Einigung mit Stadt Mailand über komplexe Zinsprodukte - Ackermann will Nachfolgern unbelasteten Start ermöglichen
Mailand/Frankfurt - Deutsche-Bank-Chef Josef
Ackermann räumt vor seinem Abschied mit alten Streitigkeiten auf.
Nach der aus Verhandlungskreisen bekanntgewordenen Einigung in der
Fehde um den Zusammenbruch des Kirch-Medienkonzerns steht die Bank in
Italien und den USA vor weiteren Vergleichen in millionenschweren
Konflikten. Die Deutsche Bank, die HRE-Tochter Depfa, JPMorgan und
die UBS haben sich mit der Stadt Mailand vorläufig auf die Beilegung
eines aufsehenerregenden Verfahrens um komplexe Zinsprodukte
geeinigt, wie der Generaldirektor der Mailänder Stadtverwaltung,
Davide Corritore, am Freitag sagte.
Mit den Zinsswaps wollte die Millionenstadt ihre Zinslast für
eine 1,7 Milliarden Euro schwere Anleihe verringern, hatte aber - wie
viele andere Kommunen in Italien - große Verluste erlitten. Die
Banken hatten ein Fehlverhalten zurückgewiesen. Nach der vorläufigen
Einigung kann die Stadtverwaltung den auf noch 450 Millionen Euro
veranschlagten Zeitwert der Zinsprodukte einstreichen und erhält
weitere 40 Millionen von den Banken. Die zugrundeliegende Anleihe
soll bis 2035 zurückgezahlt werden. Im Gegenzug ziehe die Stadt ihre
Klage zurück, und auch in einem parallel laufenden Strafverfahren
werde kein Vertreter Mailands als Zeuge aussagen. In den nächsten
Tagen müssten aber noch die letzten Details ausgehandelt werden,
sagte Corritore.
Ähnliche Zinstauschprodukte hatte die Deutsche Bank auch an
deutsche Städte und Mittelständler verkauft. Dafür war sie vom
Bundesgerichtshof verurteilt worden. Seither hat sie sich mit vielen
Klägern in Deutschland geeinigt.
Ackermann hatte auf der Bilanzpressekonferenz erklärt, er wolle
noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Mai Streitigkeiten ausräumen, in
die die Deutsche Bank verwickelt ist, um seinen Nachfolgern Jürgen
Fitschen und Anshu Jain einen unbelasteten Start zu ermöglichen. Die
Bank hatte für Rechtsstreitigkeiten im vierten Quartal allein 380
Millionen Euro zurückgestellt. Selbst in dem seit zehn Jahren
währenden und in zahlreichen Prozessen ausgetragenen Dauerstreit um
die Pleite des Medien-Imperiums von Leo Kirch zeichnet sich Kreisen
zufolge eine für die Bank rund 800 Millionen Euro teure Einigung ab.
Verhandlungskreisen zufolge arbeitet die Deutsche Bank auch mit
der Zweckgesellschaft Loreley Financing an einem Vergleich. Das
Geldhaus hatte dem Finanzvehikel, hinter dem die in der Finanzkrise
ins Wanken geratene Düsseldorfer IKB steckt, komplexe Finanzprodukte
verkauft. Sie bescherten der Mittelstandsbank herbe Verluste, als der
US-Immobilienmarkt zusammenbrach. Deutsche Bank und IKB wollten sich
dazu nicht äußern.
Die Deutsche Bank hatte Anleihen konstruiert und kurz vor der
Krise an mehrere Loreley-Gesellschaften verkauft, die mit
zweitklassigen Hypothekenpapieren besichert sind (CDOs). Loreley
hatte die Bank im Herbst auf 440 Millionen Dollar verklagt, weil sie
dem Branchenprimus vorwarf, von der schlechten Qualität des Produkts
gewusst zu haben. Die IKB musste mit Milliardensummen von ihrem
Großaktionär, der staatlichen Förderbank KfW, gerettet werden. Ihr
dürften daher auch die Erlöse aus einem Vergleich zum größten Teil
zugutekommen. Klagen von Loreley sind auch gegen Credit Suisse,
Citigroup und JPMorgan anhängig. (APA/Reuters)