Finale der fünfteiligen Serie "Schubert. Eine Winterwanderung"
Wien - Die Theaterserie am Schauspielhaus ist in den letzten Jahren zu
einer überzeugenden kleinen Institution herangereift. Das schnelle
Format mit Proben im Handumdrehen arbeitete sich jeweils aus
verschiedenen Richtungen an ein Thema heran. In wortwörtlichen
Winterwanderungen folgte man heuer dem Komponisten Franz Schubert und
seiner im Würgegriff von Restauration, Syphilis und Armut stehenden
Zeit.
Nach dem fünften und letzten Teil fällt es nun ein bisschen schwer, sich
vom kapriziösen, ängstlichen, aber aufrührerischen Helden Franz Schubert
und seinen Nöten zu trennen. Man ist im korrekten Jargon: "reingekippt".
Die regelmäßige, schrittweise Heranführung an die als Homestorys oder
traumhafte Visionen verpackten Serienteile hatte Zugkraft. Jetzt ist
(vorerst) Schluss.
In Anwesenheit von vierzig Trauergästen wurde Schubert am Donnerstag in
der Lichtentaler Kirche am Alsergrund zu Grabe getragen. Nach einem wie
immer von Laternenträgern angeführten Spaziergang vom Schauspielhaus zum
Spielort, also diesfalls der Kirche, entstieg der Musikus im eiskalten
Presbyterium seinem schnöden schwarzen Holzsarg, um gegen seine eigene
Totenmusik zu wettern.
Und er gerät dabei so in Fahrt, dass er im Zorn über das Unverständnis
gegenüber seinem Werk und das Wissen um seine Karriere post mortem
gleich zukünftige Tantiemen einfordert. Viele Interpreten haben auf
seiner "Musi" Erfolge gebaut, Horowitz, Swjatoslaw Richter,
Fischer-Dieskau usw.
Nach Teil vier, der den bereits siechen Komponisten im privaten Salon
zeigte (Severingasse), wo Grillparzer zufrieden herumstolzierte und
Leopold Kupelwieser die (politische) Verderbtheit der Zeit am eigenen
Leib zu spüren schien, war Teil fünf ein Requiem samt Zwiegespräch mit
Beethoven. Regisseur Paul-Georg Dittrich verweist darauf, dass der arme
Schubert zwar an Syphilis gestorben ist, aber mehr noch ein Opfer seiner
Zeit war: eine Tatortmarkierung neben der Kirchenorgel ist der
Serien-Showdown.
Theaterserien sind zwar nicht auf DVD abrufbar, doch ein Dacapo
versammelt die wachen Schauspieler noch einmal: Hannes Pendl, Sebastian
Zeleny, Johanna E. Rehm, Franziska Weisz. Die treuesten Schubertianer,
die es außerhalb der Schubertiade zu finden gibt. (Margarete Affenzeller / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)