Treffen der Staatschefs von Pakistan, Iran, Afghanistan
Islamabad/Neu-Delhi - Bei einem Gipfel in Islamabad redeten die
Präsidenten von Afghanistan, Pakistan und dem Iran am Freitag über
mögliche Friedens-Gespräche mit den Taliban, die USA waren nicht
eingeladen. Auch der amerikanische "Lieblingsschurke", Irans Staatschef
Mahmud Ahmadi-Nejad reiste aus Teheran an. Allein dies dürfte in den USA
für Stirnrunzeln gesorgt haben.
Ahmadi-Nejad, Afghanistans Präsident Hamid Karzai und sein
pakistanischer Kollege Asif Ali Zardari wollten zeigen, dass sie auch
eine Lösung an den USA vorbeizimmern könnten. Besonders empört sind die
drei Regionalmächte, dass die USA sie bei den Vorgesprächen mit den
Taliban in Katar nicht eingebunden haben, immerhin betrifft jede Lösung
zunächst sie und nicht die Bürger Amerikas. Die zentralen Streitfragen
lauten: Wer hat die Verhandlungshoheit? Wessen Handschrift trägt ein
möglicher Deal? Und wessen politischen Zielen dient er - denen
Afghanistans, der Region oder vorrangig denen der USA?
Karzai pocht darauf, dass das Mandat bei Afghanistan liegt. Die USA
hätten nicht das Recht, im Namen der Afghanen mit den Taliban zu
verhandeln, zürnte er. Auch Pakistan und der Iran stellten sich nun
hinter einen von "Afghanistan geführten" Friedensprozess und damit
indirekt gegen eine Führungsrolle der USA. "Die Probleme der Region
müssen regional gelöst werden", forderte Ahmadi-Nejad. Es gibt nur ein
winziges Problem: Die Taliban wollen partout nicht mit Afghanistans
Präsidenten reden. Boshaft dementierten sie prompt Karzais Aussagen im
Wall Street Journal, Gespräche hätten begonnen.
Doch da könnte Pakistan ins Spiel kommen. Angeblich beherbergt es weiter
die Spitze der afghanischen Taliban. Beinahe flehentlich drängt Karzai
Pakistan seit Wochen, die Führungsclique um Mullah Omar zu Gesprächen
mit seiner Regierung zu zwingen. Auch der Iran, spielt eine
Schlüsselrolle: Teheran unterstützt kräftig die Nordallianz, also die
Gegner der Taliban. (DER STANDARD-Printausgabe, 18./19.02.2012)