Reich an Autobahnen

Bundesregierung im Bauwahn?

Kommentar der anderen | Gerhard Heilingbrunner, 17. Februar 2012, 18:34

Plädoyer für eine "Betonbremse" im Konsolidierungspaket - Von Gerhard Heilingbrunner

Österreich ist ein reiches Land. Auch wenn wir von der Wirtschafts- und Finanzkrise durchgebeutelt werden, sind wir reich an Kultur, landschaftlicher Schönheit, reich an Wasser und klarer Luft. Aber die Alpenrepublik ist insbesondere auch reich an Autobahnen. 26,2 Kilometer Autobahn kommen auf 100.000 Einwohner. Damit liegt Österreich um 10 km vor der Autobahn-Nation Deutschland, und 13 km vor dem Durchschnitt der 27 EU-Länder. Rechnet man die Flächen zusammen, die in Österreich für Autobahnen, Böschung, Anschlussstellen, Autobahnknoten und Autobahnrastplätze, sowie für Lärmschutz und Schutzabstand zu Autobahnen beansprucht werden, kommt man auf ein Areal von mehr als 40.000 Hektar oder 50 m² je Österreicher/in. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Wohnfläche beträgt 43 m² pro Person. Landes- und Gemeindestraßen sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

Angesichts der Staatsschulden wird zurzeit an allen Ecken und Enden nach Einsparungen gesucht. Das aktuelle Sparpaket der Bundesregierung sieht Einschnitte bei Pensionen, Gesundheit und Sozialem vor. Davon unbeeindruckt agieren die Bundesregierung und die Bundesländer so, als sei die Republik Österreich eine Baufirma. Straßen und Tunnels werden in großem Stil geplant. Während das Land zubetoniert wird, fehlt das Geld bei Bildung, Forschung und für die Umwelt. Ein fataler Fehler in der Weichenstellung!

Schon 1984 hat Günther Nenning im Zuge der Auseinandersetzungen um Hainburg appelliert: Die Republik ist doch keine Baufirma! 28 Jahre später gilt dieser Mahnruf weiterhin. Denn: Für Autobahnen und Tunnelprojekte werden Milliarden verschleudert, die Kosten laufen aus dem Ruder. Viele dieser Großprojekte sind völlig überflüssig und in Zeiten des erzwungenen Schuldenabbaus sogar grob fahrlässig. Die Budget-Kosmetik bei den Bahn-Tunnels (vgl. Kommentar oben) kann dabei nicht davon ablenken, dass der Bauwahn der Bundesregierung insbesondere bei Autobahn- und Schnellstraßen vom Sparpaket ausgenommen ist und die Regierung buchstäblich Milliarden auf der Straße liegen lässt. Bis 2016 sollen Autobahnen und Schnellstraßen im Wert von 6,5 Milliarden Euro gebaut werden, obwohl Österreich eines der dichtesten Autobahnnetze Europas hat. Zu den fraglichen Betonwüsten zählen u.a: S 1 Lobauautobahn, S 3 Weinviertel Schnellstraße, S 7 Fürstenfelder Schnellstraße, S 8 Marchfeldschnellstraße, S 34 Traisental Schnellstraße, S 36, S 37 Klagenfurter Schnellstraße, A5 Nordautobahn, A9 Pyhrnautobahn, A26 Linzer Westring.

Die Bremse muss auch bei den ÖBB-Tunnelausbauprojekten Koralm-, Brennerbasis- und Semmeringtunnel gezogen werden. Da die Nutzung nicht geklärt ist, und solange der Güterverkehr auf der Straße so konkurrenzlos subventioniert wird, solange keine effektiven Maßnahmen und glaubwürdigen Pläne und Gesetzesvorschläge zur Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene getroffen sind, solange müssen diese Megaprojekte jedenfalls in der Schublade bleiben. Ein Sparpaket, das diesen Namen auch verdient, muss nüchtern hinterfragen, ob man sich dieses Milliardentunnelausbauprogramm überhaupt leisten kann und wer diese heiligen Kühe der Verkehrsministerin eigentlich braucht.

