Wirtschaftsforscher

Sinn: Sparprogramm macht Athen nicht wettbewebsfähig

17. Februar 2012, 22:09

Schäuble: Große Fortschritte bei Italien

Stuttgart/München - Der Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn betonte , dass Griechenland durch das Sparprogramm nicht wettbewerbsfähig werden kann. Wenn man Griechenland zumute, durch ein Sparprogramm die Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, werde das Land zerbrechen, sagte Sinn der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. "Da können die Politiker Europas zehnmal etwas anderes sagen. Bestimmte Dinge sind ökonomisch nicht möglich." Im Gegenzug für weitere Finanzhilfen muss Griechenland weitere Milliarden-Einsparungen vornehmen.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts sagte, Griechenland habe bisher mit seinen Sparbemühungen nichts erreicht. Sinn hält einen Rückgang der Preise um 31 Prozent für nötig. Wer den Griechen wirklich helfen wolle, sollte ihnen die geplanten 130 Milliarden Euro des zweiten Rettungspakets lieber als Hilfe für den Austritt geben. Nur die Rückkehr zur Drachme erlaube die Abwertung und erleichtere es dadurch den Unternehmen, konkurrenzfähig zu werden. "Das Beharren auf den falschen Preisen ist das Hauptproblem der Euro-Zone. Daran kann sie zerbrechen", sagte Sinn.

Für die Zukunft der angeschlagenen Südländer Spanien, Italien und Portugal gab sich der Ifo-Präsident wenig zuversichtlich: "Die südeuropäischen Euro-Länder sind der Lösung der Probleme kein bisschen nähergekommen." Auch für die Euro-Zone ist Sinn wenig optimistisch: "Der Zug ist in Richtung Transferunion abgefahren. Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein. Deutschland wird einen erheblichen Teil seines Auslandsvermögens verlieren."

Schäuble lobt Italien

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht unterdessen Italien bei der Bekämpfung der Schuldenkrise auf einem guten Weg. "Italien ist dabei, unter Führung von Ministerpräsident Mario Monti große Fortschritte zu machen und Vertrauen zu gewinnen", sagte Schäuble am Freitagabend bei einer Veranstaltung der "Stuttgarter Nachrichten". Griechenland hingegen sei noch nicht so weit. Schäuble kritisierte das Verhalten der griechischen Politiker im Zusammenhang mit dem zweiten Hilfspaket über 130 Milliarden Euro, für das die EU-Finanzminister am Montag grünes Licht geben wollen. "Die Verzögerungen sind ausschließlich in Athen verursacht." Es seien noch einige Punkte offen, die geklärt werden müssten.

Schäuble kündigte eine strenge Kontrolle der EU-Auflagen an. Zugleich drängte er auf rasche Privatisierungen. "Der Staatsanteil an der griechischen Wirtschaft ist zu hoch." Deshalb sei die griechische Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig. Der CDU-Politiker äußerte Verständnis für die Proteste der Bevölkerung gegen die harten Einschnitte: Natürlich leide der Durchschnittsbürger in Griechenland.

Schäuble hob die besondere Rolle Deutschlands bei der Bewältigung der Euro-Krise hervor. Die Finanzmärkte schauten praktisch nur auf Deutschland. Der Minister warnte vor Scharfmachern in der aktuellen Diskussion. Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias hatte Kritik an einer Bevormundung durch Deutschland geäußert. In Athen wird seit Wochen auf die öffentlichen Zurechtweisungen deutscher Politiker empfindlich reagiert. Medien zogen sogar Vergleiche mit dem Größenwahn des Nazi-Regimes. Mit solchen Anfeindungen müsse man leben, so Schäuble.

 (APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 85
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Mirabeau
00
21.2.2012, 19:19
Ich würde ja eher den Euro vorläufig abschaffen.

Nicht nur Griechenland, ganz Europa kriegt die Drachme.
Die werten wir dann massiv ab, wir werden unsere Schulden los, kurbeln damit die Exporte an, treiben die Schweiz in den Ruin und setzen den Dollar gehörig unter Druck.
Und dann kommt der Euro Neu.

;)

F.B.
 
