Denn sie wissen (oft) nicht, was sie tun

17. Februar 2012, 18:44
  • Einen Tag lang werden im Kurs Basics im Umgang mit jenem "Spielplatz" vermittelt, der sich längst zum Maß aller Schnee-Dinge entwickelt hat: der freie Skiraum.
    foto: www.schullawinenkurs.at

    Einen Tag lang werden im Kurs Basics im Umgang mit jenem "Spielplatz" vermittelt, der sich längst zum Maß aller Schnee-Dinge entwickelt hat: der freie Skiraum.

Skifahren im freien Gelände boomt - Kurse an Schulen sollen Gefahren vermitteln

Hall - Ein Tag, weiß auch Verena Walser, ist nicht genug: "Um sich im Backcountry sicher bewegen zu können, um Situationen und Hänge richtig einschätzen zu können, braucht es jahrelange Erfahrung und ständiges Üben", betont sie - und ist dennoch überzeugt, das Richtige zu tun: "Wir wollen sensibilisieren - und den Jugendlichen zeigen, worauf sie sich einlassen." Das Feedback, so die in Hall lebende Skilehrerin, bestätige sie: Die Nachfrage nach ihren Sicherheitsworkshops im Schnee sei enorm: "Schulen, Eltern und Kommunen erkennen, dass das wichtig ist."

Es ist mittlerweile sechs Jahre her, dass Walser erstmals einen Bergführer zu einem "Snowhow-Schullawinenkurs" in eine Innsbrucker allgemeinbildende höhere Schule schickte. Einen Tag lang wurden da die Basics im Umgang mit jenem "Spielplatz" vermittelt, der sich längst zum Maß aller Schnee-Dinge entwickelt hat: der freie Skiraum. Cooler formuliert: das "Backcountry".

Lawinen-Camps 

Den Zug ins Gelände aufhalten zu wollen, weiß Walser, wäre sinnlos: 1999 hat sie - gemeinsam mit einem Profi-Snowboarder und einem Bergführer - ihr erstes "Snowboard Avalanche Awareness Camp" abgehalten. Zielgruppe: jugendliche Boarder. "Aber seit die Skier breiter werden und jeder Ort mit Freeridern wirbt, explodiert die Zahl der Backcountryfahrer auf Skiern." Und im Gespräch mit Kids und Eltern stellt sich oft heraus: "Die wissen oft echt nicht, was sie tun."

Mittlerweile sind über 25 Bergführer im Pool der "Snowhow Schullawinenkurse". Sponsoren und Gemeinden finanzieren die Workshops, die in Innsbruck, Telfs, Reutte, Landeck und Lienz für die Schüler kostenlos abgehalten werden. Das Alter der Zielgruppe sinkt: Auch Volksschulen fragten schon bei Walser an. Doch auch bei älteren, "klassischen" Tourengehern gibt es ein Umdenken. Walser: "Die waren oft ihr ganzes Leben einfach so unterwegs. Aber weil ich mich am Berg auf meine Kameraden verlassen können muss, geraten sie jetzt unter Zugzwang."

Lawinen sind in jeder Wintersaison die größte Gefahr für diejenigen Wintersportler, die abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind. "Durchschnittlich gibt es in Österreich etwa 100 Lawinenunfälle. Allein ein Drittel der Opfer ist durch das Variantenfahren zu beklagen. Selbst wenn man sich in der Nähe der Skigebiete bewegt, ist man im freien ungesicherten Skiraum unterwegs", sagt Karl Gabl vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit. "Falsche Bequemlichkeit, verbunden mit geringer Erfahrung, mangelnder Planung einer Tour, schlechter Ausrüstung und fehlenden Suchstrategien, hat völlig umsonst so manches Menschenleben gefordert. Professionelle Tourengeher oder Variantenfahrer sind niemals allein unterwegs, außerdem zeichnet sie die Bereitschaft zur Umkehr aus."

Powderfreaks

Derzeit sind zwar die "Snowhow"-Kurse Österreich einziges Schulprojekt zur Sicherheit im Backcountry. Aber jugendliche Powderfreaks sind längst im Fokus der Aufmerksamkeit der alpinen Vereine. Der Alpenverein (ÖAV) startete im Jahr 1999 das Projekt "Risk & Fun". In fünftägigen Camps vermitteln "Peers" - meist als cool geltende Profis - mit Bergführern Know-how über Gefahren und richtigen Umgang mit Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), Sonde und Schaufel.

Subkutan geht es aber um mehr, betont Jürgen Einwanger, einer der Väter des Projektes: "Verbote zu predigen bringt nichts. Wir müssen Risikokompetenz vermitteln: Entscheide selbst - aber übernimm dafür die Verantwortung. Dafür muss man aber auch über die Konsequenzen Bescheid wissen."

Doch genau hier, so der Leiter der ÖAV-Bildungsakademie, träfe er oft auf ein pädagogisches Dilemma: "Vor lauter ,Overcaring' können Kinder und Jugendliche kaum mehr an ihre Grenzen gelangen." Wenn jedes Klettergerüst so dimensioniert ist, "dass ich mir nie überlegen muss, ob ich mir das wirklich zutraue, bewirkt das einen fatalen Lernprozess."