Fazit: Das Sparpaket hat ordentlichen Nachbesserungsbedarf. Unnötige Autobahnprojekte und Tunnelbauten müssen gestrichen und der Abbau umweltschädlicher Subventionen angepackt werden, um die Lohnnebenkosten zu senken und Arbeitsplätze zu schaffen. Eine solche Abspeckkur wäre nachhaltig und die Menschen könnten sie verstehen und mittragen. Worauf wartet die Regierung noch? (Gerhard Heilingbrunner, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

Autor

Gerhard Heilingbrunner ist ehrenamtlicher Präsident des Umweltdachverbandes.

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Posting 1 bis 25 von 146
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http://zeichnemit.at/
00
27.2.2012, 12:14
Die Bahn spart, die Asfinag baut Staatsgräber

gerade in der "Krise" sollte man auch bei den Straßenprojekten einsparen.

http://www.trend.at/articles/... ld-strasse

Nessus
00
19.2.2012, 18:43
Na wo lässt sich denn die dicke Kohle machen??

Am besten in der Rüstungsindustrie, aber dann kommt gleich die Bauwirtschaft. Und nur bei Großprojekten ist der optimale Profit drin, samt Schmiere für alle Beteiligten.

Wer ist da schon am Einbremsen interessiert? Vor allem, wenn man die Krise nur durch Wachstum überwinden will. Und Wachstum heißt fast immer: mehr bauen, wurscht, ob das Gebaute dann auch überhaupt wer brauchen kann.

Süffisant
15
19.2.2012, 14:27
Wobei man noch etwas festhalten muss:

Hier werden nur Errichtungskosten betont, jedoch darf man die ERHALTUNGSKOSTEN nicht vergessen!
Und je mehr Autobahnkilometer errichtet werden, umso höher sind automatisch die jährlichen Erhaltungskosten!

Ministerium für Wahrheit
20
19.2.2012, 18:11
Und senkt die

Treibstoffkosten und die Erhaltungskosten für Bundesstrassen und erhöht die Lebensqualität der Menschen deren Orte nicht mehr von tausenden Fahrzeugen durchfahren werden!

BraS
 
00
20.2.2012, 17:02

inwiefern soll höherer Luftwiderstand infolge höherer Geschwindigkeit die Treibstoffkosten senken können?

das was im untergeorneten Netz an Erhaltiungskosten eingespart werden kann, ist gegenüber der Zusatzkosten ziemlich vernachlässigbar.

Austrialix
00
19.2.2012, 12:43
EU-Beteiligung sollte schon längst pflicht sein

jeder km autobahn in österreich wird zu guten teilen von nicht-österreichischen-steuerzahlern benutzt, belastet und beschädigt. die abgase, der lärm und der feinstaub bleiben als "geschenk" über. der strassenbau ist ein musterbeispiel für staatliche subvention der industrie über "hintertürl". eine europaweite lösung ist längst überfällig. eine mautbefreiung für die jeweilige heimische bevölkerunge und eine entsprechende taxe der steuerlandfremden...

Informatiker
 
00
19.2.2012, 14:30
Die EU beteiligt sich ausschließlichen an den Kosten der 30 vorrangigen TEN-Projekte

http://de.wikipedia.org/wiki/Tran... sche_Netze

der schalldämpfer
00
19.2.2012, 12:39
Kann ja kein Problem sein!

Da ja die Mineralölsteuer zweckgebunden ist und dann auch noch die Einnahmen der Vignette dazugekommen sind, sollten wir uns eigentlich einen Weltraumbahnhof samt zugehöriger Raumschiffe leisten können.

\zynism off

Fritz Gurgiser
04
19.2.2012, 10:54
Abschied nehmen.

Wir sollten uns nichts vormachen und Abschied nehmen: Von der politischen Verlogenheit des "Verlagerns von Güterverkehr auf die Schiene". Real ist, dass sowohl die EU, die Nachbarländer und -staaten im Güterverkehr auf die Straße setzen (vgl. Weißbuch Verkehr 2011, Gigaliner im Probebetrieb in der BRD, EuGH zum sektoralen Lkw-Fahrverbot etc.). Auch die OBB ist zu hinterfragen: Brauchen wir eine "versteckte verstaatlichte Tunnelbaufirma", die nur mehr zum Milliardenverschub missbraucht wird, während sie sich flächendecken vom Güter- und Personentransport verabschiedet? Diese Diskussion ist zu führen - denn wir können uns viel leisten, das aber nicht: Milliardenschuldenberge für die nächsten Generationen für Verschwendungslöcher. F. Gurgiser

nestrus
00
27.2.2012, 12:41
"Real ist, dass sowohl die EU, die Nachbarländer und -staaten im Güterverkehr auf die Straße setzen"

Stimmt nicht ganz, weil die Schweiz macht das nicht!! Im Gegenteil, die bauten/bauen gleich zwei neue Nord/Süd-Verbindungen!

