Goldener Bär an die Regie-Brüder Taviani

18. Februar 2012, 20:26

Filmessay "Cäsar muss sterben" wurde Bester Film - Großer Preis der Jury an Bence Fliegauf - Regie-Preis an Christian Petzold - Panorama-Preis für Julian Pölslers "Die Wand"

Berlin - Der Goldene Bär der Internationalen Filmfestspiele Berlin ging bei der Preisverleihungsgala am Samstagabend überraschend nach Italien. Gewinner des Hauptpreises der 62. Berlinale ist "Cäsar muss sterben" ("Cesare deve morire") der Regie-Brüder Paolo  (80) und Vittorio (82) Taviani. Die Berlinale-Jury unter Vorsitz des britischen Regisseurs Mike Leigh verbeugte sich mit ihrer Entscheidung vor den in Berlin auch mit einem Preis der ökumenischen Jury geehrten Regie-Altmeistern, zu deren Werk Filme wie "Mein Vater, mein Herr", "Die Nacht von San Lorenzo" und "Good morning, Babylon" gehören.

Die Tavianis  haben ein Filmessay über Strafgefangene in Rom gedreht, die im Gefängnis Shakespeares "Julius Cäsar" proben und aufführen. Ein Film, der den Zuschauer tief in die Seele der Menschen blicken lässt. Bereits zum achten Mal wurde ein italienischer Film mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Zuletzt erhielt 1991 Marco Ferreri für "Das Haus des Lächelns" den Preis.  Die Brüder grüßten in ihrer Dankesrede die Häftlinge in Rom.

Silberne Bären für Fliegauf, Meier und Petzold

Ein Silberner Bär ging an den ungarischen Film "Nur der Wind" ("Csak a szel"). Regisseur Bence Fliegauf erhielt für sein aufwühlendes Werk den Großen Preis der Jury. Sein Film erzählt nach realen Ereignissen von einer Mordserie an Roma-Familien in einem ungarischen Dorf. "Ich habe so viele Personen bei der Arbeit an diesem Film erlebt - Sozialarbeiter, Fachleute, die in den Gebieten leben, in denen auch die Roma leben, die mit den Roma arbeiten. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf diese Arbeit lenken und ihnen viel Unterstützung wünschen", sagte Fliegauf, der in Berlin auch mit dem Amnesty International Filmpreis und dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet wurde.

Überraschend erhielt auch die mit einer lobenden Erwähnung geehrte Schweizer Regisseurin Ursula Meier für ihr Sozialdrama "L'Enfant D'En Haut" ("Das Kind von oben") einen Silbernen Bären. "Wenn es so viele Filme gibt und so wenig Preise, dann gibt es manchmal herausragende Filme, die es nicht bis in die Endauswahl schaffen", meinte Jury-Präsident Leigh. Meiers Film galt als einer der großen Anwärter auf den Goldenen Bären und war Publikumsfavorit.

Zwei Silberne Bären blieben In Deutschland: Christian Petzold erhielt für sein DDR-Drama "Barbara" mit Nina Hoss in der Hauptrolle den Preis für die beste Regie. Der Kameramann Lutz Reitemeier wurde für seine Arbeit am chinesischen Historiendrama "Land des weißen Hirsches" ("Bai Lu Yuan") von Wang Quan'an geehrt. Eine Auszeichnung für ein österreichisches Werk gab am Nachmittag: Julian Pölslers Romanverfilmung "Die Wand" mit Martina Gedeck wurde von der Ökumenischen Jury zu jenem Film im Panorama gekürt, der es am besten schaffte, die Zuschauer für menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren.

Kritiker-Favorit "Tabu" mit zwei Rahmenpreisen

Die Silbernen Bären für die beste Schauspielerleistung gingen an Darsteller aus Dänemark und dem Kongo. Der Däne Mikkel Boe Folsgaard erhielt den Preis für seine Leistung in dem Kostümfilm "Die Königin und der Leibarzt" von Nikolaj Arcel. Darin spielt Folsgaard den dänischen König Christian VII. Zusammen mit Rasmus Heisterberg bekam Regisseur Arcel auch den Preis für das beste Drehbuch. Die kongolesische Laiendarstellerin Rachel Mwanza wurde für ihre Rolle einer Kindersoldatin in dem Film "Rebelle" des kanadischen Regisseurs Kim Nguyen geehrt. "Ich stehe nur hier, weil Kim Nguyen es ermöglicht hat", sagte Mwanza sehr bewegt.