00
19.2.2012, 12:34
eine andere sicht der dinge

der euro hat es griechenland erlaubt günstig (zu niedrigen zinsen) geld zu leihen

die politiker taten dies gekoppelt mit wahnwitzigen zuckerl für die wähler, die wähler haben sie belohnt

zb. man wollte viel konsumieren weniger arbeiten -> pensionsantritt ~52 jahre 95% letztbezug

damit man aber am weltmarkt kräftig zulangen kann mussten die löhne hoch -> von 22000 im schnitt auf 32000 in 8 jahren fast 50% zuwachs -> lächerlich

die handelsbilanz ist abgerutscht auf ein 4:1 ratio; für jeden euro den sie exportiert haben haben sie 4 euro an waren importiert;

industrie und harte arbeit war nix mehr für die griechen -> ~20% industriesektor (vgl D: 30%)

schönes leben machen auf kosten anderer war system und ist system

vandermonde
00
21.2.2012, 12:51
Auf "Kosten" anderer?

Was glauben Sie, womit die deutsche Exportindustrie ihre Gewinne gemacht hat?

Epikouros
52
18.2.2012, 15:18
Hans-Werner völlig von Sinnen

Ein Austrit Griechenlands wäre unweigerlich mit einer Pleite verbunden und damit mit hohen Kosten für Europa und dieser Ökonom erwaret von uns auch noch, dass wir den Griechen dafür 130 Mrd. gutes Geld hinterher werfen. Einfach Wahn-Sinn.

Anton D.
13
18.2.2012, 19:31
Sie haben leider nichts verstanden.

Austritt aus Eurozone, Drachme (Exportförderung, Tourismusförderung) und Zuwendungen für das Überleben der Menschen und den Aufbau der Wirtschaft. Also eine sinnvollere Verwendung der Mittel die vorgesehen sind.

Ökonomix
00
19.2.2012, 17:03
Sinnvoll?

Das kommt darauf an aus wessen Blickwinkel man es sieht. Aus Sicht der Griechen vielleicht ja, wobei zu befürchten ist, dass die 130 Mrd. in Taschen der gr. Elite verschwinden und dem Land wenig bringen. Zuerst muss das Land reformiert werden. Wenn der finanzielle Druck weg ist, bestehen wenig Anreize dies zu tun. Aus Sicht der Österreicher ist das ein äußerst teurer Plan.

Nutznießer ist in jedem Fall die gr. Elite.

europa fassen
00
19.2.2012, 15:39
Ja, nur beantworten Sie mir die zentrale Frage:

Bleiben die Schulden Griechenlands in €, oder werden die zu Drachmen konvertiert?

Auch Sinn sagt gar nichts dazu.

Griechenland kann €-Schulden außerhalb der Union in hundert Jahren nicht zurückzahlen.
Und eine Konvertierung in Drachmen - das einzige wo der Austritt sinnvoll erscheint - wird erfolgreich von den Banken verhindert werden.

Anton D.
01
20.2.2012, 12:22
Die Schulden bleiben natürlich in Euro stehen, nur entlastet der Schuldenschnitt.

Der Staatskonkurs brächte es mit sich, daß die Privaten Gläubiger den Verlust (ohne daß man Freiwilligkeit benötigt) voll zu tragen hätten. Das sind jene westeuropäischen Banken, die sich über Gebühr und gegen besseres Wissen in griech. Anleihen eingedeckt haben, ebenso wie die Hedgefonds. Die EZB bliebe, wie verlautete, außen vor. Man muß ja nicht jede europäische Bank retten- siehe USA-. Hier gibts ohnehin zuviel Wildwuchs. Und Marktwirtschaft heißt, man kann gewinnen, aber auch verlieren.

higgs - wozu?
07
18.2.2012, 14:48
konkurrenz und

wettbewerb ist ganz, ganz wichtig - da sind sich alle experten einig: der mensch als individuelles wesen kann nur absolutes glück und zufriedenheit erlangen , wenn er in ständigem, künstlichen wettbewerb, in kombination mit traumatisierender verelendungsangst, gehalten wird. nur so kann er motiviert bleiben wärend er gleichzeitig dauergrinsend in absoluten glücksgefühlen schwelgt.
und unser glück hat oberste priorität, in unserem system, die motivation ist nur ein nebeneffekt - lasst euch ja nix gegenteiliges einreden.

die schafhirten wissen halt sehr genau, wie die schäfchen zu halten sind und wir sollten ihnen vertrauen, schließlich wird die erde dank ihrer hilfe immer schöner und auch glücklicher;-)

franz der freie
 
12
18.2.2012, 12:47
transferunion ist das stichwort.