Dass man nicht die ÖBB versplittern, sondern einfach die Infrastruktur zum Ministerium oder in eine eigene Gesellschaft auslagern hätte sollen sage ich ja schon lange. (Damit würde man auch sehen, wie viel Minus die ÖBB als Eisenbahnverkehrsunternehmen machen und wie viel nur die Infrastruktur kostet.)
Aber warum die ÖBB (Infra) hinterfragen, aber die asfinag nicht?

Fritz Gurgiser
00
27.2.2012, 13:07
Die ASFINAG wird genauso hinterfragt,

hat aber durch Roadpricing und Maut bessere Voraussetzungen, ihre Schuldenberge abzubauen, wenn sich die Landesfürsten endlich besinnen und von einer Reihe von Prestigeprojekten Abstand nehmen - dazu wollen wir ihnen mit unserem Bürgerwiderstand gerne behilflich sein. Wir brauchen in Österreich mit Milliarden an Steuergeld in Beton, Asphalt oder Tunnels, sondern in Projekte, die einen hohen regionalen Beschäftigungseffekt aufweisen. LG, Fritz Gurgiser

Fritz Gurgiser
00
27.2.2012, 13:04
Lassen Sie sich bitte nicht täuschen.

Die Schweiz wird immer als "Super-Argument" vorgeschoben; vor allem bei uns in Tirol, um den BBT zu legitmieren. Schaut, wie weit die Schweizer schon sind ... Nur wird in dümmlicher und primitiver Form das Falsche verglichen: Mich interessiert doch nicht, wie weit die Schweizer mit dem Graben ihrer beiden Löcher sind - mich interessiert, wie es der Schweis mit dem "Verlagern" und damit "Entlasten" geht. Und siehe da: Die Schweiz hat klammheimlich ihr Verlagerungsziel aus der Verfassung (650.000 Transit-Lkw pro Jahr durch die Schweiz ab 2009) vorläufig auf 2018 verschieben müssen. Der Unterschied zu A: Die Schweiz hat die Marie bereits "vertunnelt", die Österreich stehen wollen rücksichtslos nacheifern.
LG
Fritz Gurgiser

Forumspolizei
 
00
19.2.2012, 11:46
Als Planer wird man sofort davor gewarnt, der Tunnelmafia auch nur einen Meter wegzuplanen.

Und wer sonst hatte und hat in den ÖBB das Sagen ?

Fritz Gurgiser
03
19.2.2012, 12:16
Ich bin immer wieder überrascht, dass vollkommen

übersehen wird, dass die ÖBB einen "Eigentümervertreter" haben - die ÖBB gehören uns allen und derzeit werden sie still und heimlich zu einer verstaatlichen Tunnelbaufirma um"strukturiert". Dies alles, seit der heutige Bundeskanzler Werner Faymann Verkehrsminister wurde und seit an der Spitze des Aufsichtsrates kein Verkehrsprofi, sondern ein pensionierte Bauprofi sitzt. In den ÖBB sitzen bloß die Handlanger und sollten sich jeden Tat schämen, wenn sie in einen Spiegel schauen, wie sie die ÖBB in den "Tunnelsumpf" führen. Unsere Kritik sollte also genau dort angebracht werden, wo die Entscheidungen tatsächlich fallen - im BKA und im BMVIT.
LG
Fritz Gurgiser

Informatiker
 
00
19.2.2012, 14:28
Franz Voves hat Gusenbauer und Faymann nach Graz zitiert !

Und aus war es mit der erklärten Absicht der damaligen Bundesregierung, Semmering- und Koralmtunnel abzublasen.

