Die Bebop-Terroristen

17. Februar 2012, 21:18
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Endlich in Österreich: "Mostly Other People Do The Killing", eines der gewitztesten Ensembles, das die New Yorker Szene jüngst hervorbrachte

Dornbirn/Wien - "We like to play all the jazz all the time all at once as fast as possible." So lautet das Motto von Mostly Other People Do The Killing - und das durchaus zu Recht. Das 2003 in New York von Bassist Moppa Elliott initiierte Quartett ist in den letzten Jahren als furioses musikalisches Himmelfahrtskommando bekannt geworden, das die Jazzgeschichte von Count Basie bis Weather Report in funkensprühend trashiger Energie verwurstet und dabei keine Gefangenen macht. Mittlerweile hat sich MOPDTK beinahe zu einem All-Star-Quartett entwickelt, denn neben Schlagzeuger Kevin Shea wirken mit Saxofonist Jon Irabagon und Trompeter Peter Evans zwei hochgelobte Newcomer mit, die zuletzt auch mit eigenen Projekten haben aufhorchen lassen: Evans als vor Energie vibrierender Aerofonist, der solo seinem Blasrohr ein ganzes Orchester an Klängen und Geräuschen entlockt (am 7./8. März im Wiener Porgy & Bess bzw. im Grazer WIST). Irabagon gilt seit dem Gewinn des Thelonious-Monk-Wettbewerbs '08 als kommender Mann seines Fachs (s. Album Foxy).

Im Rahmen von MOPDTK demonstrieren die vier Herren auf mehrfacher Ebene Lust zur Exzentrik: Der 33-Jährige Bandleader Moppa Elliott benennt sämtliche Kompositionen nach Städten und Dörfern seiner Heimat Pennsylvania, wobei die Topografie Perlen wie Rough And Ready oder Blue Ball parat hält, nachzuhören auf der aktuellen CD Forty Fort. Zudem stellen die Mostlys auf der Frontseite ihrer vier Alben gerne historische LP-Cover nach: Auf This Is Our Moosic etwa Ornette Coleman. Und der Bandname? Der geht auf einen Ausspruch von Theremin-Erfinder Lew Termen zurück, der so einst Gevatter Stalin verteidigte. Auf gut Österreichisch: Ein bisserl morden ist ja nicht so schlimm. (Andreas Felber / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

18. 2. Dornbirn, Spielboden, 19. 2. Wien, Porgy & Bess

  • Immer sofort alles und so schnell wie möglich: Das New Yorker Quartett Mostly People Do The Killing.
    foto: porgy & bess

    Immer sofort alles und so schnell wie möglich: Das New Yorker Quartett Mostly People Do The Killing.

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