Oliver Bottinis Krimi "Der kalte Traum"
Die verheerenden Folgen von Nationalismus und ihre Fernwirkung auf nachfolgende Generationen sind das Thema von Oliver Bottinis Krimi.
Das klingt theorielastig, aber der Autor macht daraus einen packenden
Roman. Ein deutscher Staatsbürger kroatischer Herkunft ist verschwunden.
Die Familie behauptet, er sei als freiwilliger Kämpfer für Kroatien
getötet und in einem Massengrab verscharrt worden. Das scheinen nun,
Jahre später, nicht alle zu glauben.
Ein deutscher Ex-Politiker zeigt
Interesse am Verschwundenen. Eine Journalistin in Zagreb entdeckt ein
grausames Foto, auf dem ein Kroate einem alten Serben die Pistole an den
Kopf hält. Sie versucht herauszufinden, wer diese Personen sind. Vor
dem Hintergrund der Haager Kriegsverbrecherprozesse gewinnen die
Nachforschungen Brisanz, plötzlich suchen auch Geheimdienstler den
jungen Mann.
Bottini verwebt mehrere Handlungsstränge miteinander und
ist penibel in den historischen Details, die auch im Anhang
rekapituliert werden. So beschreibt er das Engagement eines
österreichischen Konzerns in Kroatien. Dass die Partei, die die bessere
PR-Agentur beschäftigt und die besser manipulierten Meldungen über die
Gräueltaten des Gegners lanciert, größere Chancen hat, als Staat
anerkannt zu werden, ist zynisch, aber Faktum. Spannend und lehrreich.
(Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)