warum soll sich griechenland anstrengen und etwas erarbeiten, wenns doch eh die anderen machen ? so wie die letzten zehn jahre. griechenland hat seinen wohlstand und vor allem seine sozialleistungen auf pump finanziert. jetzt übernimmt das die eu, mit unseren steuergeldern. welche firma will denn schon in gr. investieren ? viel zu hohe gehälter, streiks , militante gewerkschaften mit höchstem eigennutz, kein grundbuch, keine rechtssicherheit, wenig produktivität dafür eine starke autonome gewaltbereite szene, 20-30% beamte die niemand braucht, ämter ohne jede funktion, sozialschmarotzertum auf höchstem niveau und zum schluss: kein wille steuern zu zahlen, aber eine erwartung, dass der staat alles zur verfügung stellt> gratis.

Wolfgang Pimminger
 
12
19.2.2012, 03:04
Und das unterscheidet Griechenland ...

... von unserem Politsumpf wie weit?

Österreich steht doch nur deshalb besser da, weil wir eine andere Wirtschaftsstruktur haben. Ohne Marshall-Plan wäre unsere heutige Wirtschaftsleistung wahrscheinlich ganz ähnlich und dann könnten wir uns unseren Sumpf auch nicht leisten.

Hören's auf, von den faulen Griechen zu schwafeln. Das Geld ist dort höchstwahrscheinlich ganz ähnlich versickert wie hier in Österreich. Und unser Budget hat faustgroße Löcher, bei denen's rausrinnt.

Von so Dingen, wie Buwog, Telekom, Bawag etc. reden wir da noch gar nicht.

Mostbluzza
00
21.2.2012, 10:29
hinterfragens mal das märchen numero 38

den marshall plan.

ein sogenannter gründungsmythos. der half mehr den usa als uns.

der marshall plan war:

ein kommunismus-eindämmungsplan
ein us exportförderungsprogramm/freihandelsplan
Grants, also echte geschenke, mussten verkauft werden im land und damit konnten kredite vergeben werden

das wirtschafts"wunder" hatte keinerlei bezug auf den m-plan, da dies zeitlich auch auseinanderfiel und schon vorher voll anlief.

....keine nennenswerte auswirkung auf den wiederaufbau (abelshauser/maier)

da ist GR noch a bissl weit weg, weil "vorher" auch nix da ist/war.

Andreas Prucha
03
18.2.2012, 15:04
Die Diskussion gibts in Deutschland auch. Da wollen manche Bundesländer auch nicht mehr zahlen. Besonders Bayern.

Seltsamerweise war aber Bayern bis in die 80er selbst Transfer-Empfänger.

Ach ja, und warum soll sich Kärnten anstrengen, wenn eh andere Bundesländer zahlen?

Was aber einige vergessen: Wenn andere "wettbewerbsfähiger" werden, wird man dadurch automatisch selbst weniger wettbewerbsfähig.

Diese krampfhafte Wettbewerberei bringt überhaupt nichts. Irland war bis vor Kurzem sehr wettbewerbsfähig aufgrund der niedrigen Steuern. Der neoliberale Musterknabe hatte kaum Staatsschulden - und ist jetzt nach Platzen der privaten Blase unterm Rettungsschirm. Letztendlich kann sich in jedem Land die Situation jederzeit schnell ändern.

Enrico Furioso
00
19.2.2012, 11:44
"Seltsamerweise war aber Bayern bis in die 80er selbst Transfer-Empfänger"

Nur dass Bayern sich bemühte - und dabei Erfolg hatte - möglichst rasch davon wegzukommen. Den Eindruck hat man leider nicht bei Griechenland. Die Gründe dafür, ob nun eigenes Verschulden, Versagen der politischen Klasse, Ungunst der Umstände etc., sind sekundär; die Tatsache als solches ist dennoch gegeben. Die Frage ist ganz einfach wie man damit umgeht. Akzeptiert man, dass bestimmte Länder Europas (bzw. deren Steuerzahler) über viele Jahre hinweg Griechenlands (und zumindest wohl auch Portugals) Defizit regelmäßig alimentieren. Oder sucht man einen anderen Ausweg. Bzw. muss man sich fragen, ob eine andauernde Alimentierung der Schulden anderer Ländern auf Dauer politisch mehrheitsfähig ist.