 Als Favorit der Kritiker war Miguel Gomes' Schwarz-Weiß-Film "Tabu" ins Rennen gegangen, der Portugiese gewann den Alfred-Bauer-Preis für ein Werk, das neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet, sowie den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik. Den mit mit 50.000 Euro dotierten Preis für den Bester Erstlingsfilm erhielt "Kauwboy" von Boudewijn Koole (Niederlande). Bei den Kurzfilmen erhielt die portugiesischen Produktion   "Rafa" von Joao Salaviza den Goldenen Bären und "Gurehto Rabitto" von Atsushi Wada (Japan) den Silbernen Bären, im Wettbewerb war auch die österreichische Experimentalfilmerin Billy Roisz ging mit ihrem Musikvideo "zounk!" gewesen.

Teddy Award an "Keep The Lights On"

Das amerikanische Drama "Keep The Lights On" von Ira Sachs ist bereits am Freitag  bei der Gala im alten Flughafen Tempelhof beim 26. Teddy Award als bester Spielfilm ausgezeichnet worden. Mit dem Preis werden bei den Filmfestspielen Produktionen aus allen Sektionen gewürdigt, die sich auf besondere Weise mit schwulen und lesbischen Themen befassen. Die Regisseurin Ulrike Ottinger ("Prater", "Freak Orlando") erhielteine Trophäe für ihr Lebenswerk, ebenso wie der Underground-Schauspieler Mario Montez. Beste Doku wurde "Call Me Kuchu" von Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright.

Weitere Preise: Die Publikumspreise in der Sektion Panorama gingen an den serbischen Spielfilm "Parada" und die amerikanische Doku "Marina Abramovic: The Artist is Present". Der Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater ging an  "A moi seule" ("Coming Home") von Frederic Videau.   Christian Petzolds   "Barbara"  holte den Preis der Leserjury der "Berliner Morgenpost", die "Tagesspiegel"-Jury kürte "La demora" ("The Delay") von Rodrigo Pla zum Gewinner. Die Jury Dialogue en perspective würdigte mit ihrem Preis "This Ain't California", Marten Persiels Doku über eine Skater-Clique in der DDR. Den DAAD-Kurzfilmpreis bekam "The Man that Got Away" von Trevor Anderson.  (APA)

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8 Postings
Berlinale - Forum für Sozialkritik

Die Berlinale ist grundsätzlich darauf angelegt, der Öffentlichkeit sozialkritische Filme aus aller Welt zu präsentieren. Leider spielen Produktionen aus Afrika nach wie vor eine untergeordnete Rolle:
http://2010sdafrika.wordpress.com/2012/02/1... ale-2012/.

Unsinn.

Die Berlinale ist ein internationales Filmfestival für Spiel- und Dokumentarformate. Berlinale-Chef Kosslick bemüht sich jedes Jahr um die bestmöglichen Filme. Das ist auch das einzige künstlerisch relevante Kriterium. Woher diese Filme kommen und ob die Filmemacher weiß, schwarz, gelb oder lila sind, ist völlig egal.

Ein toller Sketchfilm mit dem Titel "Hungary 2011" von Béla Tarr

wurde auch in Berlin präsentiert.

Auf www.berlinale.de kann man das anschauen.

Er zeigt uns wie das politische Regime heute in Ungarn ausschaut...es hat nichts mit den westlichen Werten zu tun.

dieses

herumeiern welche volksgenossInnen wieder keinen preis gekriegt haben unterscheidet sich in nichts vom peinlichen lokalchauvinismus unserer orf-sportredakteure.

kann man damit bitte aufhören?

Auch Kulturjournalistinnen sind Chauvinistinnen.

...und ebenso peinlich wie Sportjournalisten.

Ja und wann, wann kommt es endlich? Das Posting?

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