Der tödliche Zustand des Unverstandenseins

17. Februar 2012, 21:28
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Finale der fünfteiligen Serie "Schubert. Eine Winterwanderung"

Wien - Die Theaterserie am Schauspielhaus ist in den letzten Jahren zu einer überzeugenden kleinen Institution herangereift. Das schnelle Format mit Proben im Handumdrehen arbeitete sich jeweils aus verschiedenen Richtungen an ein Thema heran. In wortwörtlichen Winterwanderungen folgte man heuer dem Komponisten Franz Schubert und seiner im Würgegriff von Restauration, Syphilis und Armut stehenden Zeit.

Nach dem fünften und letzten Teil fällt es nun ein bisschen schwer, sich vom kapriziösen, ängstlichen, aber aufrührerischen Helden Franz Schubert und seinen Nöten zu trennen. Man ist im korrekten Jargon: "reingekippt". Die regelmäßige, schrittweise Heranführung an die als Homestorys oder traumhafte Visionen verpackten Serienteile hatte Zugkraft. Jetzt ist (vorerst) Schluss.

In Anwesenheit von vierzig Trauergästen wurde Schubert am Donnerstag in der Lichtentaler Kirche am Alsergrund zu Grabe getragen. Nach einem wie immer von Laternenträgern angeführten Spaziergang vom Schauspielhaus zum Spielort, also diesfalls der Kirche, entstieg der Musikus im eiskalten Presbyterium seinem schnöden schwarzen Holzsarg, um gegen seine eigene Totenmusik zu wettern.

Und er gerät dabei so in Fahrt, dass er im Zorn über das Unverständnis gegenüber seinem Werk und das Wissen um seine Karriere post mortem gleich zukünftige Tantiemen einfordert. Viele Interpreten haben auf seiner "Musi" Erfolge gebaut, Horowitz, Swjatoslaw Richter, Fischer-Dieskau usw.

Nach Teil vier, der den bereits siechen Komponisten im privaten Salon zeigte (Severingasse), wo Grillparzer zufrieden herumstolzierte und Leopold Kupelwieser die (politische) Verderbtheit der Zeit am eigenen Leib zu spüren schien, war Teil fünf ein Requiem samt Zwiegespräch mit Beethoven. Regisseur Paul-Georg Dittrich verweist darauf, dass der arme Schubert zwar an Syphilis gestorben ist, aber mehr noch ein Opfer seiner Zeit war: eine Tatortmarkierung neben der Kirchenorgel ist der Serien-Showdown.

Theaterserien sind zwar nicht auf DVD abrufbar, doch ein Dacapo versammelt die wachen Schauspieler noch einmal: Hannes Pendl, Sebastian Zeleny, Johanna E. Rehm, Franziska Weisz. Die treuesten Schubertianer, die es außerhalb der Schubertiade zu finden gibt. (Margarete Affenzeller  / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

Wieder ab 23. 2.

  • Spielen Schubert: Sebastian Zeleny, Hannes Pendl.
    foto: schauspielhaus

    Spielen Schubert: Sebastian Zeleny, Hannes Pendl.

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