supertechniker, der nun
zunächst einmal am Dienstag (ab 15.45 MEZ) im "City Event"-Parallelslalom in
Moskau nach der Führung im Gesamtweltcup greift.
Hinter Hirscher und Matt länger nichts
In Russlands Hauptstadt könnte auch Kostelic, der laut Auskunft des
kroatischen Skiverbandes zumindest bis zum Technik-Wochenende am 10./11. März in
Kranjska Gora nach seiner Meniskusoperation pausieren muss, am Start stehen.
Denn der 32-Jährige würde allein für die Teilnahme in Moskau 15 Zähler kassieren
- dafür würde schon das simple Auslösen der Zeitnehmung genügen.
Da Matt disqualifiziert wurde, kam hinter Hirscher kein weiterer Österreicher
in die Top Ten. Der Tiroler Manfred Pranger, zur Halbzeit noch Sechster, fiel
auf Rang elf zurück und landete damit unmittelbar vor seinem engeren Landsmann
Benjamin Raich. Noch schlechter erging es dem Olympia-Zweiten von 2006,
Reinfried Herbst, der sich mit dem 18. Platz begnügen musste. "Es war heute kein
guter Tag, ich habe mir wahnsinnig schwergetan, es will nicht sein", lautete der
verärgerte Kommentar des Salzburgers.(APA)