Althase
01
18.2.2012, 17:02

Diese Erkenntnis könnte selbst Deutschland bei einer Pleite Griechenlands mit Dominoeffekt in anderen Süd-Ländern zu Teil werden

Andreas Prucha
01
18.2.2012, 18:41

Jo eh.

Sarah L.
 
12
18.2.2012, 12:21
man kennt ja h-w sinn als den großen lohndrücker

in der BRD. auch das sind falsche preise zu gunsten der profite. möglich war das durch eine windelweiche gewerkschaft - und durch den schutz des euro.

J. R.
01
18.2.2012, 09:58

Sinn und Felderer, was machen diese Herrschaften eigentlich beruflich? Ich meine es sie sollten doch eine Qualifikation von der Sie zumindest leben können. Die Ökonomie ist es ganz sicher nicht.

Michael B
02
18.2.2012, 13:10
Sinn war beruflich Angestellter eines großen deutschen Versicherungsverbandes,

und hat daher stets in dessen Interesse GEGEN die Sozialversicherungen und FÜR die private Versicherungswirtschaft intrigiert.
Nachdem diese im Zuge der Finanzkrise eine eher erbärmliche Performance gezeigt hat, und die hochgelobte "zweite Säule" auf Jahre oder Jahrzehnte diskreditiert ist, hat sich Sinn anscheinend aufs Lobbying für die Finanzindustrie verlegt, d.h. die Staaten sollten vor allem die Kredite der privaten Banken an die Krisenländer schützen, und letztere danach ruhig abstürzen lassen.

cookieberlin
04
18.2.2012, 10:12

Von Sinn weiß man nur, daß er sich in seiner Freizeit gern unter die eigenen Gartenzwerge mischt.

call me ismael
02
18.2.2012, 09:01

danach bedauern, was man vorweg immer gefordert hat!! sonderbar, die weltsicht des herrn sinn.

good vibration
05
18.2.2012, 08:42
Schulmeister bringts wieder mal auf den Punkt:

http://www.youtube.com/watch?v=xJYV1jJA2A0

Mostbluzza
00
21.2.2012, 10:20
schulmeisters theorien sind 08/15 pipifax

aus dem einfachen grund, weil seine theorien gerne von politikern gehört werden (in anlehnung an den armen missbrauchten keynes), aber deswegen auch nicht wahrer oder - realer - werden.

jetzt kann man nicht sparen, klaro. man kann das nie, weil sonst auch eine hochkonjunktur abgewürgt würde ... man muss doch die pferde laufen lassen, wenn sie noch wollen - oder nicht?

und später will man nicht und somit ist schulmeisters theorie für die würscht, wie wir alle sehen und wissen. jeder "forscher" und politgangster heftet sich aufschwung an die brust - genau, dann wird er steuern erhöhen/ausgaben senken. sicherlich.

er ist ein populist, wie jeder spövp politiker, der sich so seine stimmen einkauft(e). und seinen lieblingsforscher.

Wolfgang Pimminger
 
00
21.2.2012, 10:38
Mostbluzza, ich hab mal eine Frage an Sie und ich meine das ernst.

Werfen Sie mal alle Finanztheorien über Bord und nehmen Sie Ihre ganz private Situation. Ein "Sparpaket" der Regierung hat gerade Ihr monatliches Einkommen um meinetwegen 100 Euronen vermindert.

Geben Sie jetzt monatlich
a) mehr Geld aus
b) gleich viel Geld aus
c) weniger Geld aus

Und wie wirkt sich Ihr neues Kaufverhalten auf die Wirtschaft aus?

BBSS
14
18.2.2012, 12:10
Stephan Schulmeister

.
Stephan Schulmeister kennt sich in einigen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften gut aus. Es kann auch gut reden und er ist ein sehr netter Kerl.

Er ist auch der Vorzeige-Ökonom der Linken, weil seine Thesen ganz zu den Forderungen der Gewerkschaften passt, dass der Staat nicht sparen dürfe, schon gar nicht bei den Beamten und anderen Geschützten.
Was Stephan Schulmeister jedoch nie dazu sagt ist, was man tatsächlich tun kann, wenn man keine Gläubiger mehr findet, die das Geld für die Konjunkturmaßnahmen hergeben sollen.

Natürlich wird die Wirtschaftsleistung schrumpfen, wenn der Staat aufhört, Geld, das er nicht einnimmt, auszugeben. Das Wirtschaft wurde ja eben durch diese unleistbaren Schulden künstlich aufgebläht.

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