Und gerade am Berg, so Einwanger, kann dieser angelernte Glaube, "dass sich alles immer ausgeht oder dass einer kommt, der es wieder gut macht, lebensgefährlich sein. Manchmal sogar tödlich." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.2.2012)

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Wie wär's damit: einfach nicht jede verfügbare Piste zu Tode präparieren. Pistenkilometer haben wir ja genug, da könnte man doch einige einfach im "Rohzustand" belassen.

Auch wenn der Herr vom ÖAV vielleicht aus einer bedenklichen Ecke kommt

Aber mit dem "Overcaring" (Wort vorher noch nie gehört) hat er schon recht. Man muss lernen mit Gefahr umzugehen, auch wenn das selbst natürlich gefährlich ist.

Viel zu viele glauben, was irgendwie erlaubt oder nicht explizit verhindert ist ist harmlos und schalten das Hirn aus. Wir glauben langsam, das uns die Gesellschaft alle Gefahren abhalten muss. Das ist nicht nur gefährlich sondern vor allem auch eine Form der Verdummung.

warum sollte

die Ecke bedenklich sein ?

Jaja, die liebe idyllische Natur auf die es sich manche so dermassen stehen.

Unter "freerider" versteht man im englischen Sprachraum "Schwarzfahrer". Was das mit Skifahren zu tun, hat geht mir nicht ganz auf. Wollte sich der Prinz etwa die Liftkarte sparen? Oder handelt es sich wieder um einen Pseudo-Anglizismus wie "Handy" oder "Wellness"?

trittbrettfahrer

steht im leo. trittbrettfahrer ist ja so was wie ein schwarzfahrer. aber alles nicht so tragisch wenn overgecaredte kids im backcountry freeriden sollen sie zumindest sportlich auf zack sein und der swag muss auch stimmen. sprache eh scho wuascht.
gibts eigentlich auch avalanching (snowsliding) - stelle ich mir sovor: lawinenhang und der adept weiss es und fährt hinein um die lawine auszulösen und versucht zu überleben. das wäre so was wie der triathlon wo die teilnehmer solange kämpfen bis es nur mehr einen im bewerb gibt. der hat dann gewonnen.

versuchen sie doch zumindestens vorher sich zu informieren: http://en.wikipedia.org/wiki/Freeride

freeride kommt von mountain biking und wurde dann auf skifahren übertragen.

das in london schwarzfahren auch freeride genannt wird, ist eine witzige übernahme des begriffs von einer sportart auf etwas "alltägliches". der begriff wurde also von schwarzfahrerInnen übernommen!

freeride

ist denglisch fuer Tiefschneefahren

"Freeride is a discipline of mountain biking closely related to downhill cycling and dirt jumping focused on tricks, style, and technical trail features. It is now recognized as one of the most popular disciplines within mountain biking."

verwenden also schon selbst die engländer begriffe die von englischen ins deutsche gewandert sind?

der begriff wurde dann einfach auch fürs skifahren übernommen.

und wenn ihnen wiki nicht genügt: http://nsmba.ca/history

began in the winter of 1997

es gab eine Welt vor 1997; Erst war das Schi fahren, dann kam MTB, nicht umgekehrt

aber wie hieß dann schwarzfahren vor 1997 auf Englisch, mussten die jetzt erst auf die MTB, SKI, oder Snowboard freeride Gemeinde warten. Oder vielleicht kams auch von Onkel Hoss aus Bonanza, dem ersten freerider on horse.

????

schlechter Haeckler

"The term "Freeriding" was coined when early snowboarders chose to break away from what they considered to be the restrictive confines of traditional ski culture and competition"
Wenn schon gschaftln, dann wenigstens richtig. Oft reicht ein Blick in Wikipedia aus.

tja

auf einer bank kann ich auch sitzen und geld einzahlen

also warum sollt freeriden ned auch mehrere bedeutungen haben?

Luxusprobleme

Je größer der Luxus, umso größer die Luxusprobleme.

100 tote

als Lukusproblem zu bezeichnen hat was

Hast ein Lokus-Problem?

eher

multitasking

und der steuerzahler muss diese wintersport-mafia auch noch mitfinanzieren.

wintersport-mafia?

aus welchem loch kommst du den gekrochen??? bist wahrscheinlich einer jener, die alles verbnieten wollen, was andere machen und das kosten verursachen könnte, es bei sich selbst aber nicht so genau nehmen, stimmts??

gratuliere übrigens zum bisher blödesten kommentar zum thema!

Der Staat verdient nämlich durch Wintertouristen so gut wie nichts :-DD

Am besten alles verbieten und reglementieren. Eigenverantwortung ist ganz, ganz böse. Kann im schlimmsten Fall zu selbstständigen denken führen.
Alle Kinder/Jugendlichen die nicht vor der Spielkonsole sitzen sollen vom Versicherungsschutz ausgenommen werden und ihre Bilder öffentlich gemacht werden.

genau

und tempo 30 auf pisten, tiefschneefahren nur auf gesprengten hängen bei einer maximalen schneehöhe von 15cm.

das wird geil

du nennst also kinder die rausgehen und die Natur erleben und Spaß haben wollen Mafia? äh. ja. gut. ich hoff du kriegst deine Medikation regt bald.

aber Rad- u. Schihelmpflicht

is ja soviel guat

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