Fritz Gurgiser
00
19.2.2012, 15:28
Ja, das war ja schön in der ZiB und in Folge

in allen Medien zu sehen, zu hören und zu lesen. Deshalb wird der "Spargeltunnel" nicht besser, sondern ist aus meiner Sicht als klassischer Missbrauch von Steuergeld zu bewerten (genauso wie die beiden anderen "Verschwendungslöcher" am Semmering und am Brenner).
LG
Fritz Gurgiser

Informatiker
 
00
19.2.2012, 19:21
Schuster, bleib bei Deinen (tiroler) Leisten !

Die Untertunnelung der Donau im Osten von Wien ist für Verkehrsplaner plausibel, auch wenn auch dort politisches Kleingeld versucht wird.

Wolfgang Lederbauer1
00
20.2.2012, 18:01
Plausibel ist das Schließen des Umfahrunsgrings in diesem Bereich.

Plausibel ist das Schließen des Umfahrunsgrings in diesem Bereich.

Mit Sicherheit gibt es bessere und billigere Lösungen.

Wir haben nachgedacht:

SFH-529 Vorschläge von Dr. Lederbauer für die Optimierung des Regionenrings um Wien, insbesondere Querung der Lobau, der Neuen Donau und der Donau

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php... =687&page=

Es gibt bereits Reaktionen...

SFH-4618 e mail des Dialogbüros Wien Die Grünen an Dr. Lederbauer vom Dienstag, 09. November 2010 11:48
Re: ECOOO-TUNNEL - ECOOO-BRIDGE, Lückenschluß Umfa

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php... 5321&page=

Na dann halt nicht...

http://so-for-humanity.com2000.at

Informatiker
 
01
20.2.2012, 18:51
Aus Respekt vor Ihrer persönlichen Lebensgeschichte möchte ich die einzelnen Vorschläge hier nicht einer kritischen Würdigung unterziehen.

Wolfgang Lederbauer1
00
21.2.2012, 06:30
Danke für Ihre Haltung. Aber warum sollte man nicht Vorschläge einer kritischen Würdigung unterzeihen? Tatsache ist, dass dieses Projekt nach wie vor verfolgt wird und die Realisierung aus Finanzierungsgründen nur verschoben wurde. Scheuen Sie sich

Danke für Ihre Haltung. Aber warum sollte man nicht Vorschläge einer kritischen Würdigung unterzeihen?

Tatsache ist, dass dieses Projekt nach wie vor verfolgt wird und die Realisierung aus Finanzierungsgründen nur verschoben wurde.

Scheuen Sie sich bitte nicht, eine kritische Würdigung auf diesem Weg zu machen.

Das ist gelebte Demokratie.

http://so-for-humanity.com2000.at

Informatiker
 
00
21.2.2012, 19:29
Leider hat sich der Management-Club total verändert.

Dort konnte man früher gute Leute wie Sie treffen. Aber Computertastaturen sind für Grundsatzfragen kein geeignetes Kommunikationsmittel.

Wolfgang Lederbauer1
00
21.2.2012, 23:30
...Aber Computertastaturen sind für Grundsatzfragen kein geeignetes Kommunikationsmittel....

Gut, dann rufen Sie mich bitte an. Wir können das Thema dann persönlich besprechen.

Tel.: 0664 112 99 75

http://so-for-humanity.com2000.at

Informatiker
 
00
22.2.2012, 02:23
Mache ich doch tatsächlich.

So können wir unser anregendes Gespräch von vor vielen Jahren fortsetzen und vielleicht zur Gewohnheit werden lassen.

BraS
 
01
20.2.2012, 17:05
Die Untertunnelung der Donau im Osten von Wien ist für Verkehrsplaner plausibel

nein, nicht wirklich.
Es sei denn, man möchte sich künftige Stauprobleme schaffen.

Informatiker
 
10
20.2.2012, 18:55
Der Lobau-Tunnel ist ein Ergebnis des Überlebenswillens der Anrainer der Verkehrshölle "Roter Hiasl".

Überdies wird die Fahrt zwischen den boomenden Siedlungsgebieten zwischen Lobau und Groß-Enzersdorf einerseits und dem Großraum Schwechat andrerseits um etwa eine halbe Stunde pro Fahrt verkürzt.

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